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Düngeverordnung

Güllesperrfrist ab 1. November: Wo Ausnahmen gelten

Gülle ausbringen mit Schleppschlauch
am Freitag, 16.10.2020 - 10:43 (Jetzt kommentieren)

Heute beginnt regional die vorgezogene Güllesperrfrist auf Grünland - aber noch nicht überall. Hier die Fristen im Überblick.

Die Düngeverordnung gibt vor, dass alle organischen und mineralischen Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff, ausgenommen Festmist und Geflügelkot während der winterlichen Sperrzeit nicht ausgebracht werden dürfen.

Auf dem Acker läuft die diesjährige Sperrfrist bereits, auf dem Grünland und bei mehrjährigem Feldfutterbau gilt sie - mit Ausnahmen - ab dem 1. November und dauert bis 31. Januar.

Auf dem Grünland grundsätzlich ab 1. November verboten

Die Sperrfrist für Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau beginnt am 1. November und dauert bis einschließlich 31. Januar. Mehrjähriger Feldfutterbau muss vor dem 15. Mai gesät sein und und mindestens zwei Hauptnutzungsjahre (nach Mehrfachantrag) umfassen.

Nach dem letzten Schnitt des Grünlands und mehrschnittigen Feldfutterbaus darf max. 30 kg/ha Ammonium- bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff gedüngt werden.

Festmist und Kompost darf auf Grünland wie Acker nicht zwischen dem 1. Dezember und dem 15. Januar ausgebracht werden.

Ab 2021 dauert die Sperrfrist in den roten Gebieten auf Dauergrünland, Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau einen Monat länger und beginnt für Gülle bereits am 1. Oktober und dauert bis 31. Januar. Für Festmist und Kompost wurde sie ebenfalls um einen Monat verlängert und beginnt ab 2021 am 1. November bis 31. Januar.

Grünland: Um 2 bis 4 Wochen schieben ist prinzipiell möglich

Die Sperrfrist für Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau kann um 2 bis maximal 4 Wochen nach vorn oder hinten verschoben werden. Die Dauer der Sperrfrist von drei Monaten bleibt dabei unverändert.

Die Antragstellung unterscheidet sich dabei je nach Bundesland. Details dazu finden Sie unten.

Nie auf gefrorene Böden ausbringen!

Unabhängig von den Sperrfristen gilt: Auf überschwemmten, wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden ist das Aufbringen von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln untersagt.

Die bisher geltende Ausnahme auf tagsüber oberflächlich antauendem Boden gilt nicht mehr! Eine Düngung ist nur noch auf frostfreiem Boden möglich.

Sperrfrist beginnt auf dem Acker spätestens am 1. Oktober

Auf Ackerland beginnt die Sperrfrist generell nach der Ernte der letzten Hauptfrucht und dauert bis einschließlich 31. Januar. Folgende Ausnahmen gibt es, wenn ein Düngebedarf gegeben ist:

  • Zu Zwischenfrüchten und Winterraps dürfen bis zu 30 kg/ha Ammonium- bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff bis Ende September gedüngt werden, wenn die Saat bis 15. September erfolgt.
  • Zu Wintergerste nach einer Getreidevorfrucht dürfen bis zu 30 kg/ha Ammonium- bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff bis Ende September gedüngt werden, wenn die Saat bis Ende September erfolgt.
  • Mehrjähriger Feldfutterbau hat die gleiche Sperrfrist wie Grünland, wenn die Aussaat bzw. Ernte der Deckfrucht vor 15. Mai stattgefunden hat.

Eine Verschiebung der Sperrfrist auf Ackerland ist nicht möglich.

Für alle Flächen hat sich die Sperrfrist für die Aufbringung von Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost um zwei Wochen verlängert und beginnt bereits am 1. Dezember und geht bis zum 15. Januar.

Neu ist auch eine Sperrfrist für das Aufbringen von phosphathaltigen Düngemitteln auf Acker- und Grünland flächendeckend vom 1. Dezember bis zum 15. Januar.

Für Flächen in nitratbelasteten Gebieten wird es ab 2021 jedoch deutlich strengere Ausbringverbote geben. Unter anderem dürfen nach der Hauptfruchternte keine Düngemittel mit wesentlichem N-Gehalt mehr ausgebracht werden. Ausnahmen laut LWK NRW:

  • Winterraps: wenn durch eine Bodenprobe nachgewiesen wird, dass die verfügbare Stickstoffmenge im Boden unter 45 kg/ha Stickstoff liegt;
  • Zwischenfrüchte ohne Futternutzung: wenn Festmist von Huf- oder Klauentieren oder Kompost bis max 120 kg/ha Gesamt-N ausgebracht werden;
  • Ausnahme für Zwischenfrüchte ohne Futternutzung: wenn Bauantrag zur Erweiterung der Lagerkapazitäten vorliegt (bis 1. Oktober 2021 befristete Ausnahme)

Allgemeines zur Verschiebung der Sperrfrist

  • Düngeverordnung: Sie bietet der zuständigen Stelle im Einvernehmen mit der Unteren Wasserbehörde die Möglichkeit, dem Landwirt für Grünland andere Sperrzeiten zu genehmigen.
  • Sperrfrist: Sie darf nicht verkürzt, sondern nur verschoben werden.
  • Voraussetzung für eine Sperrfristverschiebung: Antragstellung des Landwirts mit ausreichender Begründung.
  • Genehmigungsprozess: regionaltypische Gegebenheiten, vor allem die Witterung oder der Beginn und das Ende des Pflanzenwachstums sowie die Ziele des Boden- und Gewässerschutzes sind heranzuziehen.
  • Höhenlagen: auf Grünlandflächen mit überwiegender Schnittnutzung wird vereinzelt auch eine Sperrfristverschiebung nach hinten angeboten.

Bayern: Für ganze Landkreise um zwei Wochen nach hinten verschoben

In Bayern können die Ämter für Landwirtschaft und Ernährung in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband die Kernsperrfrist für Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau landkreisbezogen um zwei oder um vier Wochen nach hinten verschieben (ohne sie zu verkürzen).

Nachfolgend die Landkreise, in denen die Sperrfrist für Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau verschoben wurde. Für alle nicht aufgeführten Landkreise bzw. kreisfreien Städte gilt damit die Sperrfrist vom 1.11.2020 bis einschließlich 31.01.2021. Der geänderte Sperrfristzeitraum schließt die genannten Tage mit ein. Verschiebung der Sperrfristen auf Grünland, Dauergrünland und mehrjährigem Feldfutterbau:

  • Um 2 Wochen (15.11.2020 bis 14.02.2021): Lks. Altötting, Lks. Dachau, Lks. Eichstätt, Lks. Erding, Lks. Freising, Lks. Fürstenfeldbruck, Stadt Ingolstadt, Lks. Mühldorf am Inn, Lks. Neuburg-Schrobenhausen, Lks. Pfaffenhofen a. d. Ilm, Lks. Deggendorf Nord *, Lks. Passau Nord *, Stadt Passau Nord *, Lks. Straubing-Bogen Nord *, Stadt Straubing Nord *, Lks. Kelheim Nord *, Lks. Freyung-Grafenau, Lks. Regen, Oberpfalz (gesamt), Lks. Neustadt a. d. Aisch/Bad Windsheim, Stadt Nürnberg (inkl. Nürnberg Süd), Stadt und Lks. Roth, Stadt Schwabach, Stadt und Lks. Ansbach, Lks. Weißenburg-Gunzenhausen, Stadt und Lks. Fürth, Stadt Erlangen, Lks. Erlangen-Höchstadt, Unterfranken (gesamt), Oberfranken (gesamt).
  • Um 4 Wochen (29.11.2020 bis 28.02.2021): Lks. Berchtesgadener Land, Lks. Bad Tölz-Wolfratshausen, Lks. Ebersberg, Lks. Garmisch-Partenkirchen, Lks. Landsberg am Lech, Lks. München, Stadt München, Lks. Miesbach, Lks. Traunstein, Lks. Weilheim-Schongau, Lks. Rosenheim, Stadt Rosenheim, Lks. Starnberg, Schwaben (gesamt), Lks. Nürnberger Land

*) Die Grenze zwischen Nord und Süd stellt die Donau dar.

Baden-Württemberg: nach Allgemeinverfügung zwei Wochen später

In Baden-Württemberg erlässt das Ministerium sogenannte Allgemeinverfügungen. Daraufhin können sich Landratsamt und Untere Wasserbehörde gemeinsam abstimmen, um die Sperrfrist für die jeweilige Region zu verschieben. Für 2020 hat das Ministerium derzeit noch keine Allgemeinverfügung erlassen.

In den letzten Jahren wurde damit eine regionale Verschiebung der Sperrfrist um zwei Wochen nach hinten (also 15. November bis 15. Februar) genehmigt, auf Einzelbetriebsantrag sogar um vier Wochen. Ein Vorziehen der Sperrfrist gab es in Baden-Württemberg bislang nicht.

Nordrhein-Westfalen: Anträge betriebsindividuell stellen

In Nordrhein-Westfalen haben einzelne Betriebe die Möglichkeit, eine Sperrfristverschiebung fürs Grünland für ihren gesamten Betrieb zu beantragen. Mit dem Antrag kann der Landwirt die offizielle Sperrfrist entweder vorziehen oder nach hinten verlagern.

Zuständige Behörde ist die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer. Die Auflagen variieren von Kreis zu Kreis, weil die jeweilige Untere Wasserbehörde ihr Einvernehmen geben muss.

Die Sperrfristverschiebung kann in manchen Jahren sinnvoll sein, wenn die Böden zum Beispiel Mitte Januar oberflächig ausreichend gefroren und dann gut befahrbar sind. Ist der Boden so gefroren, wird er besonders gut geschont, obwohl oft schwere Fahrzeuge zum Einsatz kommen.

Da die Pflanzen zu diesem Zeitpunkt allerdings meistens noch keine Nährstoffe benötigen, verpflichtet der Gesetzgeber den Anwender der Gülle dazu, einen Nitrifikationshemmer einzusetzen, der verhindert, dass der in der Gülle enthaltene Stickstoff zu dem auswaschungsgefährdeten Nitratstickstoff umgebaut wird.

Niedersachsen: Auf Antrag zwei Wochen früher

In Niedersachsen ist die Landwirtschaftskammer zuständig. Sie lässt auf Antragstellung eine Vorverlegung der Grünland-Sperrfrist um zwei Wochen zu, um im Frühjahr eine Boden schonende Ausbringung bei gleichzeitiger Minimierung des Stickstoffverlustrisikos zu gewährleisten.

Dies bedeutet, dass bei einer Vorverlegung der Sperrfrist auf dem Grünland die Sperrfrist auf Grünland am 16. Oktober beginnt und am 15. Januar (einschließlich) endet.

Die Genehmigung wird wie in NRW nur für den Einzelbetrieb erteilt, nicht etwa für alle Landwirte einer Region oder einen Landkreis.

Anträge sind bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu stellen und gilt für ein Jahr, das musste bis 9. Oktober passieren und kostet 50 Euro.

Schleswig-Holstein: Besonderheiten in N- und P-Gebieten

Für Flächen in Schleswig-Holstein, die sich in der Nitrat- und/oder Phosphatkulisse nach Landesdüngeverordnung befinden, gelten gesonderte Sperrzeiten:

  • N-Gebietskulisse: Für Grünland, Dauergrünland und mehrjährigen Feldfutterbau (Aussaat bis 15. Mai) gilt die Sperrzeit seit dem 15. Oktober bis 31. Januar (gilt für Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an N).
  • P-Gebietskulisse: Für alle Kulturen, also Ackerland, Grünland, Dauergrünland und mehrjährigen Feldfutterbau (Aussaat bis zum 15. Mai) gilt die Sperrzeit seit  dem 15. Oktober bis 31. Januar (gilt für Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an P).

Sofern eine Sperrfristverschiebung um bis zu zwei Wochen beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) beantragt wurde, sind die Zeiten gemäß Antrag zu beachten. Abweichende Sperrfristen in Wasserschutzgebieten kann man von der regionalen Wasser - schutzberatung erfahren.

Mit Material von Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, LfL, LWK Niedersachsen, LWK NRW, LWK Schleswig-Holstein

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