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Grünland

Strohpreis richtig berechnen

von , am
08.01.2013

Schlechtes Wetter, wenig Stroh - das hat 2007 den Strohpreis klettern lassen. Eine Situation, die immer wieder auftreten kann. Wie Sie einen angemessenen Strohpreis ermitteln können, lesen Sie hier.

Auch Kosten für die Strohlagerung müssen mitberechnet werden. © landpixel
Der starke Anstieg des Strohpreises nach der Getreideernte 2007 war durch die Angebotsverknappung aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen während der Getreideernte induziert. Wenn im Vorfeld der neuen Ernte diskutiert wird, dass das verfügbare Stroh nicht reichen könnte, kann das den Preis bereits steigen lassen.
 
Eines aber bleibt: Der Mindestpreis für Stroh wird sich weiterhin aus den Kosten des Nährstoffentzuges und den Bergungskosten bis zum Übergabeort bilden. Wer langfristige Geschäftsbeziehungen auf diesem Markt sucht und nicht den schnellen Euro, der sollte den angemessenen Strohpreis unter Berücksichtigung eines individuellen Zuschlages kalkulieren.

Stroh ab Feld: Nährstoffentzug beachten

Wer sich mit der Strohbergung nicht zusätzlich belasten möchte, kann das Stroh ab Feld zum "selber Pressen"-Preis verkaufen. Dennoch sollte er sich zumindest den Wert der durch die Abfuhr entzogenen Nährstoffe erstatten lassen.

Diese Entzüge machen sich zwar nicht sofort, aber mittelfristig über den verringerten Bodenvorrat in Form von Ertrags- und/oder Qualitätseffekten bemerkbar, so dass ein Ausgleich, beispielsweise über entsprechende Zufuhren an mineralischen Düngern, sinnvoll erscheint.
 
Ausnahmen können sich hier ergeben wenn sich die durch die Strohabfuhr entzogenen Nährstoffe günstiger als durch die Gabe von Mineraldünger ersetzen lassen. Insbesondere in Regionen mit hoher Tierhaltung bieten organische Wirtschaftsdünger eine kontengünstigere, ja vielleicht sogar erlösbringende Alternative.
 
Bei Abgabe des Strohs an Pferdehaltungen kann bei Vereinbarung der Mistrücklieferung (möglichst frei Feld) wesentlich günstiger kalkuliert werden. Wer Stroh abgibt und dafür Wirtschaftsdünger (aus)gebracht bekommt, kann doppelt verdienen. Er wird als Mengenanpasser das Stroh zum selben Preis verkaufen wie die anders kalkulierenden und gleichzeitig eventuell sogar noch Geld dafür erhalten, dass auf seinen Flächen dann entsprechend Gülle ausgebracht werden kann.
 
Wenn der Strohentzug zu Vereinfachungen in der Bewirtschaftung führt und damit eventuelle Kosteneinsparungen im Maschinenbereich (Verzicht auf den Strohhäcksler am Mähdrescher und leichtere Einarbeitung der Ernterückstände) oder beim Pflanzenschutz (Verzicht auf eine Fungizidmaßnahme im Anbau von Getreide nach Getreide) verbunden ist, könnten diese Einsparungen vielleicht gegengerechnet werden.
 
Dem stehen manchmal aber auch Nachteile gegenüber. Nach Regenperioden kann die Bergung Bodenverdichtungen und höhere Arbeitserledigungskosten für die nachfolgenden Arbeitsgänge verursachen. Wenn der Aufkäufer mit Ernte und Bergung nicht nachkommt und defekte Ballen auf der Fläche einfach liegen lässt, erschwert oder verzögert dies die Stoppelbearbeitung. Bei unbekannten Geschäftspartnern haben sich Vorkasse oder Barzahlung bewährt.

Höherwertige Aufbereitungsstufe - höherer Preis

Diejenigen, die noch über freie oder zusätzlich beschaffbare Arbeitskapazitäten und eigene Technik zur Strohbergung verfügen, sollten diese zur besseren Auslastung auch entsprechend zum Einsatz bringen und das Stroh in einer höherwertigeren Aufbereitungsstufe anbieten. Dabei sind prinzipiell alle Zwischenstufen der Kette bis hin zur Lagerung und termingerechten Anlieferung an den Abnehmer denkbar.
  
Lagerkosten mit berechnen
 
Bei Kartoffeln und Getreide machen es alle: In der Ernte wird das Produkt günstiger verkauft als zu späteren Terminen, weil zusätzlich Kosten für die Lagerung anfallen. Beim Stroh ließen sich aber in der Vergangenheit nicht immer höhere Preise für gelagerte Ware erzielen, weil viele Landwirte in abgeschriebenen Altgebäuden eingelagert haben und hier sogar auch noch den Zinsanspruch für das gebundene Kapital vernachlässigten.
Wer gutes (also in der Halle) abgelagertes Stroh verkaufen will, muss dafür derzeit mindestens 100 Euro je Tonne verlangen, wenn er eine vollständige und umfassende Kostenberechnung durchführt und außer seinen Kosten auch noch einen kleinen Zuschlag für seinen Einsatz und das Risiko erhalten will.

Fazit

Sind die Lager voll, reicht ein Gleichgewicht zwischen neuer Erzeugung und Verbrauch, um eine "scheinbare" ständige Überschusssituation zu suggerieren. Sind die Lager dann aber durch ein einmaliges Ereignis geleert worden, wird bei unveränderten Erzeugungs- und Verbrauchsmengen die gleiche Marktversorgung ständig als eine Mangelsituation erlebt. Dieser Wahrnehmungsunterschied dürfte deutliche Konsequenzen für das Preisniveau haben.
 
Erzeuger stellen sich also möglicherweise durch eine umfangreiche Vorratshaltung eventuell selbst ein Bein, wenn es um das Erzielen höherer Preise geht. Aufgrund aktueller Düngemittelpreise besitzt Stroh einen Nährstoffwert zwischen 25 und 30 Euro/t. Dieser Mindestpreis erhöht sich gegebenenfalls noch um die Bergungskosten von 22,64 Euro/t bis zum Feldrand und gegebenenfalls weiter um Transportkosten bis zum Lagerungsort. Wenn Stroh "on time" geliefert werden soll, sind weitere etwa 35 Euro/t für die Lagerung und acht bis zehn Euro/t für die Anlieferung fällig.

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