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Grünlandpflege

Nach der Trockenheit: Grünland wieder fit machen

Nachsaat von Grünland
am Mittwoch, 06.03.2019 - 08:51 (Jetzt kommentieren)

Wie geht es Ihrem Grünland nach der massiven Trockenheit? Zwar kam im Herbst und Winter einiges an Regen runter, aber viele Bestände sind noch lückig und verunkrautet. Hier unsere 9 Tipps für den Saisonstart.

Das Grünland hat im vergangenen Jahr massiv unter der Trockenheit gelitten. Oft war nur ein Schnitt möglich und spätestens ab August wirkten die Grünlandflächen wie abgestorben. Rohrschwingel, Knaulgras und Wiesenrispe tolerierten Trockenheit und Hitzestress besser als andere Gräser.

Prüfen Sie im zeitigen Frühjahr, wie stark Ihr Grünland geschädigt ist. Treiben die Pflanzen wieder aus? Wie stark ist der Befall mit tierischen Schaderregern? Wie hoch ist der Lückenanteil? Haben sich Unkräuter ausgebreitet?

Unsere 9 Ratschläge helfen Ihnen, das Grünland wieder auf Vordermann zu bringen. Mehr Tipps zur Grünlandpflege lesen Sie auch in der aktuellen Printausgabe des agrarheute-Magazins März 2019.

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1. Mäuse bekämpfen

Zusätzlich zu den Trockenschäden war im letzten Jahr vielerorts ein starker Befall mit Feld- oder Wühlmäusen zu verzeichnen.

Wenn auf einer Fläche von 250 qm fünf bis acht Löcher nach dem Zutreten wieder geöffnet sind, sollten Sie verdecktes Giftgetreide oder Giftlinsen ausbringen. Vorbeugend hilft es, Sitzkrücken für Greifvögel aufzustellen.

2. Einebnen und Narbe pflegen

Mit Schleppen, Striegeln und Walzen lassen sich im Frühjahr Bodenunebenheiten ausgleichen, Wühlmaus- und Maulwurfshaufen beseitigen und Narbenabdeckungen verteilen. Futterverschmutzungen werden minimiert und die Bestockung angeregt.

Wenn Böden zur Selbstauflockerung neigen, beispielsweise Moorböden, sollten Sie anwalzen. Das verhindert Frostschäden und verbessert die Wasser- und Wärmeleitfähigkeit.

3. Mit Nachsaat Lücken schließen

Tiefwurzelnde Unkräuter haben die Dürre besser toleriert als flach wurzelnde Gräser. Lückige Grasnarben bieten Unkräutern einen Konkurrenzvorteil. Narbenschäden sollten Sie daher durch Nachsaaten schließen. Das gilt, wenn die Altnarbe mindestens 20 Prozent Lücken zeigt und der Anteil an futterbaulich wertvollen Arten noch über 50 Prozent liegt.

Sie sollten im zeitigen Frühjahr bei ausreichender Bodenfeuchte in die kurze Altnarbe nachsäen. Das schließt die Lücken zügig und verhindert, dass sich unerwünschte Arten ausbreiten.

Frühjahrsnachsaaten in eine wüchsige Altgrasnarbe sind nur dann erfolgreich, wenn diese früh und häufig genutzt und damit kurz gehalten wird. Nachsaaten lassen sich auch später nach einer Nutzung durchführen, wenn ausreichend Niederschläge zu erwarten sind.

Bei Sommernachsaaten Mitte Juli bis Mitte August ist die Konkurrenz der Altnarbe deutlich geringer als bei Frühjahrsnachsaaten.

Auch nach einer selektiven Herbizidbehandlung sind die entstandenen Lücken durch Nachsaat zu schließen.

4. Geeignete Arten wählen

Für Nachsaaten empfehlen sich Gemische aus konkurrenzstarken Gräsern mit einer schnellen Jugendentwicklung. Die Mischungen bestehen daher aus einem Sortenmix von Deutschem Weidelgras, gegebenenfalls plus Wiesenschweidel (Festulolium).

Deutsches Weidelgras reagiert bei Sommertrockenheit mit Leistungsabfall, regeneriert sich aber schnell. Festulolium eignet sich für überwiegende Mähnutzung und toleriert zeitweise Trockenheit besser.

Sind die Lücken sehr groß, können auch weitere, weniger konkurrenzstarke Arten nachgesät werden. In jedem Fall sollten Sie auf regional empfohlene Nachsaatmischungen und Sorten zurückgreifen.

5. Besser Durch- als Übersaat

In zeitweise trockenen Gebieten sind Durchsaatverfahren wie Schlitz- oder Fräsrillentechnik mit 15 bis 20 kg/ha erfolgversprechender als eine Übersaat. Allerdings kostet der Einsatz von Spezialnachsaattechnik mit Arbeitsbreiten von maximal 3 m Zeit.

Verzichten Sie keinesfalls auf das Walzen. Es lässt Gräser besser auflaufen. Meist zeigt sich der Erfolg nicht gleich im Nachsaatjahr, sondern erst im ersten oder zweiten Jahr danach.

6. Bei starken Verlusten Neuansaat

Drastischer sollten Sie vorgehen, wenn die Grünlandnarbe sehr stark geschädigt wurde. Das ist der Fall, wenn die futterwirtschaftlich wertvollen Gräser weniger als 50 Prozent ausmachen und die Narbe zu mehr als der Hälfte aus Unkräutern und minderwertigen Gräsern besteht.

Pflege hilft hier oft nicht mehr. Dann ist eine Neuansaat im zeitigen Frühjahr anzuraten, sobald die Flächen befahrbar sind, gegebenenfalls auch als Sommeransaat Mitte Juli bis Mitte August.

7. Boden bearbeiten und neu ansäen

Auf umbruchsensiblen Böden, also Mooren und flachgründigen Böden, können Sie neu ansäen oder mit Durchsaatgeräten nachsäen. Zuvor muss die Altnarbe mit einem Totalherbizid abgespritzt werden.

Auf pflügbaren Standorten können Sie nach Antragstellung den Boden bearbeiten (Pflug, Kreiselegge, Grubber) und das Saatbett bereiten. Für die feinsamigen Gräser muss das Saatbett gut verfestigt und feinkrümelig sein.

Säen Sie mit herkömmlicher Ackerdrilltechnik möglichst eng und flach (circa 1 cm tief) und walzen Sie vor und nach der Aussaat.

Wie Nachsaaten brauchen auch Neuansaaten ausreichend Regen. 30 kg/ha reichen in der Regel aus. Bei hohen Anteilen besonders feinsamiger Arten in der Mischung kann die Saatmenge niedriger sein.

8. Mischungen für Neuansaaten

Die Wahl der passenden Mischung richtet sich nach der geplanten Nutzungsweise und -intensität und nach dem Standort.

Neben den Standardmischungen empfehlen die Ländereinrichtungen regionale Mischungen mit weiteren Arten für besondere Standortbedingungen: etwa für Moore, bei Sommertrockenheit oder zeitweiser Überflutung oder in Höhenlagen.

Die Mischungs- und Sortenempfehlungen stehen auf den Internetseiten der Länderdienststellen.

9. Auflagen beachten

Viele Grünlandflächen liegen in Schutzgebieten. Alle geplanten Arbeitsgänge zur Grünlandverbesserung oder -erneuerung auf Flächen mit Auflagen sind mit den ­zuständigen Stellen abzustimmen.

Das gilt auch bei Teilnahme an Förderprogrammen.

Mit Material von Bärbel Greiner, LLG Sachsen-Anhalt

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