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Wiedervernässung

Kommentar: 2.000 Euro/ha Moorprämie

Extensives Grünland auf ehemaligen Moorflächen
am Donnerstag, 07.01.2021 - 11:05 (Jetzt kommentieren)

Die Moorschutzstrategie des Umweltministeriums soll erhebliche Einschränkungen bringen. Jetzt braucht es clevere Erlösmodelle. Ein Kommentar von agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann.

Die Zahlen lassen aufhorchen: Gut 5 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands stammen aus trockengelegten Mooren – 47 Mio. t CO2-Äquivalente.

Das ist mehr als ein Drittel aller Treibhausgasemissionen aus der heimischen Landwirtschaft. Sie entstehen auf einer Fläche, die gerade einmal 4 Prozent des gesamten Bundesgebiets ausmacht.

Gleichzeitig sind Moore ein gigantischer Kohlenstoffspeicher. Global binden sie 1.000 Gigatonnen CO2 – das ist fast doppelt so viel wie in allen Wäldern dieser Erde gespeichert ist.

Umweltministerium will Koalitionsvertrag vor der Wahl einlösen

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann

Damit ist klar umrissen: Moorschutz ist Klimaschutz und die Trockenlegung ein Problem. 95 Prozent aller deutschen Moore wurden in den letzten gut 250 Jahren zerstört – für Torfabbau und zur Landgewinnung.

Die gute Nachricht ist, dass der Prozess umkehrbar ist. Zwar nicht von heute auf morgen, aber in überschaubaren zehn Jahren lässt sich viel erreichen.

Im Endspurt vor der Wahl will das Bundesumweltministerium (BMU) den Koalitionsvertrag einlösen und hat jetzt seine Moorschutzstrategie vorgelegt. Mit ihr sollen die Emissionen aus genutzten Moorböden bis 2030 um mindestens 5 Mio. t CO2-Äqui­valente sinken.

Dazu will das BMU die Nutzung dieser Böden stark einschränken. Moore sollen erweitert und wiedervernässt, der Umbruch von Moorgrünland zur Grünlanderneuerung verboten und ackerbaulich genutzte Flächen in ihrer Nutzungsform angepasst werden.

Das BMU ruft dazu zum Dialog auf. Alle Bürger sind gefragt, ihre Meinung zum Diskussionspapier Moorschutz abzugeben. Die Frist für die Einreichung hat die Ministerin nach agrarheute-Informationen bis zum 15. Januar 2021 verlängert. Nutzen Sie die Gelegenheit zur Stellungnahme!

Für Paludikulturen gibt es noch keinen Markt

Wie können Bewirtschafter noch Geld verdienen, wenn ihre Flächen geflutet werden? Hier sind clevere Ideen nötig, damit alle profitieren.

Für Paludikulturen - also Rohrkolben als Baustoff oder Torfmoosanbau als Torfersatz - fehlt bislang der Markt. Auch Wasserbüffel brauchen einen Vermarktungsweg, noch dazu wenn das BMU gleichzeitig Infrastrukturen wie Stallbauten in diesen Gebieten untersagen will.

Einkommensalternative Zertifikate: Mit Moorschutz bares Geld verdienen

Wiedervernässung geht nur, wenn alle mit ins Boot geholt werden. Bauern, Naturschützer, Forscher und Politiker müssen auf Augenhöhe Ideen entwickeln.

Konflikte sind vorprogrammiert, denn irgendwoher muss das Wasser ja auch kommen, wie die letzten Dürrejahre zeigen. Wenn Wasser gesammelt wird, fehlt es an anderer Stelle, beispielsweise für Beregnung.

Es gibt jedoch Lichtblicke im Moor­nebel: Die GAP-Förderung soll für Moorflächen bleiben und der Zertifikatehandel könnte zum Geschäft werden. Bei 20 t/ha CO2-Vermeidung im Jahr durch Vernässen und 100 Euro/t wären 2.000 Euro/ha ein wirtschaftlicher Anreiz für den Klimaschutz.

Dieser Kommentar ist in der agrarheute-Ausgabe 1/2021 erschienen.

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