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Grünland

Sachsen führt neue Fördermaßnahme ein

von , am
13.06.2013

Dresden - Künftig sollen Grünlandflächen in Sachsen ergebnisorientiert gefördert werden. Schnitt und Düngung ist dabei den Landwirten selbst überlassen.

In Baden Württemberg können Lndwirte ab sofort Anträge bei den Landwirtschaftsabteilungen stellen. © bem
In der kommenden Förderperiode der EU 2014 – 2020 plant Sachsen neben den bewährten Flächenmaßnahmen eine neue Agrarumweltmaßnahme zur Erhaltung wertvoller Wiesen und Weiden. "Unter dem Titel 'ergebnisorientierte Honorierung artenreichen Grünlandes' soll künftig das Ergebnis von Bedeutung sein und nicht mehr - wie bisher - die Handlungen. Konkret heißt das für die Landwirte, dass sie selbst über Düngung, Schnitthäufigkeit- und –Zeitpunkt auf Grünlandflächen entscheiden können", erklärt Ronny Goldberg vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Ausschlaggebend für die Förderung der EU sind die vorhandenen Pflanzenarten. Diese Methode stellten beim gestrigen Feldtag „Grünlandnutzung mit Agrarumweltmaßnahmen“ Ronny Goldberg und Dr. Stefan Kesting vom LfULG vor.
 
Abhängig von der Anzahl vorkommender Kennarten – vier, sechs oder acht – sind drei Förderstufen geplant. Die Artenbestimmung auf den Flächen müssen die Landwirte mit Hilfe einer Bestimmungshilfe, die der Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem LfULG entwickelt hat, selbst durchführen. Insgesamt 36 Arten, hauptsächlich Blütenpflanzen, sind darin aufgeführt. Sachsen setzt hier künftig bei seiner Förderpolitik auf das Verantwortungsbewusstsein der Landwirte

Die Erfassungsmethode

Beispiel für die Lage der Erfassungslinie mit zwei beziehungsweise drei Abschnitten. © LfULG
Zur Beurteilung der Ausgangssituation und zum Nachweis des Fördererfolges ist die Erfassung der Kennarten erforderlich. „Diese sollte möglichst im Vorjahr der Antragstellung erfolgen, da der Antragsstellungsschluss der 15. Mai ist. Zu diesem Zeitpunkt blühen noch nicht alle Arten und lassen sich deshalb schwerer bestimmen“, rät Ronny Goldberg. Die Artenbestimmung muss auf jedem Grünlandschlag einzeln erfolgen. Um eine flächenrepräsentative Erfassung zu erhalten, wird die Fläche nach Möglichkeit in Richtung ihrer größten Ausdehnung diagonal begangen (Erfassungslinie). Die vorkommenden Kennarten werden entlang der Erfassungslinie aufgezeichnet. Um Randbereiche auszuschließen, ist ein Abstand von mindestens zehn Schritten zum Rand des Schlages bei der Begehung einzuhalten. Die Erfassungslinie wird anschließend weiter in möglichst drei gleich große Abschnitte eingeteilt. In jedem dieser Abschnitte sind dann die Kennarten einzeln zu erfassen. Als Hilfe steht den Landwirten dabei ein Erfassungsbogen zur Verfügung.
 
Der günstigste Zeitpunkt für die Kennartenerfassung liegt vor der ersten Nutzung ab Mitte Mai bis Ende Juni. Die meisten Arten sind jedoch auch im zweiten Aufwuchs gut zu erkennen. Vor allem auf trockenen Standorten blühen einige Arten erst während des Sommers, so dass hier die Erfassung auch zwischen Juni und Juli gut möglich ist.

Bewertung der Förderfähigkeit

Beispiel für eine Erfassungslinie bei ungewöhnlicher Schlaggeometrie. © LfULG
Nur wenn die Anzahl der Kennarten im Vorfeld erfasst wurde, kann die entsprechende Förderstufe verlässlich eingeschätzt werden. Diese ist dann über einen Verpflichtungszeitraum von fünf Jahren einzuhalten. Den Nachweis dazu müssen die Landwirte über den gesamten Verpflichtungszeitraum erbringen. Die niedrigste erfasste Kennartenzahl ist für die Förderung entscheidend.
 
Vorteile der neuen Fördermaßnahme für Landbewirtschafter sind: 
  • Mehr Flexibilität in der Bewirtschaftung: Vorgaben wie Mahdtermine und Düngungsverzicht entfallen
  • Mehr Eigenregie: Durch eine angepasste Grünlandbewirtschaftung beeinflussen die Landwirte die Artenvielfalt positiv. Die Erfassung der Kenndaten liegt ebenso in ihrer Hand.
  • Mehr Ergebnisorientierung: Nachzuweisen ist das Vorkommen von sogenannten 'Kennarten', also von bestimmten Pflanzenarten, die für artenreiches Grünland in Sachsen typisch ist.

Erschwerte Bewirtschaftung im Naturschutzgebiet

Landwirt Klaus Persdorf bewirtschaftet 280 Hektar Grünland in Nordsachsen. © bem
Neben der Vorstellung der neuen Maßnahmen konnten auf dem Feldtag Flächen der Agrargenossenschaft Heideglück Sprotta e.G in Doberschütz im Landkreis Nordsachsen besichtigt werden. Landwirt Klaus Persdorf führt dort ein für die Region typisches landwirtschaftliches Unternehmen. Insgesamt bewirtschaftet er 420 Hektar (ha). 280 ha davon sind Dauergrünland. Seine Haupterwerbsquelle ist die Milchproduktion mit 300 Kühen, welche durch eine Biogasanlage mit einer Leistung von circa 350 kWh ergänzt wird. "Die Bewirtschaftung unseres Dauergrünlandes ist wegen den natürlichen Gegebenheiten sehr schwierig", erklärt Klaus Persdorf. Die Bodenzahl der Wiesen und Weiden beträgt 30 Bodenpunkte. Die Flächen liegt im Naturschutzgebiet 'Wöllnauer Senke', in der Schwarzbachaue und im Überschwemmungsgebiet.
 
Den Großteil der Grünlandflächen bewirtschaftet Persdorf derzeit nach der Agrarumweltmaßnahme (AuW) G3 - naturschutzgerechte Wiesennutzung mit Düngungsverzicht - das bedeutet, es erfolgen zwei Schnitte und anschließend werden die Flächen von Rindern beweidet. Weitere 80 Hektar werden gemäß AuW-Maßnahme G7 von Schafen naturschutzgerecht beweidet. Die durchschnittlichen Hektarerträge auf den Grünlandflächen liegen bei etwa 30 Dezitonnen Heu.

Alternative für manche Flächen

Im Zuge von Naturschutzprojekten wurden in der 'Wöllnauer Senke' Niedermoore durch die Anstauung von Gräben revitalisiert, was dazu führte, dass einige Flächen total vernässten und nicht mehr bewirtschaftet werden können. Diese fielen komplett aus der Förderung, was für den Landwirt einen Verlust von circa 4.500 Euro pro Jahr bedeutet. Zusätzlich ist Landwirt Klaus Persdorf in diesem Jahr vom Hochwasser betroffen. Insgesamt 80 Hektar seiner Flächen sind überflutet. Er rechnet mit einem Schaden von 20.000 Euro.
 
Für Klaus Persdorf stellt die neue Agrarumweltmaßnahme zur Erhaltung von wertvollen Wiesen und Weiden vielleicht eine Alternative dar. Da er die Flächen ohnehin nicht bewirtschaften kann, könnte er in Zukunft durch den Artenreichtum der Moorflächen Förderungen erhalten.
 
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