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Grünland

Luzerne: Anbautipps für die Königin der Futterleguminosen

Luzerne in der Blüte
© agrarfoto.com
von , am
11.05.2017

Tiefgründige, leicht erwärmbare Böden und einen fast neutralen pH-Wert: Das sind einige der Standortanforderungen der Luzerne. Darauf gilt es noch zu achten.

Die Luzerne hat hohe Ansprüche an Boden und Klima. Ist sie einmal etabliert, sind gute Erträge zu erwarten. © landpixel

Die Luzerne benötigt tiefgründige, leicht erwärmbare Standorte und einen fast neutralen pH-Wert. Nicht nur an den Boden stellt die Luzerne hohe Ansprüche, sondern auch an die Nutzung und Silierung. Gelingt das erfolgreiche Etablieren der Leguminose sind gute Erträge zu erwarten. Ob mehr Protein oder mehr Struktur im Futter enthalten ist, hängt vom Schnittzeitpunkt ab.

Unter guten Anbau- und Entwicklungsbedingungen liefert die Luzerne ein protein-, lysin- und vitaminreiches Futter. Bedingt durch einen relativ hohen Rohfasergehalt, den sie bereits im jungen Stadium aufweist, wird ihr nur eine mittlere Energiekonzentration bescheinigt. Jedoch ist die Faserverdaulichkeit besser als erwartet. Zudem zeichnet sich die Luzerne durch eine gute Strukturwirksamkeit aus.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfiehlt Folgendes beim Anbau von Luzerne und -gras zu beachten: 

Luzerne: Ansprüche an Klima und Boden

  • Die wärmebedürftige Luzerne bevorzugt sommerwarme Gebiete mit ausreichend Sonnenschein bei einer Jahresmitteltemperatur über 8,5 °C.
  • Auf tiefgründigen, leicht erwärmbaren und wasserdurchlässigen Böden mit nahezu neutralen pH-Werten entwickelt sie sich am besten.
  • Infolge der tiefreichenden Durchwurzelung (Pfahlwurzel und Wurzelnetz) werden Trockenperioden in aller Regel gut überstanden. Vor dem Hintergrund ist ihr Wasserbedarf nicht so hoch wie für Rotklee.

Luzerne: Das gilt es vor dem Anbau zu beachten

  • Vor der Etablierung der Luzerne ist der Boden-pH-Wert zu prüfen. Eine systematische Kalkung wird empfohlen, damit die Versorgungsstufe C gesichert ist. Die Erfahrungen belegen, dass sich eine Keimbettkalkung auf die Herbstfurche bei flacher Einarbeitung positiv auf die Jugendentwicklung auswirkt.
  • Als Feinsämerei ist für die Luzerne ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbeet herzurichten.
  • Eine intensive Unkrautbekämpfung sollte vor der Saat erfolgen, da sich die Luzerne langsam entwickelt und aktuell keine Herbizide für die Fruchtart zugelassen sind.
  • Die Saat ist ab April bis Ende Juli möglich.
  • Wichtig ist, dass sich die Luzerne im Ansaatjahr gut etablieren kann, um damit eine hinreichende Winterfestigkeit zu erlangen. Vor dem Hintergrund sind frühe Ansaaten zu bevorzugen.
  • Blanksaaten gelten zwar als günstiger, doch hat sich gleichfalls die Saat unter Deckfrucht bewährt.
  • Bei Reinsaaten benötigt die Luzerne Anbaupausen von 5 bis 6 Jahren, denn sie ist mit sich selbst und mit anderen Leguminosen unverträglich.
  • Auch bei dem Anbau von Luzernegras ist die Fruchtfolge zu beachten und Anbaupausen von 2 bis 3 Jahren zu gewähren.

Luzerne: Sortenwahl

Durch das relative knappe Angebot an Saatgut sollte vor allem auf eine mit Knöllchenbakterien beimpfte Saatgutware und auf die Angaben des Bundessortenamtes zu Krankheitsresistenzen geachtet werden.

Tritt beispielsweise bei der Luzerne die Welkekrankheit auf, kann das zu Totalausfällen führen. 

Luzerne: Grund- und Stickstoffdüngung

Die Grunddüngung ist in aller Regel an den Entzug anzupassen.

  • Für die ersten Anbauerfahrungen in der Praxis und durchschnittlichen Erträgen von 100 dt TM/ha kann vorerst mit den Orientierungswerten von 100 kg P2O5/ha und 240 kg K2O/ ha und Jahr gerechnet werden. Der Kalidünger ist bevorzugt mindestens drei Wochen vor der Saat auszubringen und einzuarbeiten, denn Luzernekeimlinge reagieren gegenüber Kalisalzen empfindlich. Es wird deshalb eine PK-Vorratsdüngung vor der Saat empfohlen.
  • Hohe Ansprüche stellt die Luzerne auch an Molybdän und Bor, die sie für die Entwicklung der Knöllchenbakterien benötigt. Deshalb sollten bei der Bodenprobeuntersuchung auch die beiden Mikronährstoffe mit geprüft werden.
  • Auf eine N-Düngung kann bei der Luzernesaat verzichtet werden. Lediglich auf N-armen Böden lohnt sich die N-Startgabe von 30 bis 50 kg N/ha. Eine N-Düngung in den Nutzungsjahren ist unwirtschaftlich. Das gilt auch für Luzernegras mit Leguminosen Anteilen über 30 Prozent. Erst bei geringeren Leguminosen Anteilen sollte eine N-Düngung erfolgen, die sich in ihrer Höhe an den Grasanteilen orientiert.

Pflegemaßnahmen im Ansaatjahr

Im Ansaatjahr sind alle Maßnahmen zu ergreifen, die eine rasche Bestandesbildung fördern.

  • Dazu gehört neben den vorausgegangenen Grunddüngungsmaßnahmen auch die flache Drillsaat in ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett und ein eventuelles Anwalzen der Saat.
  • Entwickelt sich das Unkraut schneller als die Leguminose so kann der Verkrautung durch einen Schröpfschnitt begegnet werden. Das Schneidwerk ist dabei so hoch einzustellen, dass nur das Unkraut erfasst wird. Jedes Überfahren der Luzerne schadet der Pflanze.
  • Eine erste Schnittnutzung sollte frühestens 75 Tage nach der Saat oder zu Beginn der Luzerneblüte erfolgen. In dem Zeitraum entwickelt sich die Pflanze nicht nur ober-, sondern auch unterirdisch.
  • Im Allgemeinen wird sowohl für das Ansaatjahr als auch für die nachfolgenden Nutzungsjahre empfohlen, zwischen dem letzten und vorletzten Schnitt eine etwa 50-tägige Nutzungspause einzulegen. Die Luzerne darf hierbei auch einmal zur vollen Blüte kommen, insbesondere im Ansaatjahr. Wird diese Ruhephase nicht beachtet, wirkt sich das nachteilig auf die Bestandesdichte und Leistung aus.

Nutzung der Luzerne

Die Luzerne verträgt nach einer guten Etablierungsphase im Ansaatjahr durchaus eine intensive Nutzung.

  • Die optimale Nutzungszeitspanne orientiert sich entweder an der phänologischen Entwicklung oder an der Bestandeshöhe.
  • Viel Protein liefert die Luzerne im Zeitraum des jungen Knospenstadiums.
  • Soll die Luzerne vorzugsweise als Strukturlieferant dienen, kann die Entwicklung bis zur Blüte abgewartet werden. 

Der Nutzungszeitpunkt von Luzernegras orientiert sich an den Hauptbestandesbildnern.

  • Überwiegen die Gräser im Bestand, so ist die Nutzung zu Beginn des Ährenschiebens zu empfehlen.
  • Bei der Mahd sollte die Schnitthöhe von 8 cm nicht unterschritten werden. Ein zu tiefer Schnitt schädigt den oberirdischen Wurzelstock, reduziert den Wiederaustrieb und damit die Bestandesdichte.     
Mit Material von LWK Niedersachsen

Diese Leguminosen sind greeningfähig

Neben der Ackerbohne (Vicia faba) darf auch die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) auf Ökologischer Vorrangfläche angebaut werden. © Mühlhausen/Landpixel
Auf diesem Bild ist eine Zottelwicke (Vicia villosa) zu sehen. Weitere erlaubte Wickenarten sind: Pannonische Wicke und die Saatwicke. © hapo/Landpixel
Neben dem wohlbekannten Rotklee (Trifolium pratense) sind folgende Kleearten erlaubt: Hopfenklee, alle Arten der Gattung Steinklee, Hornschotenklee, Alexandriner Klee, Schwedenklee, Inkarnatklee, Weißklee, Persicher Klee, Erdklee.Eine eigene Bildergalerie zu den erlaubten Kleesorten, finden Sie hier. © hapo/Landpixel
Die Luzerne (Medicago sativa) gehört ebenfalls zu den erlaubten Leguminosen. Auch die Bastardluzerne und die Sandluzerne dürfen auf ökologischen Vorrangflächen angebaut werden. © Mühlhausen/Landpixel
Natürlich darf hier auch die Erbse ( Pisum sativum) nicht fehlen. © Mühlhausen/Landpixel
Bei den Linsen sind alle Arten erlaubt. © Mühlhausen/Landpixel
Auch die Sojabohne (Glycine max) darf angebaut werden. © Mühlhausen/Landpixel
Bei der Esparsette sind ebenfalls alle Arten greeningfähig. © Mühlhausen/Landpixel
Auch die Serradella gilt als greeningfähig und wird häufig in Saatenmischungen angeboten. © hapo/Landpixel
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