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Grünland

Grünlanderneuerung: Was ist zu beachten?

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von , am
29.07.2014

Wenn die Ertragsleistung des Grünlands deutlich nachlässt, steht eine Erneuerung an. Ob eine Direktsaat in Frage kommt oder gar ein Umbruch nötig wird, hängt von der Fläche ab.

Das neue Landesnaturschutzgesetz in NRW schließt Grünlandumbruch auch für Ökobauern aus. © Mühlhausen/landpixel
Wenn trotz guter Wachstumsbedingungen und optimalem Erntetermin die Ertragsleistung der Grünfläche oder die Energiegehalte der Grassilagen zu Wünschen übrig lassen, dann sollte der Landwirt über Maßnahmen nachdenken. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt Empfehlungen zur Revitalisierung von Grünland. Im ersten Schritt müsse entschieden werden, ob eine Verbesserung der Grünlandfläche vorzugsweise mit einer Nachsaat erfolgen kann oder doch die kostenintensivere Grünlanderneuerung erforderlich wird.

Maßnahme richtet sich nach Schadbild

Nicht immer ist ein Umbruch notwendig, oft reicht eine Nachsaat. Die Wahl des Verfahrens hängt vom flächenspezifischen Schadbild ab:
  • Lücken bis zu 30 Prozent, aber ansonsten wertvoller Pflanzenbestand: Nachsaat, frühe Beweidung zwei bis drei Wochen nach der Saat
  • Verkrautung bis zu 50 Prozent (z.B. Ampfer, Bärenklau, Hahnenfuß, Wiesenkerbel etc.), ansonsten Kulturgräser: Selektiv wirkendes Herbizid, dann Nachsaat und Beweidung
  •  Verkrautung und minderwertige Gräser über 50 Prozent (z.B. Quecke, Wiesenfuchsschwanz, Wolliges Honiggras, Rasenschmiele etc.), kaum Kulturgräser: Totalherbizid, Neuansaat entweder als Direktsaat oder mit Umbruch
  • Narbe verungrast (z.B. Knickfuchsschwanz, Gemeine Rispe) bis zu 30 Prozent: Nachsaat eventuell mehrmals im Jahr, danach Beweidung
  •  Narbe verungrast, Ungräser mehr als 30 Prozent: Totalherbizid, Neuansaat entweder als Direktsaat oder mit Umbruch
  • unebener Bestand, maschinelle Nutzung eingeschränkt: Umbruch mit Planieren der Fläche und Neuansaat

Bekämpfung von unerwünschten Grünlandpflanzen

Da die Grünlanderneuerung oft im Zusammenhang mit einem hohen Anteil an hartnäckigen Wurzelunkräutern oder Ungräsern steht, müsse der Saatbettbereitung im Allgemeinen eine komplette Abtötung der Altnarbe vorausgehen, so die LWK Niedersachsen.
 
Zudem soll damit auch Vorsorge getroffen werden, dass Neuansaaten nicht zu schnell erneut von unerwünschten Gräsern überwachsen werden. Die höchste Wirksamkeit des zugelassenen Totalherbizides werde bei einem gleichmäßigen Wachstumszustand der Fläche erreicht. Daher empfiehlt die Kammer zunächst ein Mähen oder Mulchen des Bestandes. Nach einer drei- bis vierwöchigen Wachstumszeit könne das Totalherbizid appliziert werden. Je nach empfohlener Wartezeit sei der vollständig abgestorbene Bewuchs rasierschnittartig zu mähen.
 

Umbruch: Auf die Tiefe kommt es an

Für eine wendende Bodenbearbeitung komme laut Kammer im Allgemeinen der Pflug mit standortabhängigen Pflugtiefen zwischen 20 und 30 cm zum Einsatz. Wird zu flach gepflügt, könne die Altnarbe rasch wieder durchwachsen. Zu tiefes Pflügen vergräbt hingegen die oberflächennah angereicherten Nährstoffe. Häufig wird vor der Pflugarbeit noch gefräst. Die Fräse sei immer dann nützlich, wenn es darum geht, eine verfilzte Altnarbe oberflächlich zu zerstören. Damit werde die nachfolgende Pflugarbeit erleichtert.
 
Auf stark humosen Böden und auf Moorböden sei es dagegen vorteilhafter, sich auf eine möglichst flache Zerstörung verfilzter Narben zu beschränken. Durch die flache Bodenbearbeitung bleibe die Struktur tiefer liegender Bodenschichten erhalten, der Humusabbau werde vermindert und zudem könne der Rückverfestigung des Saatbettes schneller entsprochen werden. Die flache Drillsaat von einem Zentimeter begünstigt einen gleichmäßigen Aufgang der Saat und ihre harmonische Anfangsentwicklung. Ein guter Bodenschluss wird des Weiteren mit einem anschließenden Walzgang erzielt.
 

Umbruchlose Erneuerung

Auf nicht pflugfähigen oder auf umbruchsempfindlichen Grünlandstandorten empfiehlt die Kammer eine umbruchlose Grünlanderneuerung im Direktsaatverfahren. Sie erfolgt mit Spezialgeräten wie Scheiben-, Fräs- oder Schlitzdrillmaschinen nach vorausgegangener Ausschaltung der Altnarbe mittels einem zugelassenem Totalherbizid. Nach flacher Ablage des Saatgutes (1 cm) wirke sich auch für diese Saatmethode ein anschließendes Walzen förderlich im Hinblick auf den Bodenschluss und eine gleichmäßige Entwicklung aus. Im Allgemeinen ist der Aufgang bei Direktsaaten nicht ganz so zügig wie bei konventioneller Grünlandansaat. Daher seien Direktansaaten nach dem 10. September nicht mehr zu empfehlen.
 

Die richtige Saatmischung wählen

Bei einem feinkrümeligen und rückverfestigtem Saatbett sowie einer flachen Ablage sei laut Kammerempfehlung eine Saatstärke je nach Tausendkorngewicht von 30 bis 35 kg/ha für die Mischungen GI bis GIV im Allgemeinen ausreichend. Höhere Aussaatmengen seien nur bei Nachsaatmischungen mit erhöhtem Anteil tetraploider Gräser sinnvoll. Die Grasartenzusammensetzung der einzelnen Qualitäts-Standardmischungen hänge von der beabsichtigten Nutzungsintensität des Grünlandes ab. Je höher der Anteil des Deutschen Weidelgrases ist, desto intensiver könne das Grünland genutzt werden.
 
Demzufolge lohne sich die Aussaat einer Qualitäts-Standardmischung GI nur bei anschließender extensiver Nutzung, die GII-Mischung für eine mittelintensive Nutzung und die GIII-Mischung oder auch die GIII-S-Mischung für eine intensive Nutzung. Die Qualitätsstandardmischung mit der Bezeichnung "GIII-S" sei insbesondere für eine intensive und schnittbetonte Grünlandmischung konzipiert.
 

Siegel garantiert Qualität

Der Pflanzenexperte der LWK Niedersachsen empfiehlt Mischungen mit Anteilen von 67 oder 77 Prozent Deutschem Weidelgras für eine intensive Grünlandnutzung, "da das Weidelgras zu den wachstumsfreudigen Grünlandgräsern gehört, ertragsstark ist, eine hohe Konkurrenzkraft aufweist und überdies noch zu den zuckerreichsten Grünlandgräsern gehört."
 
Bei dem Kauf von Mischungen solle man auf das niedersächsische Kontrollsiegel achten, das garantiere, dass die Grünlandmischung qualitativ wertvoll ist. Dieses Gütesiegel gebe es neuerdings nicht nur für Qualitätsstandardmischungen sondern auch für Firmenmischungen, wenn sich die regionalen Mischer einer Saatgutkontrolle der Landwirtschaftskammern unterziehen. Voraussetzung für ein Gütesiegel der Firmenmischungen ist, dass die Sackware zu 100 Prozent die für Nordwestdeutschland empfohlenen Sorten enthält.
 

Vorteile der Grünlanderneuerung

  • Rasche Verbesserung des Narbenzustandes
  • hohe Ertragsleistung für mindestens drei Jahre
  • hoher Futterwert durch viel Deutsches Weidelgras bei rechtzeitiger Nutzung
  • Möglichkeit des Einebnens unebener Flächen
  • Verbesserung der Befahrbarkeit

Nachteile der Grünlanderneuerung

  • Anbaurisiko bei ungünstiger Witterungsverhältnissen und schwerem Standort
  • deutlich höherer Kosten- und Zeitaufwand im Vergleich zu regelmäßigen Nachsaaten
  • Im Bedarfsfall zusätzliche Pflanzenschutzmaßnahme noch im Herbst oder Frühjahr erforderlich
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