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Grünland

Grünland im Greening: Experten uneinig

© bem
von , am
08.04.2014

Berlin - Auf welchen Flächen soll für Grünland ein Umbruchverbot gelten? Diese Frage gilt es im Zug der Agrarreform zu klären. Unter Experten herrscht keine Einigkeit, wie im Bundestag klar wurde.

Einem Landwirt aus Niedersachsen droht Ärger. © Mühlhausen/landpixel
Die Greeningprämie (30 Prozent der Direktzahlungen), die im Zuge der europäischen Agrarreform eingeführt wird, erhalten Landwirte nur, wenn sie besondere Umweltleistungen erfüllen. Dazu zählt beispielsweise der Erhalt von Wiesen, der Anbau vielfältiger Feldfrüchte und die Einrichtung von ökologischen Vorrangflächen.
 
In einer öffentlichen Anhörung haben gestern im Landwirtschaftsausschuss Sachverständige über die konkrete Ausgestaltung in Deutschland diskutiert. Besonders beim Umbruchverbot für Grünland gehen die Meinungen auseinander.

Isermeyer: Generelles Umwandlungsverbot sinnvoll

Der Einzelsachverständige Prof. Dr. Folkhard Isermeyer bezeichnete es als unglücklich, dass die EU-Vorgabe ausschließlich Grünlandflächen innerhalb sogenannter Natura-2000-Flächen als sensibel definiert. Natura-2000-Flächen umfassen Schutzgebiete in Europa, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) oder der Vogelschutzrichtline ausgewiesen wurden. Isermeyer: "Viele sensible Grünlandflächen liegen außerhalb solcher Flächen."
 
Zur einfacheren Handhabung schlug der Wissenschaftler vor, dass es im Interesse des Grünlandschutzes und damit der Artenvielfalt sei, generell ein Umwandlungsverbot von Grünlandflächen zur Umnutzung als Ackerflächen zu erlassen.

Hilse: Grünlanderneuerung muss möglich bleiben

Werner Hilse vom Deutschen Bauernverband hingegen meint: "Dauergrünland ist nicht gleich Dauergrünland." In einigen Regionen Deutschlands seien viele neue Grünlandflächen entstanden, sodass die jetzige Abgrenzung nicht den Kern treffe und zu viele Schutzgebiete nach unterschiedlichen Kriterien erstellt würden. Aus Sicht der Landwirte müsse eine Grünlanderneuerung im Sinne einer kostendeckenden Bewirtschaftung und der Umbruch der Grasnarbe weiter möglich sein, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Hermann Onko Aeikens, Landwirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt (CDU), unterstützte die Position, indem er ausführte, dass der Grünlandumbruch unter anderem erforderlich sei, wenn falsche Pflanzengesellschaften vorliegen würden. Milchviehbetriebe seien auf leistungsfähige Grünlandbewirtschaftung angewiesen. Landwirte sollten diese Bedingungen durch Bewirtschaftung beeinflussen können. Aeikens hielt deshalb die Beschränkung eines Grünlandumbruchverbots auf FFH-Gebiete für sinnvoller, statt auf die umfassende Ausweitung auf Natura-2000-Flächen zu setzen.

Jasper: Gesetzentwurf zu wenig ambitioniert

Ein Punkt, den der Einzelsachverständige Jochen Dettmer nicht teilte, denn er hielt die Vorschrift für sinnvoll, das gesamte Grünland in Natura-2000-Gebieten zu umweltsensiblen Grünland zu erklären. Dettmer wollte dadurch Vogelschutzflächen mit inbegriffen wissen. Auch wenn er sich in diesem Punkt für den Gesetzentwurf aussprach, forderte Dettmer mehr Umweltschutz und Unterstützung des ländlichen Raumes beim Strukturwandel mithilfe der Mittel für die Direktzahlungen.
 
Ulrich Jasper von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kritisierte den Gesetzentwurf der Bundesregierung als zu wenig ambitioniert. "Denn wir haben insgesamt schon genug Dauergrünland verloren", sagte er und forderte, dass jede geplante Umwandlung von Grünland unter einem Genehmigungsvorbehalt gestellt werden sollte. Die Kriterien sollten Jaspers Ansicht nach schärfer gefasst und nur solche Flächen als ökologische Vorrangflächen zur Förderung anerkannt werden, die einen Beitrag zum Stopp und zur Umkehr des anhaltenden Verlustes der Artenvielfalt leisten. 

Isselstein: Grünland hat unterschiedliche Wertigkeit

Der Einzelsachverständige Prof. Dr. Johannes Isselstein machte deutlich, dass für Grünland eine unterschiedliche Wertigkeit gelte und damit auch ein differenzierter Umgang in der Frage nach einer Erlaubnis für den Umbruch. Ältere Grasnarben seien ökologisch viel wertvoller als jüngere. Die Neuaussaat nach dem Pflügen lasse diese durch den Umbruch zerstörte Vielfalt nicht kurzfristig wiederherstellen. Für den Landwirt sei aber solch eine Behandlung des Grünlandes von Vorteil, weil dadurch die Ertragsfähigkeit und die Futterqualität kurzfristig deutlich verbessert werde. Dass der Erhalt von jeglichem Grünland von Bedeutung sei, stellte der Wissenschaftler außer Frage, denn generell biete es eine dreifach höhere Vielfalt an Flora und Fauna im Vergleich zum Ackerland.
 
Günther Czerkus vom Bundesverband Berufsschäfer hob die Bedeutung der Direktzahlungen für die Schäfer und Ziegenhirten hervor. "Ohne die Agrarunterstützung können wir bei der Bewirtschaftung von Extensivgrünlandstandorten nicht bestehen", sagte er. Die Leistung der Pflege des Grünlandes für die Gesellschaft sollte in Zukunft deshalb stärker aus den Fördermitteln des ländlichen Ruumes honoriert werden. Laut EU-Vorgaben sei dies jedoch bisher nicht möglich, sollte für die Zukunft aber berücksichtigt werden, wenn die Schafherden dem Strukturwandel nicht zum Opfer fallen sollen.   
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