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Kartoffelanbau

Alternaria: Den Spritzstart nicht verpassen

Alternaria-Dürrfleckenkrankheit an Kartoffeln
am Mittwoch, 24.06.2020 - 06:02 (Jetzt kommentieren)

Alternaria greift an, wenn die Kartoffeln gestresst sind: Durch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Hitze. Achten Sie jetzt darauf.

Alternaria ist ein Schwächeparasit. Besonders in Stresssituationen, wie sie sich in den letzten Jahren häufen, tritt die Krankheit stärker auf: Dazu gehören Trockenheit, hohe Temperaturen und dadurch auftretender Nährstoffmangel.

Dennoch benötigt der Pilz eine feuchte Blattoberfläche für eine erfolgreiche Infektion. Stress plus Starkregen oder regelmäßiger Beregnung fördert daher Alternaria. Hier gilt es aufmerksam zu beobachten und bei Bedarf mit alternariawirksamen Fungiziden zu reagieren. Fortgeschrittene Resistenzen erfordern aber unbedingt einen Wirkstoffwechsel.

Resistenzen gegen Ortiva und Signum

Dr. Hendrik Hanekamp von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erklärt, wo die Resistenzen besonders brisant sind: „Schon vor rund zehn Jahren hat eine Mutation im Alternaria-Genom dazu geführt, dass Azoxystrobin im Ortiva seine Wirksamkeit verloren hat.“ Gleiches passiert seit 2011 mit dem Wirkstoff Boscalid in Signum.

Ein flächendeckender und gleichzeitig mehrmaliger Einsatz pro Jahr von Ortiva und Signum hat in den Folgejahren diese mutierten Isolate selektiert. Daraus sind Alternariapopulation in Deutschland entstanden, die sich – mit regionalen Unterschieden – zunehmend schlechter durch diese Mittel kontrollieren lassen. Das belegen seit Jahren Versuche in Niedersachsen.

Berater Hanekamp: „Diese beiden Mittel sollten demnach jeweils maximal einmal und im frühen Bereich der Alternariaspritzfolge eingesetzt werden.“ Das soll eine Anwendung von Ortiva und Signum in Situationen mit höherem Befall vermeiden, weil andernfalls die Selektion resistenter Isolate befeuert würde.

Wirkungsstarke Mittel für den Start einplanen

Für diese Befallsstärken sollten wirkungsstarke, wenig resistenzgefährdete Mittel vorgesehen sein. Am wirksamsten sind derzeit Revus Top (Mandipropamid + Difenoconazol), Narita (Difenoconazol) und Tanos + Electis.

Setzen Sie diese gut wirksamen Mittel beim Start der Alternariabekämpfung ein. Folgebehandlungen im Wechsel der genannten Mittel sollten 14-tägig erfolgen.

Sechs bis acht Wochen nach dem Auflaufen starten

Entscheidend für eine erfolgreiche Bekämpfung ist der richtige Zeitpunkt der ersten Alternaria-Spritzung. Nach langjährigen Erfahrungen liegt der optimale Termin sechs bis acht Wochen nach dem Auflaufen der Kartoffeln bzw. beim Sichtbarwerden der ersten Symptome.

Setzen Sie in anfälligen Sorten bei Beginn der Krautfäulebehandlung ein mancozebhaltiges Mittel wie etwa Ridomil Gold MZ mit Nebenwirkung auf Alternaria ein. Mancozeb ist als Kontaktwirkstoff nicht resistenzgefährdet und sollte in der gesamten Alternariastrategie eine Rolle spielen.

Das kann durch den wechselnden Einsatz von mancozebhaltigen Krautfäulemitteln wie Acrobat Plus, Curzate M, Areva, Valbon oder anderen bei geringerem Krautfäuledruck erfolgen.

Weiteren Stress vermeiden

Für eine erfolgreiche Alternariabehandlung sollten Sie weitere Stressfaktoren ausschalten. Dazu gehört eine ausreichende Nährstoff- und Wasserversorgung der Bestände. Auch der Zuflug saugender Insekten bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Kartoffeln. Kontrollieren Sie Ihre Bestände!

Sollte die Schadschwelle von 500 Blattläusen je 100 Fiederblätter erreicht sein, ist eine Behandlung notwendig. Auch der Befall mit Kartoffelzystennematoden gilt als Stress für Kartoffeln, besonders in nicht toleranten Sorten. Dazu wäre es hilfreich, die Anfälligkeit der Sorten detaillierter als heute zu kennen.

Sieben Tipps gegen Alternaria

  1. Bekämpfung in späten Stärke-, Industrie- und Speisekartoffeln sinnvoll.
  2. Erste Alternaria-Spritzung 6-8 Wochen nach Aufgang bzw. zu Befallsbeginn.
  3. Wirksamste Mittel: Revus Top, Narita, Tanos + Electis.
  4. Alternaria-Wirkung von Mancozeb gezielt in der Krautfäule-Spritzfolge nutzen.
  5. Letzte Maßnahme sollte 2 bis 3 Wochen vor Krautabtötung erfolgen.
  6. Stressfaktoren wie Blattläuse, Nährstoff- oder Wassermangel vermeiden.
  7. Resistenzen vermeiden durch Wirkstoffkombination und -wechsel!
Mit Material von Dr. Hendrik Hanekamp, LWK Niedersachsen

Wie ist der Krankheitsdruck mit Kraut- und Knollenfäule in Ihrem Kartoffelbestand?

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