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Düngen

Gülle: 3 Mal Nährstoffverlust - und wie Sie gegenarbeiten

LU Mücke bei der Gülledüngung © Lu Mücke
von , am
06.09.2016

Damit die organische Düngung ihre volle Wirksamkeit entfalten kann, ist es wichtig, dass die wertvollen Nährstoffe tatsächlich dorthin gelangen, wo sie hingehören.

Im bewachsenen Bestand haben Schleppschuhe einen besseren Effekt als Schleppschläuche. © landpixel

Losgelöst von den komplizierten chemischen Vorgängen vor, während und nach der Ausbringung wirtschaftseigener organischer Dünger kann man für die Praxis vor allem drei große Verlustquellen ausmachen. Daraus leiten sich direkte Maßnahmen ab, die sich jeder Betriebsleiter im Sinne einer möglichst hohen Verwertungsrate zunutze machen kann.

Die Abschwemmung

Die Abschwemmung von Düngemitteln durch Regen oder bei der Schneeschmelze stellt die unmittelbarste Form der Nährstoffverluste dar. Insbesondere der Phosphateintrag in die Gewässer stammt daraus. Je mehr in Hanglagen gewirtschaftet wird und je stärker die Niederschlagsereignisse ausfallen, desto höher ist das Verlustpotenzial.

Reagieren kann man auf verschiedene Weise:

  • Sicherstellen, dass gesetzliche Mindestabstände zu Gewässern bei den Düngemaßnahmen eingehalten werden. Ein ungedüngter Randstreifen gibt der abschwemmenden Gülle die Möglichkeit, sich vor dem Gewässer an den Pflanzenbestand zu binden. Das hat aber natürliche Grenzen. Sind die Wassermassen zu groß, der Randstreifen nicht bewachsen oder der Boden eh schon wassergesättigt, läuft die mit dem Wasser abgespülte Gülle direkt darüber hinweg.
  • Zeitpunkt der Applikation: Wichtig sind ausreichend bewachsene Pufferstreifen. Je höher der Bewuchs, umso stärker sind die Bremseigenschaften.
  • Logische Konsequenz: nur während der Vegetation bei ausreichender Pflanzendecke zu düngen.
  • Auf die Aufnahmefähigkeit des Bodens achten. Nach einer trockenen Wetterphase nimmt der Boden viel Flüssigkeit auf. Dadurch kann der erste Schwung Wasser mit hohen Nährstoffkonzentrationen in den Boden einsickern. Sind die Flächen vor der Düngemaßnahme wassergesättigt, steigen die Nährstofffrachten sehr stark an, da der Abfluss insgesamt ansteigt. Gleiches gilt für Flächen mit schlechter Bodenstruktur.
  • Das direkte Einschlitzen in den Bestand oder die Ausbringung mit einem Güllegrubber auf unbestelltem Ackerland macht eine unmittelbare Abschwemmung nahezu unmöglich. Bei der Schlitztechnik vermindert das Arbeiten quer zum Hang das Risiko zusätzlich. Hier wird deutlich, warum die Düngeverordnung Abstände in Abhängigkeit der Hangneigung vorgibt und die Ausbringung auf gefrorenem Boden und geschlossener Schneedecke untersagt ist.

Die Auswaschung

Als Auswaschung wird die Verlagerung von Nährstoffen zuerst in tiefere Bodenschichten und letztendlich durch Sickerwasser in das Grundwasser bezeichnet. Betroffen sind mobile, wasserlösliche Nährstoffe. Die größte Rolle spielt hierbei der Stickstoff in Form von Nitrat.

Je höher die Nitratkonzentration in der Bodenlösung ist, desto höher ist das Verlustrisiko. Daraus folgt die Empfehlung, die Einzelgaben an Wirtschaftsdünger zu begrenzen und in kleineren Teilgaben zeitlich versetzt auszubringen.

Damit untrennbar verbunden: die Düngung an den Bedarf anzupassen. Bedarf und Befahrbarkeit (Bodenschonung und Nährstoffeffizienz) stehen hier oft in Konkurrenz zueinander. Die Lösung: Termine annähern oder die Reduzierung der Gewichte.

Die Trennung von Transport und Ausbringung kann Sinn machen. Die Übergabe des Düngemittels erfolgt am Feldrand von großen und schweren Transportfahrzeugen auf leichtere und damit bodenschonende Ausbringeinheiten. Zusätzlich zur Schonung der Struktur erhöht sich auch die Schlagkraft. Der Anspruch an Arbeit und Kapital ist hingegen höher.

Eine weitere Möglichkeit: die Nährstoffkonzentration der Wirtschaftsdünger erhöhen. Um dies zu erreichen, müsste das Wasser entfernt werden. Hier muss aber noch geforscht werden.

Stickstoffverlust über die Luft

Durch Wasserverdunstung und Anstieg des pH-Wertes nach der Ausbringung kommt es zum Ungleichgewicht von Ammonium und Ammoniak, das Ammoniak gast aus und geht unwiederbringlich in die Luft verloren. Besonders hoch sind die Verluste bei hohen Temperaturen, windiger und trockener Luft und feintropfiger Ausbringung. Um diese Verluste zu begrenzen, müssen negative Einflussfaktoren ausgeschaltet werden.

Besonders auf Pflanzen und Ernterückständen haftende Gülle ohne Bodenkontakt verliert den Großteil ihres Ammonium-N. Einige Tipps:

  • Rindergülle mit Wasser verdünnen oder im Fermenter vergären. Das mindert die Schleimstoffe.
  • Gülle bei Tau oder leichtem Regen ausbringen.
  • Gülle bodennah ausbringen, die streifenförmige Ausbringung bewirkt eine geringere Oberfläche.

Ausbringung bewachsener Bestand:

Gülle direkt zwischen die Pflanzen auf den Boden ablegen. Schleppschuhe haben durch das leichte Anritzen des Bodens und dem zur Seite Schieben der Pflanzen den besseren Effekt als Schleppschläuche.

Ausbringung auf unbewachsenen Flächen:

Neben der Ammoniakemission gibt es auch gasförmige Verluste in Form von Lachgas. Dies entsteht bei der Denitrifikation von Nitrat unter Luftabschluss, vor allem in wassergesättigten und verdichteten Böden. Hier ist auf Bodenstruktur und Feuchtegehalt der Flächen zu achten.

Technik-Test: Der Gülleselbstfahrer Terra Variant im Detail

Vorne wie hinten ist beim Terra Variant eine Hilfsachse, um beim Straßentransport die maximal zulässige Achslast nicht zu überschreiten. Sobald die Straßenfahrt per Taster aktiviert wurde, wird der Fahrer aufgefordert, die Achsen herunterzufahren. © Tammo Gläser/Agrartechnik
Positiver Nebeneffekt der Hilfsachse: Die Maschine schaukelt nicht mehr auf. Eingetragen ist der Terra Variant als vierachsige Maschine. Es bedarf keiner Sondergenehmigung. © Tammo Gläser/Agrartechnik
Den 21 Kubikmeter Tankaufbau fertigt Zunhammer exklusiv für den Terra Variant. Die Drehkolbenpumpe kommt von Vogelsang. Mit einer theoretischen Saugleistung von 9.000 Liter pro Minute ist der Tank in weniger als drei Minuten befüllt. © Tammo Gläser/Agrartechnik
Für ein Fahrzeug, das in dieser Stückzahl produziert wird, waren die Testredakteure der Agrartechnik von den durchdachten Bedienelementen und vor allem dem Terminal beeindruckt. © Tammo Gläser/Agrartechnik
Pro Kubikmeter ausgebrachter Gülle lag der Dieselverbrauch mit der Kurzscheibenegge im Durchschnitt bei 0,5 Liter. Im Agrartechnik-Test wurden 15 Kubikmeter pro Hektar ausgebracht. © Tammo Gläser/Agrartechnik
Der 5,70 Meter-Saugarm stammt von Zunhammer. Per Wippe am Joystick wird er automatisch nach vorne und wieder zurück gedreht. Die Überladeweite ist enorm. © Tammo Gläser/Agrartechnik
Für die Wartung lassen sich die Kabine und der Tank ankippen. Wartungsarbeiten werden in der Praxis oft von den Kunden selber vorgenommen. Holmer bietet einen 24/7 Kundendienst. © Tammo Gläser/Agrartechnik
Die Tiefenführung der ZuniDrill Acker erfolgt über Tasträder. Hier ist Werkzeug notwendig. Der Abstand der Schläuche liegt bei 37 Zentimeter. © Tammo Gläser/Agrartechnik
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