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Grünland

Grünlandpflege: So geht's richtig

von , am
05.03.2013

Die Pflanzen stehen in den Startlöchern, der Vegetationsbeginn steht an. Damit wird es auch Zeit für die Grünlandpflege. Diese Maßnahmen sollten Sie jetzt durchführen.

Das Kurzhalten der Grünlandnarbe ist eine wichtige Maßnahme um Auswinterungsschäden vorzubeugen. © landpixel
Nur durch rechtzeitige und regelmäßige Pflegemaßnahmen lässt sich eine Unkrautbekämpfung mit Pflanzenschutz oder eine kostspielige Grünlanderneuerung verhindern oder zumindest zeitlich hinauszögern. Der Temperaturverlauf im Januar und Februar macht einen Vegetatinsbeginn in der letzten Märzdekade wahrscheinlich. Darauf weist die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hin. Sie gibt auch Tipps, was jetzt zu tun ist.

Erster Schritt: Bestandsaufnahme

Bei einer Bestandsaufnahme sollte zunächst der Zustand der Grünlandflächen kontrolliert werden. So sind auf einigen Flächen, auf denen die Gräser bedingt durch die milde Herbstwitterung zu Beginn der Frostphase bereits weiter entwickelt waren, mögicherweise Auswinterungsschäden zu verzeichnen. Im Einzugsbereich von Wäldern sind häufig auch zusätzlich durch Schwarzwild verursachte, starke Narbenschäden zu beobachten. Darüber hinaus muss auf Feld- und Wühlmäuse sowie Maulwürfe geachtet werden.

Pflege mit Grünlandstriegeln und -schleppen

Zur Wiederherstellung beeinträchtigter Flächen bietet sich der Einsatz von Grünlandstriegeln und -schleppen an. Dabei sollten Sie auf folgende Punkte achten:
 
  • Striegel und Schleppen nur auf gut abgetrockneten Grasnarben einsetzen.
  • Zur Belüftung jüngerer Grasnarben sowie zur Beseitigung von Gülleschleier sind Striegeln besser geeignet als Wiesenschleppen.
  • Eine gute Regeneration der Grasnarbe wird durch den kombinierten Einsatz von Striegel und Prismenwalzen erreicht, da sie durch Nachahmung von Tritt- und Weidewirkung, die wertvollen Untergräser zur Bestockung anregen.
  • Hohe Fahrgeschwindigkeiten und scharf eingestellte Aggregate sind erforderlich, um ältere Grasnarben effektiv für eine Übersaat vorzubereiten. Auf organischen Standorten (Moorböden) mit aufgefrorener Grasnarbe sollten möglichst Glattwalzen mit variabler Wasserfüllung und Auflagegewichten zum Einsatz kommen.
 
Bei allen Maßnahmen ist auf einen niedrigen Reifendruck am Schlepper zu achten, um die erforderlicheTragfähigkeit und Zugkraft bei möglichst geringer Spurtiefe zu erhalten. Die Grünlandpflege sollte bereits zeitig im März durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass die Böden frostfrei und eine gut befahrbar sind. Je stärker die Grünlandnarbe über Winter geschwächt wurde, umso größer sind die Effekte dieser Geräte.
 
Nach- und Reparatursaaten im März durchführen
 
Einhergehend mit den Pflegemaßnahmen sollten auch Nachsaaten (fünf bis zehn Kilo je Hektar) und gegebenenfalls Reparatursaaten (20 Kilo je Hektar) bereits im März durchgeführt werden, da Lücken im Aufwuchs so bereits frühzeitig geschlossen und die früh gesäten Gräser zum Vegetationsstart häufig schon erfolgreich etabliert werden können.
 

Gerd Lange/Dr. Matthias Benke/LWK/pd

Grünlandwirtschaft: Vollkosten sind wichtig

Das passende Nährstoffmanagement im Grünland

Das Ausbringen von antibiotikahaltiger Gülle soll die Übertragung von Resistenzgenen begünstigen. © Mühlhausen/landpixel

Jetzt werden die Weichen für ein erfolgreiches Grünlandjahr gestellt. Eine wichtige Rolle nimmt dabei ein gutes Nährstoffmanagement ein.


Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfiehlt, das Nährstoffmanagement im Grünland vorrangig mit Nährstoffen aus der Tierhaltung zu gestalten. Die bestmögliche Nährstoffverwertung des organischen Wirtschaftsdüngers Gülle hat dabei hohe Priorität für die Wirtschaftlichkeit viehhaltender Betriebe mit hohem Grünlandanteil.
 
Oberstes Ziel bei jeder Düngung sollte die bestmögliche Verwertung aller Nährstoffe sein. Ammoniakverluste sollten weitestgehend vermieden und nur bedarfsgerecht mit Gülle gedüngt werden.

Darauf sollten Sie achten

  • Standort und Pflanzenbestand
  • Ausbringungsmenge
  • Ausbringungszeitpunkt
  • Ausbringungstechnik
  • Zeitpunkt
Zum Vegetationsbeginn des Grünlands sollten im Wurzelraum der Grasnarben alle Nährstoffe in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Die mineralische Stickstoffversorgung mit schnell wirkendem Nitrat- und Ammoniumdünger sollte etwa zu diesem Termin erfolgen. Auch der in der Gülle enthaltene Ammoniumstickstoff kann direkt zum ersten Aufwuchs seine volle Nährstoffwirkung ausüben, wenn er rechtzeitig ausgebracht wird.

Begrenzte Aufnahmefähigkeit im Blick behalten

Im Dauergrünland wird aus verschiedenen Gründen meist die oberflächige Ausbringung der flüssigen Wirtschaftsdünger praktiziert. Im ausgehenden Winterhalbjahr, wenn die Sperrfristen abgelaufen, die Güllelager voll und die Befahrbarkeit der Grünlandflächen vielleicht gerade günstig ist, muss schnell gehandelt werden.
 
Die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Grünlandnarbe sollte bei der Bemessung der einzelnen Güllegaben eine wichtige Rolle spielen. Die Verweilzeit an der Oberfläche muss dabei möglichst kurz sein. Von sehr dickflüssiger Gülle dringt ein wesentlich geringerer Anteil genügend schnell in die oberen Bodenschichten ein. Verkrustete Reste können wochenlang das Gras verdecken und zum Absterben bringen, das Nährstoffverlustpotenzial durch Ammoniakverflüchtigung ist in den ersten zwölf Stunden nach Ausbringung deutlich erhöht. Durch Separation von dickflüssiger Gülle können Fließfähigkeit und Einsickerung in den Oberboden deutlich verbessert werden.

Ammoniumverluste minimieren: Die richtige Technik hilft

Nährstoff- und speziell Ammoniumverluste (NH4) in Form des flüchtigen Ammoniak (NH3) sind durch die Wahl geeigneter Ausbringungstechnik deutlich reduzierbar. Verschiedene Gülleapplikationstechniken unterscheiden sich im Hinblick auf die Ammoniakemissionen erheblich.
 
Die Breitverteilung emittiert im Vergleich mit anderen Verfahren die höchsten Amoniakemmissionen. Mit dem Schleppschlauchverfahren können die Ammoniakemissionen fast halbiert werden, entsprechendes gilt für das Schleppschuhverfahren. Die Ammoniakverluste betragen beim Einsatz der Narbenschlitztechnik dagegen nur einen Bruchteil der Verluste bei Güllebreitverteilung. Voraussetzung für dieses Verfahren ist allerdings ein technisch einwandfreier Injektionsvorgang. Erhöhte Fließfähigkeit und ein geringer Ammoniumgehalt wirken sich ebenfalls emissionsmindernd aus.
 
Der große Nachteil des Schleppschlaucheinsatzes bei dickflüssiger Gülle und Gärresten besteht in der streifenweisen Abdeckung der Grasnarbe, Verschmutzung des Aufwuchses und direkter Schädigung der Grasnarbe. Der Schleppschuh verbindet gute Düngewirkung mit geringer Narbenschädigung und ist wenig abhängig von der aktuellen Witterung. Gegenüber dem Schleppschlauch ist der Schuh auch in wachsenden Beständen einzusetzen. Dadurch werden die Ammoniakemissionen noch weiter reduziert, während sich die direkte Güllekontamination der Gräser verringert. Die Schlitztechnik hat nachweislich das größte NH3-Emissionsminderungspotenzial. Ihr Einsatz wird betriebswirtschaftlich und wegen der unvermeidlichen Narbenschädigungen bei ungünstiger Bodenelastizität aus pflanzenbaulicher Sicht allerdings kritisch beurteilt. Deutliche Vorteile gegenüber der Breitverteilung sind vorhanden, müssen aber durch höhere Ausbringungskosten erkauft werden, beispielsweise durch erhöhten Zugkraftbedarf.
 
Wichtig: Proben von Boden und Gülle nehmen
 
Die mineralische Ergänzungsdüngung des Grünlands sollte sich an den Nährstoffgehalten der ausgebrachten Wirtschaftsdünger sowie einer möglichst aktuellen Bodenprobe (Probenahmetiefe 0-10 cm) orientieren. Wechselgrünland sollte, im Gegensatz zum Dauergrünland, etwa in Krumentiefe beprobt werden (0 - 30 cm). Da insbesondere der Kaliumgehalt bei der vorherrschenden, maisbetonten Fütterungspraxis in den Betrieben häufig nicht mehr den Richtwerten entspricht, sondern deutlich niedriger sein kann, ist eine Untersuchung der eigenen Gülle anzuraten, bevor die Düngeplanung durchgeführt wird. Die Proben können aus dem gut homogenisierten Güllelager während der Tankbefüllung entnommen werden. Da die mineralische Ergänzungsdüngung etwa drei Wochen nach der im Februar durchgeführten Gülledüngung erfolgt, kann diese noch mit den Ergebnissen aus der Analyse abgestimmt werden.
 
Wichtige Nährstoffe
 
Kalium
Kalium ist neben Stickstoff der wichtigste Baustein für das Gräserwachstum. Auf schwach sorptionsfähigen Standorten kann es leicht zu Mangelsituationen kommen, während die tonigen Mineralböden eine mehrjährige Vernachlässigung der Kaliumdüngung viel besser kompensieren. Für Marschstandorte werden deshalb deutlich reduzierte Empfehlungen zur Kaliumdüngung des Grünlands gegeben. Neben ertraglichen sowie tiergesundheitlichen Wirkungen hat Kalium bei beginnender Trockenheit positiven Einfluss auf die Stressstabilität der Gräser. Kalium ist für den Zellinnendruck und die Funktion der Stomata an der Blattunterseite von größter Wichtigkeit und deshalb entscheidend für die Ausdauer der Gräser bei vorübergehender Trockenheit. Eine Kaliumüberversorgung sollte aber vermieden werden, da es dadurch zum Luxuskonsum der Gräser und zur Verdrängung von Magnesium und Natrium in der Pflanze kommt.
 
Phosphor
Der Phosphorentzug der Grünlandpflanzen ist wesentlich geringer als der Kaliumbedarf. Je Schnittnutzung können etwa 20 Kilo P2O5 je Hektar eingeplant werden, insgesamt ergibt sich ein Bedarf von zehn bis 40 Kilogramm P2O5 bei Weidenutzung und bis zu 120 Kilo in vier bis fünf Schnitten. Phosphor kann auf organischen (Moor) Standorten verlagert werden , eine Vorratsdüngung ist auf Moor deshalb zu vermeiden. Bei niedriger Bodenversorgung (Gehaltsklassen A, B) kann der P2O5-Bedarf durch Einsatz phosphorreicher Wirtschaftsdünger aus Schweinehaltungen vergleichsweise günstig ausgeglichen werden. F
 
Kalkung
Die Kalkung von Dauergrünland wird in vielen Regionen eher vernachlässigt. Regelmäßig sollte der pH-Wert überprüft und gegebenenfalls durch Kalkung angehoben werden. Die Einwirkdauer des Kalks im Grünland (oberflächige Ausbringung) sollte bei der Terminierung berücksichtigt werden. Schnell wirksame Kalke sind Kreidekalke, während herkömmmliche Konverterkalke eher träge reagieren. Branntkalk ist wegen seiner Aufwuchs schädigenden Wirkung auf dem Grünland ungeeignet und daher zu vermeiden. Höhere Kalkbedarfe sollten durch jährliche Kalkgaben über mehrere Jahre verteilt werden.
 
Stickstoff
Die Empfehlungen zur Stickstoffdüngung sollen sich an der Standortgüte und dem Pflanzenbestand orientieren. Wechselgrünland mit einer Nutzungsdauer von drei bis fünf Jahren kann in günstigen Lagen eine sehr hohe Stickstoffdüngung bis 320 kg N/ha in fünf Schnitten rechtfertigen.
 
Gerd Lange/Dr. Matthias Benke/LWK/pd
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