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Grünland

Grünlandzentrum Niedersachsen bietet wichtiges Netzwerk

von , am
01.08.2012

Ovelgönne - Das Grünlandzentrum im Landkreis Wesermarsch - Netzwerkstelle und wissenschaftliche Basis der Grünlandnutzung - arbeitet jetzt als selbstständiger Verein.

Sehen für das Grünlandzentrum eine gute Zukunft (von links): Hans Georg Bruns, Agravis, Dr. Arno Krause, Grünlandzentrum, Gert Lindemann, Landwirtschaftsminister, Peter Cornelius, Kreislandvolk Wesermarsch, Harald Lesch, Genossenschaftsverband Weser-Ems. © Kahnt-Ralle
Das Grünlandzentrum in Ovelgönne, das vor knapp zwei Jahren eröffnet wurde, ist jetzt von der Pilotphase in die Dauerphase überführt worden: Am 23. Juli 2012 wurde ein selbständiger Verein gegründet. Diesem gehören schon über 40 Mitglieder sowie sechs Projekt- bzw. Kooperationspartner an. Als Netzwerkstelle soll das Grünlandzentrum (GZ) nicht nur zur besseren Abstimmung zwischen den Grünlandnutzungsansprüchen beitragen, sondern auch die wissenschaftliche Basis der Grünlandnutzung erweitern helfen.
 
Wie Peter Cornelius, Kreislandwirt aus der Wesermarsch, eingangs des ersten Wirtschaftsforums des GZ vergangene Woche in Rastede im Landkreis Ammerland feststellte, werden immerhin 98 % der Grünlandflächen landwirtschaftlich genutzt. Deshalb sei es sehr wichtig, dass alle Maßnahmen, die Grünlandflächen betreffen, auch ideologiefrei in Einklang mit der Landwirtschaft und auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgen. Die Bewirtschaftung von Grünland habe gegenüber Ackerland, vor allem dem Maisanbau, immer mindestens den Nachteil der höheren Erntekosten (Dieselverbrauch).

Gras als wichtiger Eiweißlieferant

Kammerpräsident Arndt Meyer zu Wehdel bezeichnete den Tag der Vereinsgründung als einen Tag der Freude: „Wir haben das Grünlandzentrum zwei Jahre als Netzwerk hochgefahren“, so der Präsident nicht ohne Stolz. Die Landwirtschaftskammer habe gute Erfahrungen mit Netzwerken gesammelt. Netzwerke hätten dabei eine andere Aufgabenstellung als die Kammer. Das Grünlandzentrum vernetze die Kompetenz der Landwirtschaftskammer mit anderen Akteuren wie Politik, Wirtschaft, Naturschutz und anderen Interessenvertretungen. Das verbreitere die eigene Plattform und die der anderen Akteure. Auch wenn das GZ schon zwei Jahre aktiv sei, bräuchte es noch zwei bis drei weitere Jahre, „um das Rad auf Touren zu bringen“, so Meyer zu Wehdel.
 
Grünland befände sich vor großen Herausforderungen, so der Kammerpräsident weiter: „Die gesellschaftlichen Ansprüche sind riesig“. Aber wer mit dem Finger auf andere zeige, müsse auch mal an seine eigene Nase fassen. Man dürfe bei allen Ansprüchen nicht vergessen, dass die Grünlandwirte „auch den Schornstein rauchen lassen müssen“. Aus wirtschaftlicher Sicht sei Gras durchaus auch als Eiweißlieferant interessant, da die Preise auf den Eiweißmärkten gestiegen seien. Vor dem Hintergrund leerer Rohstoffläger müsse auch die Frage der Intensität der Grünlandnutzung anders gestellt werden als noch vor Jahren. Dabei gelte es, die Nachhaltigkeit nicht nur als „Tortenstück“ zu sehen, sondern die Menschen der Region mit einzubeziehen. Erst die ganzheitliche Betrachtung der Situation verhindere Zerrbilder, so der Kammerpräsident. Vor diesem Hintergrund wünschte er dem Netzwerk Grünlandzentrum ein gutes Gelingen.

Zukünftig mehr Grünlandschutz

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann stellte in seinem Grußwort fest, dass die höchste Artenvielfalt auf Grünland anzutreffen sei. Insofern sei der hohe gesellschaftliche Stellenwert von grünlandreichen Regionen zu begründen. Außerdem habe Grünland wichtige Funktionen beim Hochwasser- und Klimaschutz und müsse auch aus diesen Gründen langfristig erhalten werden. Dabei müsse die wirtschaftliche Nutzung von Grünland sichergestellt werden, forderte Lindemann. Vor diesem Hintergrund bekäme das Stichwort „produktionsintegrierte Kompensation“ einen hohen Stellenwert. Die Pflicht zur Grünlanderhaltung mache ein vernetztes Vorgehen notwendig, das über den rein landwirtschaftlichen Ansatz hinausgehe, so der Minister weiter.
 
Durch eine internationale Vernetzung, wie sie jetzt vom GZ vorgenommen werde, könne man auch mal „über den Tellerrand“ schauen und wertvolle Anregungen sammeln. Die Bündelung zukunftsweisender Fragestellungen über ein Kompetenzzentrum stärke die Landwirtschaft in einer Zeit, wo die Distanz zwischen Landwirtschaft und Nichtlandwirtschaft sehr groß sei. Es gäbe positive Beispiele für erfolgreiche Kompetenzzentren, wie z.B. das 3N in Werlte, das ebenso wie das GZ vom Land Niedersachsen finanziell unterstützt wird. In Zeiten knapper öffentlicher Mittel sei es richtig, die niedersächsische Fachkompetenz an Kompetenzzentren zu bündeln und damit einen Ansprechpartner für viele zu schaffen.
 
Um die wirtschaftliche Grundlage der Grünlandwirtschaft zu stärken, hält Lindemann auch die Entwicklung von regionalen Vermarktungsstrategien (auch zusammen mit dem Tourismus) für Grünlandprodukte sowie die Nutzung im energetischen Bereich für einen Weg, den man ausloten sollte. Der Grünlandschutz werde ab 2015 seitens der EU noch stärker eingefordert werden als bisher. Man müsse die Anforderungen der EU besonders an Moorgrünland und Auen sehr genau prüfen und in den Verhandlungen sehr konsequent sein, damit die Schutzanforderungen auch handelbar blieben sowie entsprechende Ausgleichszahlungen (z.B. über Agrarumweltprogramme) vorgesehen würden. Durch eine Datenbank beim Grünlandzentrum seien diese Flächen genau lokalisierbar.
 
 
 

Video: Grünlandnutzung unter geänderten Klimabedingungen

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