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Organischer Dünger

Grünland: Darum überwiegen beim Gülle schlitzen die Nachteile

Schlitzgerät auf Ackergras
am Freitag, 30.04.2021 - 10:30 (1 Kommentar)

Gülle schlitzen erzeugt die geringsten Emissionen. Es gibt aber auch Nachteile. Für welche Standorte sich das Einschlitzen auf Grünland eignet und was beim Einsatz zu beachten ist, erklärt Grünlandberater Jörg Messner vom LAZBW Aulendorf.

In Deutschland ist das Schlitzen im Vergleich zu den Niederlanden nicht so verbreitet. Für welche Standorte eignet sich die Technik?


Am besten eignet sich Schlitzen für leichte, sandige Böden. Auf den schweren Böden haben wir immer das Problem, dass bei Trockenheit wegen des Tongehalts die Schlitze aufklaffen. Die Grasnarbe wird nicht mehr geschlossen. Auch auf moorigen Böden kann die Technik wegen der schwierigen Tiefenführung problematisch sein. Die Schlitzgeräte dringen zu tief in die feuchten, weichen Böden ein. Das kann Narbenschäden und ausgerissene Grassoden nach sich ziehen. 

Gibt es Möglichkeiten, diese Schäden im Grünland zu verringern?


Zum einen ist es natürlich erforderlich, so tief wie nötig, aber so flach wie möglich zu arbeiten: tief genug, dass ich die Gülle möglichst im Boden ablegen kann, zumindest weitestgehend, aber so flach, dass ich möglichst wenig Schäden im Wurzelraum verursache. ­Üblicherweise schlitzt man etwa 3 cm tief, nicht mehr.

Schließen sich die Risse in der Grasnarbe wieder?


Die Erfahrungen sind da sicherlich sehr unterschiedlich. Wir empfehlen bei unseren süddeutschen Verhältnissen nur zweimal im Jahr zu Schlitzen. Für häufigeres Ausbringen müssten die Bodenbedingungen schon sehr gut passen, dass sich die Furchen wieder schließen. Dafür brauchen wir leichte Böden, aktives Bodenleben und gute Durchwurzelung. Zudem kommt es sehr auf die Bedingungen an, zu denen die Gülle gefahren wird. Außerdem kann ich beim Schlitzen Grassamen mit einmischen, damit die Schlitze wieder zuwachsen. 

 

Welche Probleme gibt es sonst bei der Technik? 


Da sind natürlich die hohen Kosten; es ist die teuerste der Techniken. Außerdem haben wir einen entsprechenden Maschinenverschleiß, je nach Bodenart, und einen hohen Zugkraftbedarf. Zudem sind die Arbeitsbreiten eingeschränkt. Das bedeutet viele Fahrspuren. Mit 6 oder 8 m Arbeitsbreite gibt es mehr Fahrspuren und dementsprechend Druck auf dem Boden. Man muss da sehr auf die Bereifung achten, um den Boden unter der Grasnarbe zu schonen. 
Hier im Süden haben wir die Situation, dass viele Betriebe eigenmechanisiert sind und zurzeit noch mit dem Breitverteiler aufs Grünland fahren. Für die ist die Technik in der Eigenmechanisierung einfach zu teuer.
 
Lässt sich die Technik in Hanglagen einsetzen?


Es geht, wenn der Boden gut abgetrocknet ist, und auch nur bei geringer Hanglage. Ansonsten ist am Hang natürlich der Zugkraftbedarf ein großes Thema.

Bei nicht optimalen Bedingungen kommt man da am Hang sehr schnell an Grenzen. Schleppschlauch oder Schleppschuh sind in dieser Hinsicht viel variabler. 

Wie sieht es mit den Emissionen im Vergleich zu anderen Ausbringungsmethoden aus?


Dadurch, dass wir die Gülle direkt im Boden ablegen, sind die Emissionen deutlich geringer, auch im Vergleich zum Schleppschuh oder Schleppschlauch, aber der Eingriff in den Boden ist ein Thema.

Das große Plus der Technik ist ansonsten, dass es wenig Futterverschmutzung gibt. Wenn ich die Gülle einschlitze, liegt sie im Boden, sodass wir oberflächlich nur wenig Güllereste haben. Damit tritt hier das Problem der sogenannten Güllewürste kaum auf. 

Überwiegen die Vor- oder die Nachteile?


Die Liste der Nachteile ist aus meiner Sicht etwas länger als die der Vorteile. Unter unseren Bedingungen bedeutet die Schlitztechnik für die allermeisten Betriebe eine überbetriebliche Mechanisierung.

Wenn ich aber mit überbetrieblicher Mechanisierung arbeite, kann es interessant sein, die Techniken zu variieren. Im Sommerhalbjahr, wo geringere Futterverschmutzung und Emissionen eine Rolle spielen, kann ich das Lohnunternehmen ein bis zweimal schlitzen lassen. Zu der Zeit haben wir gut abgetrocknete Böden.

Und im Frühjahr oder Herbst?


Dann lässt sich die Gülle mit einer anderen Technik ausbringen, die größere Arbeitsbreiten und geringe Ausbringungskosten bringt. 
Der Schleppschuh ist da am besten geeignet; der Schleppschlauch funktioniert im Grünland am schlechtesten. Da braucht es sehr dünnflüssige Gülle. Der Schleppschuh ist variabler, weil ich die Gülle direkt auf dem Boden ablege, ihn vielleicht sogar etwas anritze. 

Ist die Schlitztechnik auch empfindlicher? 

Ja, das Schlitzen ist technisch sicherlich am aufwendigsten. Insbesondere wo es regional sehr steinige Böden gibt, gibt es viel Verschleiß an der Technik. Wichtig ist deshalb, dass ein entsprechender hydraulischer Ausgleich stattfindet. Die einzelnen Ausbringungsorgane sollten sich an Bodenunebenheiten und Steine anpassen können, damit keine Schäden am Gesamtgerät entstehen. 

Die verfügbaren Arbeitsbreiten sind gering. Wie sieht es bei den Fasskapazitäten aus? 


Da gibt es keine Unterschiede zu anderen Techniken. Trotzdem ist die Schlagkraft durch die geringere Arbeitsbreite geringer. Auch die Geschwindigkeit ist wegen des Zugkraftbedarfs begrenzt. Die Schlitztechnik ist deshalb besser für Selbstfahrer geeignet. Die setzen Zugkraft besser um. Das ist aber definitiv nur etwas für die überbetriebliche Mechanisierung. Außerdem sollten wir mit Zubringern arbeiten. Das teure Aggregat auf der Straße zu fahren, ist auf Dauer zu kostspielig.

Spielt die Konsistenz der Gülle  eine Rolle?


Die Konsistenz ist hier etwas weniger wichtig. Trotzdem bleibt eine sehr dicke Gülle auch nur im Schlitz und infiltriert den Boden ringsherum nur wenig. Mit einer dickeren Gülle komme ich aber sicherlich besser zurecht als bei anderen streifenförmigen Techniken. 

Gibt es bei dieser Art des Ausbringens Besonderheiten hinsichtlich des Zeitpunktes?


In der Hinsicht unterscheiden sich die Techniken kaum untereinander. Schlussendlich ist es wichtig, eher frühjahrsbetont zu düngen. In den Sommermonaten, wo es sehr trocken ist und wenig wächst, ist die Düngung nicht sinnvoll. Man sollte eher auf die Zeiten setzen, wo Niederschlag und damit Wachstum da ist.

Lässt sich vorhandene Technik nachrüsten?


Das treibt viele Landwirte gerade um. Praktisch wäre es, die vorhandene Technik nachzurüsten, aber das ist nur in Einzelfällen möglich, wenn sich die Achse wegen des zusätzlichen Gewichts nach hinten schieben lässt.

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