Login
Grünland

Grasernte: 8 Tipps zur Unfallvermeidung

© Mühlhausen/landpixel
von , am
16.06.2015

Die Bedienung einer modernen Erntemaschine erfordert heutzutage einiges an Fachwissen. Geeignetes Personal zu finden wird dabei zur Herausforderung. Um Unfälle zu vermeiden, sollte immer eine ausführliche Unterweisung stattfinden.

Für den dritten Schnitt sind im Normalfall zirka 40 bis 80 kg Stickstoff pro Hektar sinnvoll. © Krone
Im Umgang mit Erntemaschinen werden der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) vor allem Unfälle im Straßenverkehr, beim Auf- und Absteigen der Maschine sowie bei Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten gemeldet. Letztere enden besonders schlimm, wenn in die laufende Maschine eingegriffen wird. Insbesondere während der Grasernte mit dem Feldhäcksler ist besondere Aufmerksamkeit geboten.

1. Mitarbeiter unterweisen

Vor Inbetriebnahme sind die hoch beanspruchten Befestigungsteile zu prüfen. Haarrisse, z. B. im Oberlenker, sind häufig mit bloßen Augen zu erkennen. © SVLFG
Der Unternehmer hat seine Mitarbeiter in der Arbeitssicherheit zu unterweisen. Auch wenn diese "vom Fach" sind, werden mit einer Unterweisung der Standpunkt des Arbeitgebers verdeutlicht und bestehende Wissenslücken der Mitarbeiter geschlossen. Die Unterweisung sollte unbedingt dokumentiert werden. Auch die Betriebsanleitungen der Hersteller enthalten wichtige Informationen zur Arbeitssicherheit.
 

2. Übermüdung der Arbeiter vermeiden

Auch die Arbeitszeit spielt eine gewichtige Rolle. Sind Mitarbeiter übermüdet und bis an ihre Leistungsgrenze belastet, können gefährliche Situationen entstehen. Das Arbeitszeitgesetz ist zwingend zu beachten. Gegebenenfalls ist eine Schichtarbeitsregelung vorzusehen.

3. Verkehrsrechtliche Vorgaben beachten

Ein Haarriss am Oberlenker kann frühzeitig erkannt und so rechtzeitig getauscht werden. Zum Verhängnis kann solch ein Schaden im Straßenverkehr oder bei Instandsetzungs-arbeiten werden. © SVLFG
Im Umgang mit Erntemaschinen sind auch alle verkehrsrechtlichen Vorgaben zu beachten. So muss der Verantwortliche die Fahrzeugmaße kennen und eventuell erforderliche Geneh-migungen einholen. Alle Fahrzeugteile sind für die Straßenfahrt auf Transportstellung zu bringen. Scharfe Kanten und hervorstehende Teile sind abzudecken und/oder kenntlich zu machen. Während des Betriebes der Erntemaschine müssen alle beweglichen Teile abgedeckt bzw. mit den vom Hersteller vorgesehen Schutzeinrichtungen ausgestattet sein. Das Öffnen der Schutzeinrichtungen darf nur mit Hilfe eines Werkzeuges möglich sein.

4. Nicht in laufende Maschinen greifen

Bei der Instandsetzung ist auf scharfe Teile zu achten. Die Maschine ist dabei unbedingt still zu setzen (arretieren) und es sind geeignete Handschuhe sind zu tragen. © SVLFG
Immer wieder führt der Eingriff in laufende Maschinen zu schwerwiegenden Unfällen. Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten sind nur dann auszuführen, wenn der Motor abgestellt ist und der Nachlauf der Maschine bis zum Stillstand aller sich drehenden Teile abgewartet wurde. Während der Arbeiten an scharfkantigen Teilen, zum Beispiel an Schneidemessern, sind geeignete Handschuhe zu tragen. Beim Neustart der Maschine müssen alle Schutzeinrichtrungen montiert sein und sich alle Personen außerhalb des Gefahrenbereichs aufhalten.

5. Vorwärts auf- und rückwärts absteigen

Grundsätzlich ist die Maschine vorwärts zu besteigen und rückwärtig zu verlassen. So können alle Festhaltepunkte gut erreicht werden. Die Haltegriffe werden erst dann losgelassen, wenn man sicher mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Wer die letzten Stufen des Aufstieges mit einem Absprung auslässt, geht ein hohes Risiko von Gelenksverletzungen ein. Beim Aufkommen auf dem Boden nach einem Absprung wirkt das bis zu Vierfache des Körpergewichts auf die Gelenke. Die Belastung des gesamten Muskel-Skelettsystems, insbesondere des Rückens, ist also enorm erhöht.

6. Nur mit geeigneten Anschlagmitteln abschleppen

Vor allem in der späten Jahreszeit sitzen Maschinen aufgrund der Nässe häufiger auf dem Feld fest. Daher haben viele Betriebe inzwischen auf Raupenfahrwerke umgerüstet. Muss jedoch in letzter Konsequenz "freigeschleppt" werden, sind ausschließlich hierfür geeignete Anschlagmittel zu verwenden. Diese müssen komplett unbeschädigt und für die zu erwartenden Lasten ausgelegt sein. Empfohlen werden sogenannte Schleppschlingen aus dem Fachhandel. Häufiger Schwachpunkt neben den Seilen sind auch die Anschlagpunkte an den Maschinen. So sind Anhängerkupplungen oder Kuppelpunkte an Betonfrontgewichten nicht für solche Beanspruchungen ausgelegt.

7. Unterstellböcke bei der Wartung verwenden

Die regelmäßige Wartung ist unerlässlich. Werden Arbeiten an der Maschine verrichtet, muss deren Antrieb abgeschaltet sein und sicher abgestützt werden. Nur der Dreipunkt in der Hydraulik ist keine sichere Abstützung! Es sind daher zusätzlich stets Unterstellböcke zu verwenden. Der Zündschlüssel ist abzuziehen, das Fahrzeug gegen wegrollen zu sichern und die Betriebsanleitung des Herstellers zu beachten.
 
 

8. Komfort in der Kabine schaffen

Der Fahrersitz sollte korrekt auf den Fahrer eingestellt sein. Die korrekte Sitzeinstellung erhöht die Lebensdauer des Sitzes um bis zu 600 Stunden - abhängig von den tatsächlichen Belastungen. Außerdem wird so die Wirbelsäule optimal entlastet, Verspannungen im Rückenbereich werden reduziert und einer vorzeitigen Ermüdung des Fahrers wird entgegengewirkt. Fahrersitze müssen regelmäßig gewartet werden, da ihre Mechanik verschleißen kann. Die Kabineninnentemperatur sollte keinen größeren Unterschied zur Außentemperatur als sechs Grad Celsius betragen. So werden die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden des Fahrers optimal gefördert.
Auch interessant