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Klimafestes Grünland

Verbrannte Grasnarbe? So machen Sie ihr Grünland wieder fit

Aufwendige Nach- oder sogar komplette Neuansaaten auf Wiesen und Weiden sind nach der Dürre nicht zu vermeiden. Das gilt auch bei Mäuseschäden.
am Sonntag, 18.09.2022 - 05:00 (2 Kommentare)

Was ist auf dem Grünland zu tun, um die Hitze- und Dürreschäden zu beseitigen? Wie lassen sich Wiesen und Weiden nach der Trockenheit regenerieren? Wir geben neun Tipps.

1. Erholung des Grünlands abwarten

Mit dem Klimawandel verschieben sich die Niederschläge von der Vegetationszeit in den Winter. Mit der Erderwärmung verdunstet zudem mehr Wasser, weil warme Luft mehr Feuchte aufnimmt. Die Folge sind längere Dürren. Das Ausmaß der Dürreschäden lässt sich erst nach Regen richtig beurteilen. Bleibt es bis in den späten Herbst hinein weiter trocken, müssen Grünlandwirte im zeitigen Frühjahr erneut prüfen, wie stark ihre Flächen leiden. Die Regeneration ist entscheidend, bevor die Reparatur beginnt. 

2. Längere Nutzung künftig besser managen

Haben die Narben stark unter der Dürre gelitten und stand das Wachstum längere Zeit komplett still, ist von echten Substanzverlusten auszugehen. Dann ist im frühen Herbst auf jeden Fall entsprechendes Handeln angesagt, denn der Sanierungs- und Nachsaatbedarf ist in diesen Fällen meist sehr hoch. Bleibt es bis zum Spätherbst trocken, ist aber unter Umständen besser im zeitigen Frühjahr zu säen. 

3. Bewirtschaftungsfehler stets vermeiden

Bewirtschaftungsfehler rächen sich bei Dürre doppelt. Wiesen und Weiden sollten abgestuft und auf den Standort abgestimmt genutzt werden. Es ist zudem ratsam den Viehbestand an die abgesenkte Ertragsfähigkeit anzupassen und möglichst Grundfutter auf Vorrat zu erzeugen und für ausreichend Reserven zu sorgen. Hilfreich sind hier Kooperationen mit Ackerbaubetrieben oder Futterbörsen. 

Schleppen, Striegeln und Walzen gehören zum Standard im Frühjahr. Unverzeihlich sind zudem Unebenheiten und Lücken, etwa nach Fahr- und Trittspuren. Auf trockenen Flächen sind weniger Schnitte möglich. Scharfe Messer und 8 cm Schnitthöhe sind dabei Pflicht. Künftig lohnen womöglich Dürre-Index-Versicherungen.

4. Unkräuter immer sofort bekämpfen

Neben echten Verbrennungen kommen auch Wühl- und Fraßschäden durch Mäuse und Schwarzwild oder Engerlinge sowie Auswinterungen vor. Entstehende Lücken werden schnell von typischen Lückenfüllern besetzt. Die diesjährige Trockenheit verschärft diesen Effekt noch. Der Dürrestress führte bei vielen Gräsern zum kompletten Verlust an ober- wie unterirdischer Biomasse. Allerdings bleiben tiefwurzelnde Pflanzen davon meist unbeeinflusst. Ampfer, Distel, Brennnessel oder Jakobskreuzkraut profitieren von der Hitze und den trockenen Bedingungen sogar. Mit ihren tiefen Wurzeln ziehen sie noch länger Wasser als die flach wurzelnden Gräserarten. Unkräuter dürfen darum auf keinen Fall zur Samenreife gelangen. Bereits bei beginnender Verunkrautung sind sie zu entfernen. 

5. Bei genügend Feuchtigkeit nachsäen

Komplette Neuansaaten sind nötig, wenn der Anteil an Kulturgräsern unter 50 Prozent sackt und der Bestand von hartnäckigen Ungräsern wie Gemeine Rispe, Gewöhnliche Quecke, Wolliges Honiggras und Unkräutern wie Ampfer, Kratzdistel, Kreuzkraut oder Hahnenfuß durchsetzt ist. Wegen des hohen Konkurrenzdrucks ändern Nachsaaten den Bestand dann oft nicht ausreichend. Bleiben nach der Pflege und Unkrautbekämpfung nur noch wenige verdorrte Lücken, reicht unter Umständen eine Über- oder Nachsaat. Übersaat ohne Bodenbearbeitung schließt nur Lücken im sonst noch akzeptablen Bestand. Wenn 5 bis 10 kg/ha Saatstärke nicht mehr ausreichen, verbessert eine komplette Nachsaat das Grünland.

6. Dürretolerante Gräser verwenden

Dürretolerante Arten sind jetzt gefragt: Deutsches Weidelgras bleibt weiter unverzichtbar. Trotz der flacheren Bewurzelung ist es durchaus widerstandsfähig gegen Dürre. Frühe Sortentypen sind sinnvoll, da sie Winterfeuchte effizienter nutzen. Wiesenschwingel eignet sich für trockene Standorte. Knaulgras ist früh zu schneiden, weil es schnell hohe Rohfasergehalte bildet. Es wird beim Weiden nicht sehr gern gefressen. Zudem wirkt es bei Schnittnutzung bereits bei einer mittleren Saatstärke stark verdrängend. Rohrschwingel wird auf der Weide auch gemieden und eignet sich eher als Feldfutter. In der Jugend wächst er langsam. So ist es nur bedingt nachsaatwürdig. Wiesenschweidel, gekreuzt aus Schwingel- und Weidelgras, wird für zeitweise trockene Standorte empfohlen. 

7. Echte Mischbestände fördern

Um Wetterextreme besser abzupuffern, ist eine Pflanzenvielfalt wichtig. Sie erhöht die Ertragsstabilität. Mischbestände reagieren so besser auf Phasen mit ungünstiger Witterung als reine Grasbestände. So werden etwa Futterchicorée, Spitzwegerich oder kleinkörnige Leguminosen diskutiert: Futterchicorée ist eine züchterisch bearbeitete Variante der Gewöhnlichen Wegwarte. Sie erwies sich in Mischung mit Kleegras als recht ertragsstark. Spitzwegerich kann durch die tiefe Wurzel von 90 cm bis 1 m auf trockenen Standorten zur Ertragsstabilität beitragen. Eine Nachsaat ist in Dauergrünland aber nur dort nötig, wo keine höheren Anteile zu finden sind. Leguminoseneinsaaten wie Luzerne, Hornklee und Rotklee, sind als Anpassungsstrategie sinnvoll. Gefördert werden sollten Kräuter wie Löwenzahn, Spitzwegerich, Wiesenkerbel, Bärenklau oder Schafgarbe.

8. Kalken nicht vernachlässigen

Eine ausreichende Phosphor- und Kaliumdüngung sowie eine angemessene Kalkversorgung sind wichtig für den Erfolg von Nachsaaten. Eine gute Bodenstruktur ist auch auf Grünland enorm wichtig. Festmist fördert sie, hat aber Sperrfristen. Bei richtigem pH-Wert speichern die Böden mehr Wasser. Je nach Bodenart liegt der optimale pH-Wert von Dauergrünland bei 5,5 bis 6. Regnet es nach der langen Dürre, ist eine Stickstoffdüngung nicht erforderlich. 

9. Passende Sätechnik verwenden

Eine Nachsaat im Herbst mit einer bodennahen Gülleausbringung vor der Sperrfrist Ende Oktober zu kombinieren, ist nicht immer zielführend. Die Gründe sind, dass der direkte Bodenkontakt bei der Saat nicht immer möglich ist und die Reihenabstände in aller Regel zu groß sind für eine dichte, konkurrenzstarke Grünlandnarbe. Wo die Narbe komplett abgestorben ist, lohnt sich zunächst intensives Striegeln. Das allein kann schon günstige Keimbedingungen für die Nachsaat schaffen. Spezielle Durch- oder Direktsaattechnik bringt meist bessere Erfolge als einfache Obenaufsaat mit einem Striegel oder Schneckenkornstreuer. Anschließende Güttler- oder Prismenwalzen eignen sich, um einen guten Bodenschluss hin zu bekommen.

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