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Grünland

Ratgeber: Tipps zur Grünlanderneuerung

von , am
24.07.2015

In manchen Fällen macht es Sinn im Spätsommer das Grünland zu erneuern, um Ertragsausfälle im ersten Halbjahr zu vermeiden. Die LWK Niedersachsen gibt Tipps wie die Grünlanderneuerung gelingt.

Nach dem letzten Silageschnitt geht es an die Grünlanderneuerung. © Mühlhausen/landpixel
Eine geplante Grünlanderneuerung infolge größerer Verungrasung oder Verkrautung muss spätestens nach dem dritten Silageschnitt im Juli oder August angegangen werden, um den Aussaattermin bis etwa Mitte September einhalten zu können, empfiehlt die Landwirtschaftskammer Niedersachen.
 
Wenn die letzte Schnittnutzung in der ersten Julidekade erfolgte, kann laut Kammer bei 10 bis 15 cm Aufwuchshöhe des Pflanzenbestandes zur Monatswende Juli/August die Bestandsabtötung erfolgen. Etwa zwei bis drei Wochen nach der Behandlung kann dann eine Neuansaat durchgeführt werden.
 
Je nach Erneuerungsverfahren sind Wartezeiten nach dem Einsatz eines Herbizides einzuhalten. Bei einem Grünmasseanteil der Ungräser Quecke, Gemeine Rispe, Rasenschmiele u.a. von mehr als 30 bis 40 Prozent ist eine Flächenbehandlung mit dem Wirkstoff Glyphosat angebracht.

Direktsaat

Als Direktsaat werden geeignete Gräsermischungen ohne Bodenbearbeitung mit Spezialmaschinen in die Krume eingeschlitzt. Abgestorbene Reste des Altbestandes sind stark zurückgebildet (trocken) und stören die Direktsaat in der Regel nicht. Andernfalls muß der Altbestand geräumt werden, damit die Einsaat gelingt; auch ein Abweiden, z.B. mit Schafen, ist möglich (nur bei Glyphosateinsatz ohne Tallowamin zulässig).
 
Der Aufgang von Direktsaaten kann im Vergleich zu "Blanksaaten" etwas verzögert sein; das gilt aber ebenso für die im Boden ruhenden Samen unerwünschter Kräuter und Gräser. In den meisten Fällen genügt bei Direktsaaten ein Schröpfschnitt zur Bereinigung der Situation.

Blanksaat

Wird die Neuansaat als "Blanksaat" mit Bodenbearbeitung durchgeführt, sollte im Falle stärkerer Queckenbelastung im Bestand nicht gefräst werden, weil dadurch die Rhizome zur Triebneubildung angeregt werden und die Quecke sich hierdurch vermehrt.
 
Bei Queckenbesatz kann nach flachem Schälpflug ggf. überkreuz gegrubbert werden. Das schüttelt die Rhizome auf und lässt sie bei trockener Witterung austrocknen. Eine eventuell notwendig werdende Herbizid-Nachbehandlung gegen auflaufende Unkräuter könnte dann noch im Herbst ab dem 4- bis 5- Blatt-Stadium der Gräser erfolgen.

Schädlinge bekämpfen

Schädlinge können eine Neuansaat nach dem Aufgang total zerstören und sollten im Hinblick auf den Zeitpunkt und das Verfahren berücksichtigt werden. 
 
Bei hohem Drahtwurmbesatz entfällt die Futtergrundlage nach dem Abtöten der Altnarbe und eine gut auflaufende Direktsaat wird als Ersatz gerne angenommen. Bei Blanksaaten wird die Futtergrundlage der Drahtwürmer sofort vergraben und  die Drahtwurmpopulation ebenfalls. Aufgang und Jugendentwicklung sind bei Blanksaaten meist rascher, so dass die Gräser dem Drahtwurmfraß entwachsen.
 
Auf organischen Grünlandstandorten werden nicht abgeräumte, abgestorbene Aufwuchsreste als Brutstätten von Wiesenschnaken (Tipula paludosa) bevorzugt zur Eiablage angeflogen. Die Larven der Tipula schaffen es sogar, Altnarben total zu zerstören, gefährden aber auch die Neuansaaten. Die auf Moorböden aufgrund der geringeren Torfzehrung empfohlene Direktsaat sollte daher immer durch ein sorgfältiges Abräumen der abgestorbenen Altgrasbestände vorbereitet werden, um der Eiablage von Wiesenschnaken vorzubeugen.
 

Düngung der Neuansaat

Die Düngung der Neuansaaten sollte sich zunächst am Bedarf des ersten Aufwuchses orientieren. In Spätsommer-/Herbstsaaten wird der Nährstoffbedarf vor Winter in der Regel durch die im Bodenvorrat und der flach eingearbeiteten Wurzelmasse enthaltenen Nährstoffmengen gut abgedeckt.
 
Eine geringe Güllegabe (z. B. zwölf Kubikmeter Rindergülle) kann, bei frühzeitiger Aussaat im August vor der Saat flach eingegrubbert, die Gräser vor Winter kräftigen und noch einen weidereifen Aufwuchs ernähren.
 
Eine Ansaat im Frühjahr kommt im Ansaatjahr hinsichtlich der Grundnährstoffe mit etwa 50 Prozent der empfohlenen Nährstoffmengen aus, da auch der Ertrag nur 50 Prozent des üblichen Niveaus erreicht. Hinsichtlich der N-Düngung können Frühjahrsansaaten wie eine Zwischenfrucht mit 30 bis 40 kg N/ha gedüngt werden. Die Folgeaufwüchse sollten dann je nach Nutzung und Aufwuchs (vgl. N-Düngeemfehlungen) ebenfalls 30-40 kg N/ha (Weide) bzw. 50 bis 60 kg N/ha (Schnittnutzung) erhalten. Einjähriges Weidelgras als Ammengras im Bestand erlaubt bei Schnittnutzung etwa 20 % höhere Nährstoffzufuhren.
 
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