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Geflügelfütterung

Gras als Soja-Ersatz: Das Futter der Zukunft?

Die Hohenheimer Hähnchenküken fanden das grasbasierte Proteinfutter schmackhaft.
am Mittwoch, 28.12.2022 - 05:30 (3 Kommentare)

Forscher haben aus Gras proteinreiches Geflügelfutter hergestellt. Das steckt hinter dem Soja-Ersatz.

Gras und andere grüne Pflanzen sind voll von Protein. Die enthaltenen Aminosäuren konnten inder Fütterung bislang aber nur Wiederkäuer verwerten.

Im Projekt der ProGrün der Uni Hohenheim haben Forscher nun erfolgreich die Proteine aus Gras extrahiert und zu Geflügelfutter verarbeitet. „Die Zusammensetzung der Aminosäuren in dem Proteinextrakt entspricht in etwa der von Soja“, erklärt Prof. Dr. Rodehutscord, vom Fachgebiet Tierernährung in Hohenheim. „Und ist damit im Prinzip hervorragend für die Ernährung von Hühnern und Schweinen geeignet.“

Wie haben die Forscher das Protein aus dem Gras extrahiert?

Zur Extraktion haben die Hohenheimer Wissenschaftler eine Bioraffinerie-Testanlage genutzt. So konnten sie aus rund 45 t frisch geschnittenem Gras ein Futter extrahieren, das insgesamt 1 t enthält.

Zunächst haben die Wissenschaftler das Gras dafür zerkleinert und anschließend gepresst. Der Presssaft enthält hohe Anteile an löslichen Proteinen sowie verschiedene andere Inhaltsstoffe. Zwei Drittel es Proteins bleiben aber im Presskuchen zurück.

Wie lässt sich aus Gras schmackhaftes Geflügelfutter gewinnen?

Die ersten 50 kg konnte das Forscherteam bereits an Küken verfüttern. Nach einigen Versuchen fanden die Tiere das Futter schmackhaft und nahmen es an. „Zucker, Säuren und andere Substanzen im Presssaft können die Verdaulichkeit der Proteine beeinträchtigen“, erklärt Prof. Dr. Rodehutscord. Deshalb werden diese weitgehend abgetrennt. Anschließend werden die Proteine getrocknet, mit weiteren Tierfutterbestandteilen gemischt und pelletiert. L

Langfristig lasse sich der Proteinextrakt aber auch in der menschlichen Ernährung einsetzen. Dazu komme eine Nutzung in der Bioökonomie. Hier gebe es Einsatzmöglichkeiten als biobasierter Kunststoff, für Papier, als Dünger oder Energie.

Diese Vorteile hätte Protein aus Gras:

Dauergrünland macht in Deutschland ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Im Gegensatz zu Ackerflächen steht die Grünlandnutzung nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Zudem wird der Grünlandschnitt, beispielsweise aus der Landschaftspflege, nicht mehr überall verfüttert.

Die Forscher hoffen, dass sich so die Soja-Importe aus dem Ausland reduzieren lassen. Die Stickstoffverbindungen, die mit dem Futter exportiert werden, fehlten in den Anbauländern, während es in Europa zu Überschüssen in Form von organischen Düngern komme. 

Mit Material von Universität Hohenheim
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