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Grünland

Grünland düngen 2011

von , am
22.03.2011

Oldenburg - In diesem Jahr könnte das Wachstum deutlich früher beginnen, wenn der Winter sich nicht bald zurückmeldet, deshalb sollten die organischen Düngemittel rechtzeitig ausgebracht werden.

Stickstoffdüngung: drei Kilogramm Stickstoff pro Hektar muss dieses Jahr täglich aufgenommen werden. © Mühlhausen/landpixel
Es lohnt sich in der Regel immer, den wertvollen Wirtschaftsdünger Gülle auf seinen Nährstoffgehalt untersuchen zu lassen. Die Jahre 2009 und 2010 waren durch ausgeprägte Winter mit vergleichsweise spätem Vegetationsbeginn gekennzeichnet. Die zur Bestimmung des Vegetationsbeginn herangezogene korrigierte Temperatusumme von 200 C° wurde in Niedersachsen erst in der letzten Märzwoche bzw. in der ersten Aprilwoche erreicht.
 
In diesem Jahr könnte das Wachstum deutlich früher beginnen, wenn der Winter sich nicht bald zurückmeldet. Die korrigierte Temperatursumme beträgt am 16. Februar landesweit bereits etwa 90 C°.

Der wertvolle Nährstoffträger Gülle

Die Frühjahrsdüngung sollte jetzt vorbereitet werden, um günstige Witterungsbedingungen für die organische und mineralische Grund- und Stickstoffdüngung zu nutzen. Die Bodenfeuchte der Grünlandstandorte ist allgemein sehr hoch, leider konnte wegen unzureichender Befahrbarkeit noch nicht überall Gülle ausgebracht werden. Sobald die Flächen abgetrocknet und gut befahrbar sind, sollte jetzt der wertvolle Nährstoffträger Gülle auf dem Grünland ausgebracht werden.

Nährstoffanalyse ist wirtschaftlich

Es lohnt sich in der Regel immer, den wertvollen Wirtschaftsdünger Gülle auf seinen Nährstoffgehalt untersuchen zu lassen. Die Standardanalyse wird bei der LUFA Nord-West in Hameln für 44,- Euro zzgl. MWSt. angeboten. Die Proben können aus dem gut homogenisierten Güllelager während der Tankbefüllung entnommen werden. Da die mineralische Ergänzungsdüngung etwa 3 Wochen nach der im Februar durchgeführten Gülledüngung erfolgt, kann diese mit den Ergebnissen aus der Analyse abgestimmt werden.
 
Die Statistik der Untersuchungsergebnisse des Instituts für Boden und Umwelt der LUFA zeigt, dass Güllen sehr unterschiedliche Nährstoffgehalte aufweisen. Zunächst hat der Trockensubstanzgehalt den größten Einfluss auf den Nährstoffgehalt je m3. Versuche zur Wirkung der Nährstoffe aus Rindergülle deuten auf eine verzögerte Wirkung bei vergleichsweise später Düngung dieser Wirtschaftsdünger zum Vegetationsbeginn im März hin. Die Gülledüngung ab Mitte Januar ermöglicht dagegen höchste Wirkungsgrade im ersten Aufwuchs, wenn die Ausbringung so erfolgt, dass geringe Ammoniakemmisionen zu erwarten sind.

Bodenuntersuchung im Fokus

Die mit der Bodenanalyse mitgeteilten Düngeempfehlungen der LUFA Nord-West sind bei der Düngung zu berücksichtigen. Sie gelten bei unveränderter Bewirtschaftung der Flächen zunächst für drei Jahre; dann sollte die anzustrebende Gehaltsklasse C bei unveränderter Bewirtschaftung erreicht sein. Eine mineralische Düngung erfolgt als Ergänzung zu den anrechenbaren Nährstoffen aus Wirtschaftsdüngemitteln. Wenn zu Folgeaufwüchsen ebenfalls Gülle ausgebracht werden soll, können die damit ausgebrachten Grundnährstoffe P und K bei der mineralischen Grunddüngung im Frühjahr berücksichtigt werden.

Nährstoffpreise uneinheitlich

Stickstoff aus Kalkammonsalpeter ist mit 1,16 Euro je Kilogramm incl. Kalkausgleich vergleichsweise teuer und erhält zunehmend Konkurrenz durch flüssig ausgebrachtes AHL 28. Trotz stark kalkzehrender Wirkung des AHL liegt der theoretische Düngerpreis incl. Kalkausgleich bei nur 1,00 Euro je Kilogramm N. Noch günstiger kann die Stickstoffdüngung erfolgen, wenn auch Phosphorbedarf besteht und die Düngung mit Diammonphosphat erfolgt. Der Phosphor aus dem Einzelnährstoffdünger Triplephosphat ist mit 0,92 Euro je Kilogramm P2O5 recht teuer und belastet den P2O5-Preis im Diammonphosphat (46 Prozent) entsprechend, drückt aber den anzurechnenden Stickstoffpreis (18 Prozent) auf 0,65 Euro je Kilogramm N.
 
Die Abgabepreise für Kalium liegen bei 0,67 Euro (Kornkali) bis deutlich über 1,- Euro je Kilogramm K2O. Magnesia Kainit und Kalimagnesia sind Spezialdünger und müssen auch hinsichtlich ihres Magnesium- und Natriumanteils bewertet werden. Der Einsatz dieser Düngemittel ist nur bei intensiver Weidehaltung mit Milchvieh lohnend und bei deutlichem Magnesiummangel lohnend.

Empfehlungen zur Grunddüngung

Kaliumdüngung:
Kalium ist neben Stickstoff der wichtigste Baustein für das Gräserwachstum. Auf schwach sorptionsfähigen Standorten kann es leicht zu Mangelsituationen kommen, während die tonigen Mineralböden mehrjährige Vernachlässigung der Kaliumdüngung viel besser kompensieren. Für Marschstandorte werden deshalb deutlich reduzierte Empfehlungen zur Kaliumdüngung des Grünlands gegeben. Die Entzugsdüngung für Marschböden beträgt 20-40 Kilogramm bei Weidenutzung und bis 170 Kilogramm (mindestens 4 Schnitte) K2O je Hektar. Andere Bodenarten entziehen bei häufiger Schnittnutzung bis zu 300 Kilogramm K2O je Hektar. In weidelgrasreicher Neuansaat wird besonders viel Kalium von den Pflanzen aufgenommen, übermäßiger Kaliumentzug (Luxuskonsum) kann durch ausgewogenes Nährstoffangebot vermieden werden. Magnesium- und Natriumdüngung kann einseitig hohe Kaliumgehalte verhindern und das Grundfutter damit gesünder machen, besonders bei Weidehaltung des Milchviehs. Neben den ertraglichen sowie tiergesundheitlichen Wirkungen hat Kalium insbesondere bei beginnender Trockenheit positiven Einfluss auf die Stressstabilität der Gräser. An der Unterseite der Blätter befinden sich die Stomata, flexible Blattöffnungen, die für den gasförmigen Stoffaustausch (CO2, O2) zuständig sind und den Feuchtigkeitshaushalt der Pflanze regulieren, indem sie sich öffnen (Verdunstung) oder schließen (Verdunstungsschutz). Kalium ist für die Funktion dieser Stomata und den Zellinnendruck allgemein von größter Wichtigkeit und deshalb sehr wichtig für die Ausdauer der Gräser bei vorübergehender Trockenheit.
 
Phosphordüngung:
Der Phosphorentzug der Grünlandpflanzen ist wesentlich geringer als der Kaliumbedarf. Je Schnittnutzung können etwa 20 Kilogramm P2O5 je Hektar eingeplant werden, insgesamt ergibt sich ein Bedarf von 10-40 Kilogramm P2O5 bei Weidenutzung und bis zu 120 Kilogramm in 4-5 Schnitten. Phosphor kann auf organischen (Moor) Standorten verlagert werden , eine Vorratsdüngung ist auf Moor deshalb zu vermeiden. Bei niedriger Bodenversorgung (Gehaltsklassen A, B) kann der P2O5-Bedarf durch Einsatz phosphorreicher Wirtschaftsdünger aus Schweinehaltungen vergleichsweise günstig ausgeglichen werden. Für die Phosphordüngung auf phosphatarmen Standorten eignen sich aber z.B. auch die Mehrnährstoffdünger Diammonphosphat (N/P 18/48) bzw. Monoammonphoshat (N/P 11/52).
 
Kalkung:
Letztere unterstützen durch hohen Kalkgehalt die Bodenstruktur auf Mineralstandorten und liefern wichtige Mineralien und Spurenelemente für die Tierernährung. Die Kalkung von Dauergrünland wird ja in vielen Regionen vernachlässigt. Regelmäßig sollte der pH-Wert überprüft werden und ggf. durch Kalkung angehoben werden. Die Einwirkdauer des Kalks im Grünland (oberflächige Ausbringung) sollte bei der Terminierung berücksichtigt werden. Höhere Kalkbedarfe werden durch jährliche Kalkgaben über mehrere Jahre verteilt. Branntkalk ist in jedem Fall zu vermeiden.

Stickstoff, die treibende Kraft

Grünland wird zunehmend im Turnus mit Ackerfrüchten als sog. Wechselgrünland nur etwa 3-4 Jahre genutzt. Dies ermöglicht höhere Grundfutterqualitäten und Erträge als dies in alten Dauergrünlandnarben möglich ist. Die Stickstoffdüngeempfehlung für das Grünland auf Mineralböden wurde daher im April 2010 angepasst. Für günstige Standorte wird nun bei 4-5 Schnitten im Jahr eine Stickstoffdüngung bis 320 Kilogramm N je Hektar empfohlen. Die Nutzungsart und -häufigkeit hat natürlich Einfluss auf die Jahresdüngung und ist in den Tabellen berücksichtigt. Grünland auf Moorstandorten kann, um das Wachstum im Frühjahr anzuregen, bis zur Hälfte der gesamten Stickstoffdüngung eines Jahres im Frühjahr zur ersten Nutzung gegeben werden.
 
Aus Boden- und Klimaschutzgründen sollten Moorstandorte aber insgesamt nicht mit wesentlich mehr als 200 Kilogramm N je Hektar im Jahr gedüngt werden. Mit der Nutzungsintensität und Zunahme der N-Düngung nehmen auch Mineralisationsprozesse und Moorzersetzung zu. Langfristig kommt es dabei zur Beeinträchtigung der Tragfähigkeit von Moorböden. Niedermoorstandorte sind im Vergleich zu Hochmoorgrünland nährstoffreicher und stellen dem Pflanzenbestand im Sommer bodenbürtige N-Mengen durch Mineralisation zur Verfügung, so dass die Stickstoffdüngung auf 2-3 Gaben begrenzt werden kann.

Schwefeldüngung vielleicht

Zusätzlicher Schwefelbedarf ist auf regelmäßig organisch gedüngten Flächen sowie älteren Grünlandnarben eher unwahrscheinlich. Aus einem Versuch zur Schwefeldüngung hat sich klar ergeben, dass die ersten Jahre nach der Neuanlage eine mineralische Schwefeldüngung auf leichten Sandböden lohnten, im vierten Jahr nach Neuansaat aber deutlich abnehmende Ertragswirksamkeit zu verzeichnen war.
 

Gärreste aus Grasanlagen

Für die Düngung mit Gärresten aus Biogasanlagen ist eine Nährstoffanalyse ebenso anzuraten, wie für herkömmliche Güllen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen prüft aktuell die Wirkung unbehandelter und separierter Gärreste sowie Rindergülle hinsichtlich ihrer ertraglichen Wirkung im Dauergrünland. Im ersten Versuchsjahr erzielte die Rindergülle, gemessen an der Gesamtstickstoffmenge, gegenüber mineralischer N - Düngung mit 76 Prozent hohe Ertragswirksamkeit.
 
Die mit Gärrest aus maisbetonter Biogasanlage gedüngten Parzellen waren vergleichbar mit den Rindergülle-Varianten. Gärrest aus grasbetonter Biogasanlage erreichte mit 83 Prozent N-Wirkung die höchste N-Effizienz der unbehandelten Güllen und Gärreste. Die Wirkungsgrade wurden durch Separierung der Feststoffe nochmals um 5 auf 81 Prozent (Rindergülle) bzw. um 8 auf 91 Prozent (Gärrest-Gras) gesteigert. Ertragseffekte durch Separation bei Düngung von Gärrest aus Mais wurden nur im ersten Aufwuchs festgestellt, möglicherweise als Effekt besserer Fließfähigkeit.
 
Warum die Nährstoffwirkung in den Folgeaufwüchsen dieser Variante eher abnimmt, während durch Separierung der Rindergülle besonders die Aufwüchse 2-4 profitieren kann noch nicht beantwortet werden. Die Versuchsergebnisse des ersten Versuchsjahres deuten auf unterschiedliche N-Wirkung der verschiedenen organischen Wirtschaftsdünger aus Rinderhaltung und Biogasproduktion hin. Die Versuchsserie wird ab 2011 auf drei Standorten in Niedersachsen weitergeführt, um Aussagen für die Beratung besser abzusichern. (pd)
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