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Jakobskreuzkraut: Düngen von Naturschutzflächen gefordert

AF_Jakobs-Kreuzkraut
am
19.03.2019
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Fachleute fordern ein Umdenken bei der Bewirtschaftung von Naturschutzflächen. Jakobskreuzkraut etwa müsse konsequent unterdrückt werden. Dazu sei eine „leichte mineralische Düngung“ nötig.

Ein Umdenken beim Naturschutz sei nötig, um Viehhalter konsequent zu schützen. Das sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Tierische Produktion der Landwirtschaftsammer Rheinland-Pfalz, Manfred Zelder, auf einer Fachtagung in Bad Kreuznach. Gerade die Extensivierung fördere, dass sich das giftige Kraut ausbreitet.

Jakobskreuzkraut kommt auch auf extensivem Grünland an trockeneren bis mittelfeuchten Standorten vor. Und es findet sich ganz besonders oft auf wenig gepflegten Weiden.

Wasserkreuzkraut findet sich eher auf feuchten Standorten, Nass- oder Moorwiesen. Es findet sich auch bei intensiver Nutzung. Beide sind giftig für Nutztiere - frisch und konserviert.

Artenvielfalt auch mit Düngung

Versuche im Arbeitskreis vom Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück zeigen, dass es auf allen Standorten Möglichkeiten gibt, das Kraut zu unterdrücken und dennoch die Artenvielfalt „nicht zu sehr zu beeinträchtigen“. 

Neben einer verhaltenen Stickstoffdüngung kämen auch Wirtschaftsdünger in Frage sowie das Beseitigen von Hand. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass die gesamte Wurzel entfernt wird.

Auf konventionellem Grünland lässt sich das Kraut sicher kontrollieren durch

  • regelmäßige Mahd,
  • standortgerechte Stickstoffdüngung,
  • Übersaat oder bei Bedarf sogar Umbruch mit Neuansaat,
  • verhinderte Versamung mit mindestens zwei Schnitten pro Jahr,
  • optimale Weidepflege: Trittschäden vermeiden, Einzelpflanzen entsorgen,
  • gezielte Kombination mit Pflanzenschutzmitteln bei Massenauftreten.

7 Fakten zur giftigen Wirkung

  1. Ansiedlungsrisiko: Jakobskreuzkraut findet sich auch an Feld- oder Straßenrainen, Auto- bahnböschungen oder Waldsäumen. Bei hohem Samendruck siedeln sich Einzelpflanzen auf extensiven Wiesen und intensiven Weiden an.
  2. Verbreitung: Das Samenunkraut braucht Lücken. Die Samen halten 20 Jahre im Boden. Wird erst nach der Blüte Mitte Juli geschnitten, treiben das die Verbreitung voran. Der Wind trägt die Samen rund 100 m weit.
  3. Futterbauliche Bedeutung: Jakobskreuzkraut ist für Nutztiere frisch und konserviert giftig. Bei genügendem Futterangebot von Weidetieren wegen des unangenehmen Geruchs gemieden. Getrocknet wird der Geruch überlagert und mitgefressen. Flächen mit hohem Besatz sollten nur kurzfristig oder besser nicht beweidet werden. Bei Weidetieren summieren sich auch kleine Mengen und führen im Laufe der Zeit zu akuter Vergiftung.
  4. Giftwirkung: Alle Pflanzenteile sind giftig wegen verschiedener Alkaloide. Das sind basische Verbindungen. Sie dienen Pflanzen hauptsächlich als Fraßschutz und N-Reserve. Die Blüten enthalten die höchsten Giftanteile. Deshalb ist ein später Heuschnitt auf Extensivgrünland oder Brachen besonders problematisch.
  5. Krankheitsbild ist die Seneciose oder Schweinsberger-Krankheit: Magen-Darmbeschwerden, schnelle Atmung, Leberschäden. Das akute Krankheitsbild verläuft schnell und oft tödlich, das chronische in wenigen Tagen bis vier Wochen nach Aufnahme.
  6. Giftdosis: Die Literatur nennt Werte, die zu irreversiblen Schäden führen: Für Pferde sind 40 bis 80 g Frischmasse (FM) pro kg Körpergewicht (KG) tödlich; bei Rindern 140 g FM/kg KG. Die letale Dosis bei Pferden ist etwa bei 25 bis 50 kg erreicht, bei Kühen bei rund 100 kg Kreuzkraut-FM. Bei Schafen liegt die Dosis bei >2‑kg FM/kg KG; bei Ziegen 1,3 bis 4 kg. Wiederkäuer sind widerstandsfähiger als Pferde und Schafe, Ziegen am wenigsten gefährdet.
  7. Ökologische Bedeutung: Die gelben Korbblüten nutzen viele Insekten als Lebensraum-, Pollen- und Futterpflanze. Mehr als 170 Arten sind bekannt, die am Kreuzkraut leben.
Mit Material von Mit Material von AgE, gruenland-online, LWK SLH, LWK NRW

Giftiges Jakobskreuzkraut erkennen und bekämpfen

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