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Forsten

Holzmarkt am Boden: Furcht vor neuem Massenbefall mit Borkenkäfern

Borkenkäferschäden im Wald
am Mittwoch, 11.03.2020 - 11:05 (Jetzt kommentieren)

Der Wald ist von Dürre, Schädlingen und Stürmen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Dieses Jahr droht den geschwächten Forstbeständen eine erneute Käferplage, womöglich mit explosionsartigem Massenbefall.

2018 und 2019 drückten in ganz Mitteleuropa enorme Mengen an Schadholz auf den Markt. Der Holzmarkt liegt weitgehend am Boden. Sortimentsweise sind die Holzpreise stark gefallen, zum Teil um zwei Drittel, berichtet dpa. Das bedroht die Existenz unzähliger privater Forstbetriebe.

Nun ist auch noch der Holzexport nach China ist zusammengebrochen. Wegen des Coronavirus ist die Ausfuhr quasi lahmgelegt. Frachtschiffe werden in Fernost kaum noch entladen. In Europa gibt es oft nicht genug Container. Die Frachtkosten steigen. Für noch vorhandene Kapazitäten verdoppeln sich die Raten.

Neue Brutstätten nach Stürmen im Februar

Die Stürme im Februar haben vielerorts Bäume umgeknickt. Sie sind neue Brutstätten für Borkenkäfer. Die Schäden der vergangenen Jahre sind zudem noch nicht beseitigt. Die Wälder sind von den katastrophalen Dürren geschwächt. Das senkt die Widerstandskraft gegen Schädlinge. Befallene und umgestürzte Bäume sind deshalb schnell und aus den Forsten zu räumen.

Die Borkenkäfer blieben quicklebendig

Borkenkäfer befallen vor allem Fichten. Sie sind noch der wichtigste Wirtschaftsbaum in Deutschland. Dieses Frühjahr sind die Käferzahlen vielerorts bereits extrem hoch. Die Schädlinge überlebten den Winter quicklebendig unter der Rinde oder im Boden. In Nordrhein-Westfalen etwa finden sich stellenweise mehr als 1 Mio. Käfer/ha. Dabei reichen etwa 200, damit eine geschädigte Fichte stirbt.

Nach dem warmen Winter sind Waldbesitzer und Förster in ganz Deutschland alarmiert. Wenn nicht noch Kälte die massenhafte Ausbreitung der Schädlinge bremst, ist nach den vergangenen zwei Katastrophenjahren jetzt erneut ein Massenbefall zu befürchten.

Das sagen Betroffene

Forstbesitzer befürchten erneut eine Katastrophe, wenn auch 2020 ein trockener und regenarmer Sommer folgt, so die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände mit rund 2 Mio. privaten und kommunalen Eignern. Darum müssten die 2019 von Bund und Ländern versprochenen Hilfen von 800 Mio. Euro nun schnell an die Waldbesitzer fließen.

Das bayerische Agrarministerium rechnet derzeit mit einer Lage, die bei Borkenkäfern mit 2019 vergleichbar ist. Forstexperten erwarten 2020 Schäden, die sogar noch leicht über denen von 2019 liegen, sagt Andreas Wiebe vom nordrhein-westfälischen Landesbetrieb Wald und Holz.

Die Fachleute in den beiden größten Ländern sind mit ihrer Sorge nicht allein. Der warme Winter hat die Larven, Puppen und Eier der Käfer kaum geschädigt, sagt auch Horst Sproßmann von Thüringenforst. Demnach sei mit einer explosionsartigen Vermehrung im Frühjahr 2020 zu rechnen.

Mit Material von dpa, Hoefer

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