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Grünland-Tagebuch Teil 19

Tagebuch Heckenberger: Die Stoffstrombilanz bereitet Kopfzerbrechen

Matthias Heckenberger
am
12.02.2019

Matthias Heckenberger berichtet alle 14 Tage aus seinem Alltag. Endlich Tauwetter. Die Grasnarbe sieht gut aus und im Kuhstall läuft alles rund. Der Junglandwirt weiß sich zu helfen. Nur bei der Stoffstrombilanz herrscht Unsicherheit.

Es ist endlich Tauwetter. Bei plus 8 Grad Celsius ist der Schnee schon stark geschmolzen und das Grünland kommt wieder zum Vorschein. Die Narbe sieht aktuell sehr gut aus und macht Hoffnung auf eine gute neue Saison. Weidelgräser, Lieschgräser und die Kleearten Rot- und Weißklee sind gut sichtbar.
In diesem Jahr hatte ich erstmals Gift eingesetzt, um die Feldmäuse loszuwerden Die Maßnahme hat sehr gut funktioniert. Die Nager sind komplett weg. Regenwürmer hingegen haben wir sehr viele. Sie sind erfreulicherweise sehr aktiv. Das erkennt man sehr gut an dem Regenwurmkot auf der Bodenoberfläche.

Außenwirtschaft: Appetitanreger für die Kuh

Im DSV Saatgutkatalog werden jetzt mit Country 2060 und Country 2061 zwei Saatgutmischungen angeboten, die 1 Jahr lang auf einer unserer Ackerflächen (1,3 ha) von der DSV getestet wurden. Beide Mischungen hatten sich bei uns gut etabliert, trotz der Trockenheit in 2018. Ich halte beide für die Ansaat als Ackerfutter oder auch für die Nachsaat im Dauergrünland geeignet, speziell bei trockener, heißer Witterung.
Es wurden weitere DSV Mischungen auf unseren Flächen und unter unseren klimatischen Bedingungen getestet. Neben verschiedenen Gräsern, Kräutern und Kleearten waren auch Chicorée und Spitzwegerich enthalten. Chicorée enthält Tanine (Bitterstoffe)und Spitzwegerich Natrium. Beide sollen den Appetit der Kuh anregen und so zu höheren Futteraufnahmen führen. Speziell Chicorée, Spitzwegerich und Rotklee haben die Trockenheit in 2018 sehr gut ausgehalten.

Innenwirtschaf: Freud und Leid mit den Mikroorganismen

Seit einem Jahr setzen wir im Kuhstall gezielt Mikroorganismen ein. Wir bringen sie auf der kompletten Lauffläche der Kühe aus. Die Erfolge sind deutlich sichtbar: Die Spalten sind seitdem wieder deutlich griffiger für die Kühe. Das Stallklima hat sich merklich verbessert. Der Befall mit Mortellaro und andere Klauenerkrankungen sind stark zurückgegangen. Dadurch, dass die Tiere sicherer laufen, kann ich auch die Brunst jeder einzelnen Kuh besser erkennen. Das ist wichtig, da wir in unserem alten Stallgebäude keine Technik zur Brunsterkennung haben. Die Luft im Stallgebäude ist jetzt viel besser. Die Mikroorganismen tragen sehr stark zur Rotte der Gülle bei. Dadurch erhöht sich ihre Verfügbarkeit und Verträglichkeit für die Pflanzen und wir können unsere Gülle in der Düngung noch effizienter einsetzen.
Den Rotteprozess kann man vor allem im Güllebehälter gut beobachten. Da ist gut was los. Aktuell haben wir eine Schwimmschicht von etwa 40 cm, aber die Mikroorganismen leisten auch hier ganze Arbeit. Früher mussten wir die Gülle immer für 1,5 Stunden aufrühren, heute ist der komplette Behälter in 20 Minuten durchgerührt.

Innenwirtschaft: Den BHB Wert unter Kontrolle

Aktuell haben auch wieder ein paar Kühe gekalbt. Die Kuh bleibt nach dem Kalben für 10 bis 14 Tage in der Fresh Cow Box auf Stroh und wird auch dort gemolken. Das dazugehörige Kalb verbleibt dort ebenfalls für 5 bis 7 Tage, wird aber in einer separaten Kälberbox gehalten, um die Futtergaben für das Kalb genau portionieren zu können. 
In dieser Zeit wird zur rechtzeitigen Erkennung von Krankheiten zweimal täglich die Temperatur der Kuh gemessen. Insgesamt dreimal wird der BHB Wert im Blut gemessen, um Ketose vorzubeugen.
Eine der Braunviehkühe hatte 5 Tage nach dem Kalben einen leiht erhöhten BHB Wert von 1,2.Sie hat Propylenglykol bekommen und ich habe ihr sogar eine Flasche Glucose intravenös verabreicht. So habe ich den BHB Wert auf 0,8 senken können. Ich gehe davon aus, dass diese Kuh keine Ketose mehr hat, sie jetzt aus der Beobachtung zu nehmen, wäre aber falsch. Eine schleichende Ketose ist immer wieder möglich. Das äußert sich durch Fressunlust und Körperfettabbau.

Büro: Noch viel Unklarheit bei der Stoffstrombilanz

Am 3.02.19 referierte ich am Tag der offenen Tür der Firma Güttler, Amerdingen, zur Grünlandverbesserung und -pflege in unserem Betrieb. Es hat mir viel Spaß gemacht, in diesem Rahmen über meine Erfahrungen zu berichten.

Derzeit dreht sich im Büro alles um die neue Stoffstrombilanz. Wir sind dabei, alle notwendigen Daten zusammenzutragen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, da noch nicht alle Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, darauf eingestellt sind. So unser Futtermittellieferant oder Schlachter. Beide können uns die benötigten Informationen bisher leider nur zäh liefern. Noch nicht einmal das Onlineprogramm unseres Landesverband ist auf dem neusten Stand, um die Stoffstrombilanz digital zu rechnen.

Mit Material von Matthias Heckenberger

Grasnarbe und Tiere gesund halten

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