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Trockenheit

Grünland nach der Dürre: So pflegen Sie Wiesen und Weiden

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am Donnerstag, 16.08.2018 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Welche Folgen für das Futter hat die Dürre auf Wiesen und Weiden? Wie lassen sich Futterlücken schließen? Antworten gibt Prof. Martin Elsäßer, Aulendorf.

Die nahezu flächendeckend vorhandene Dürre führt in vielen Betrieben zu akuten Problemen bei der Grundfutterversorgung. Gräser verdorren und die Bestände bieten je nach Standort ein Bild des Jammers. Auf den Weiden muss dann zugefüttert werden.

Oft stellt sich die Frage, ob auch noch der letzte Halm tief abgefressen werden sollte oder ob der Weidebetrieb eingestellt werden muss, so Prof. Martin Elsäßer, Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW), Aulendorf.

Saatgut zur Nachsaat früh bestellen

Für die weitere Entwicklung der Grasbestände ist es entscheidend, in welchem Wachstumsstadium etwaige Niederschläge die Grünlandgräser treffen. Fällt Regen auf Grünland bei fertig entwickelten Halmen, also etwa im Stadium der Blüte oder sogar nachher, ist die Wirkung des Wassers für die weitere Ertragsentwicklung begrenzt. 

Das LAZBW empfiehlt deshalb, im Zweifelsfalle eher da schon einen Schnitt zu machen, auch wenn nur wenig Aufwuchsmasse vorhanden sein sollte. Dann kann aus dem nächsten Aufwuchs noch ein deutlich besserer Ertrag erzielt werden, vorausgesetzt natürlich, dass es bald regnet.

Ohne Niederschläge bleibt zum derzeitigen Zeitpunkt für den Grünlandlandwirt allerdings wenig zu tun. Ohne Beregnung ist es nicht möglich, auf den eigenen Flächen zusätzliches Futter zu produzieren.

Eine Nachsaat zu diesem Zeitpunkt ist risikoreich, denn die Samen würden das kurzfristig vorhandene Wasser einzelner Niederschlagsereignisse zwar für die Keimung nutzen, bei Ausbleiben von weiterem Regen würden die Keimlinge aber sehr schnell wieder vertrocknen.

Besser ist es also jetzt schon Saatgut zu bestellen und auf Vorrat zu halten. Nur so lässt sich nach wiedereinsetzenden Regenperioden rasch reagieren.

Dürreverträgliche Mischungen nutzen

Die Saatmischung sollte immer auch die einigermaßen trockenheitsverträgliche Wiesenrispe enthalten. Knaulgras ist bei reinen Schnittflächen ebenfalls trockenheitsverträglicher.

Das LAZBW macht seit Jahren Versuche mit trockenheitsverträglicheren Grasarten: Rohrschwingel und Knaulgras sowie Wiesenrispe und Luzerne als Leguminose. Alle ertragen die Trockenheit besser als die anderen Grünlandarten.

Bei Knaulgras und Rohrschwingel ist die Aufnahme als Weidefutter aber stark reduziert. Auch werden die sanftblättrigen Sorten des Rohrschwingels nicht allzu gerne aufgenommen.

Bei Heubereitung ist mit keinen Einschränkungen zu rechnen. Auch Silage ist möglich. Trotzdem empfiehlt das LWZBW die Saat dieser Arten nur in oft trockenfallenden Gebieten.

Die Nachsaat ist bis etwa Mitte September möglich. Zusätzliche N-Düngung stärkt eher den Altbestand als die Nachsaat. Deswegen sollten N-Gaben zur Saat auf etwa 15 kg N/ha beschränkt werden.

Je nach an gestrebter Nutzungsintensität des Grünlands sind die Anteile an Deutschem Weidelgras in der Nachsaat-Mischung zu variieren. Es ist aber wegen der Konkurrenzkraft vorherrschender Ungrasarten unbedingt auf das Vorhandensein von Weidelgras in der Nachsaatmischung zu achten.

Vorteile für Quecke und Co. eindämmen

Trockenstress führt unabhängig von der N-Versorgung stets zu einem Verlust an ober- und unterirdischer Biomasse von wichtigen Grünlandgräsern, etwa Deutsches Weidelgras. Die Trockenheit ändert die Zusammensetzung der Narben. So können Arten, die sich zügig aus Samen und Ausläufern regenerieren, wertbestimmend für den Aufwuchs werden.

So ist mit Vorteilen für Quecke, Jährige Rispe, Gemeine Rispe, Löwenzahn oder Brennesseln zu rechnen. Vor allem der Stumpfblättrige Ampfer profitiert wegen seiner sehr tiefen Wurzel. In der Folge verschlechtern sich die Bestände drastisch.

Ein weiterer Nachteil des begrenzten Wasserangebotes liegt darin, dass die Grasbestände weniger häufig und somit in späten Stadien geerntet werden müssen. Das kommt einem Verlust an Verdaulichkeit des Futters gleich.

Andererseits ist aber vielerorts mit einer höheren Nutzungseffizienz der verfügbaren Wassermenge und - am Ende eines Aufwuchses - mit vergleichsweise höheren N-Gehalten im Futter zu rechnen. Der Grund: der geringere Ertrag und somit der geringere N-Verdünnungseffekt.

Gemeine Rispe rauskämmen

Einen positiven Nebeneffekt kann man der Dürre abgewinnen: Die Gemeine Rispe leidet unter der Trockenheit offensichtlich noch stärker als die anderen Gräser. Sie stirbt in solchen Phasen schnell ab. Da ist es durchaus sinnvoll, die Bestände mit einer Egge oberflächig aufzureißen, um die Rispe auszukämmen. So schaffen Sie Platz für die nachzusäenden Samen.

Wichtig: Erst dann striegeln oder eggen, wenn die Pflanzen sich nach einem Regen etwas erholt haben. Der Bestand bekommt durch mechanische Arbeiten zusätzlichen Stress. Achtung: Dadurch werden auch die im Samenvorrat des Bodens schlummernden Unkrautsamen zur raschen Keimung angeregt.

Zwischenfrüchte frisch verfüttern

Für Mischbetriebe mit Ackerland ergeben sich noch Möglichkeiten durch den Anbau von Zwischenfrüchten, falls die Greening-Vorschriften dem nicht entgegenstehen. Nachdem die Feldfrüchte den Acker geräumt haben, ist aber auf die Saat von Zwischenfrüchten in einen total ausgetrockneten Acker eher zu verzichten.

Erst bei einsetzenden Niederschlägen ist ein zügiges und gleichmäßiges Auflaufen zu erwarten. Bis Anfang September kann auch eine verspätete Aussaat von Einjährigem oder Welschem Weidelgras mit 45 kg/ha noch sinnvoll sein. Diese Aufwüchse könnten dann am besten frisch verfüttert werden. 

Das gleiche gilt für Futterraps. Der könnte noch gute Erträge liefern. Sie Saatmenge liegt bei 15 bis 20 kg/ha). Welsches Weidelgras zur Frühjahrsnutzung lässt sich auch noch bis Ende September mit rund 40 kg/ha aussäen.

Mit Material von LAZBW

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