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Insektizide

Drahtwurm in Kartoffeln: Das hilft wirklich

Drahtwurmschäden an Kartoffeln
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
23.11.2017

Der Drahtwurm sorgt in vielen Kartoffelregionen für massive Probleme. Echte Insektizide sind nicht mehr zugelassen. Jetzt wurde aber erneut eine Notfallzulassung erteilt.

Am wohlsten fühlt sich der Drahtwurm dort, wo es feucht ist und viel Wurzelwerk gibt. Ideale Lebensbedingungen findet die Larve des Schnellkäfers deshalb im Grünland. Dort richtet sie aufgrund der dichten Grasnarbe aber kaum Schäden an.

Nach Grünlandumbruch sieht das ganz anders aus: Getreide, Mais und vor allem Kartoffeln sind dann die neuen Nahrungsquellen.

In der Kartoffel lässt sich der Drahtwurm in Schach halten, so lange die Pflanze über ausreichend Kraut verfügt. Der Boden ist bedeckt und feucht, die Schäden noch nicht ertragsrelevant. Mit Absterben des Blattapparats zieht sich die Larve allerdings in die feuchten Knollen zurück und schädigt dort die Qualität der Tochterknollen.

Deshalb nimmt der Drahtwurmbefall zu

Mehrere Faktoren begünstigen seit einigen Jahren zunehmend die Ausbreitung des Drahtwurms – der Trend ist ungebrochen:

  • Permanente Bodenbedeckung: Der starke Zwischenfruchtanbau bietet einen ähnlich perfekten Lebensraum wie permanentes Grünland.
  • Minimalbodenbearbeitung: Der Lebensraum des Schädlings wird nicht mehr zerstört,
  • Wirkstoffe: Wegfall vorhandener Insektizide, wie etwa das Fipronil in Goldor Bait,
  • Neonicotinoide: Sind umstritten und auch nur zur Virusabwehr gegen Blattläuse zugelassen, aber nicht gegen den Drahtwurm. In Kartoffeln würden sie auch nicht wirken.
  • Alternativen: Methoden nach dem Prinzip „attract+kill“ (anlocken und abtöten) sind kaum wirksam.
  • Neue Arten: Das attract+kill-Verfahren ist bei einigen Agriotes-Arten unwirksam. Neu eingewanderte Arten haben zudem mit nur zwei Jahren einen doppelt so schnellen Vermehrungszyklus wie die heimischen.

Zulassungsbehörde unter Druck

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist als Zulassungsbehörde unter Zugzwang: Der Druck aus der Praxis ist groß, wirksame Mittel gegen Drahtwurm in Kartoffeln zu erhalten.

Echte insektizide Wirkstoffe sind aber nicht in Sicht, darum erteilt das BVL immer wieder Notfallgenehmigungen für biologische Präparate. Diese gelten für eine Saison.

Mittel wie Velifer (BASF) oder Attracap (Biocare) durften in den letzten Jahren für jeweils 120 Tage auf begrenzter Fläche eingesetzt werden. Für Attracap wurde diese Ausnahmegenehmigung jetzt wieder erteilt, und zwar von 15.2. bis 15.6.2018 auf insgesamt 7.000 ha. Auch Velifer wird wahrscheinlich im gleichen Zeitraum wieder verfügbar sein, erwarten Experten.

Hoher Preis, wenig Wirkung

Beide Präparate setzen CO2 frei, das die Larven zunächst anlockt. Ein enthaltener Pilz befällt dann den Schädling und lässt ihn absterben.

Die Wirkungsgrade liegen allerdings bei höchstens 20 Prozent, wie ein Berater der agrarheute-Redaktion berichtet. „Wunder sind hier nicht zu erwarten.“ Und das bei Kosten von rund 300 Euro/ha. „Trotz dünner Datengrundlage erteilt das BVL die Notfallzulassungen, um dem Vorwurf von Untätigkeit aus dem Weg zu gehen.“

Positive Ergebnisse der Uni Göttingen

Prof. Dr. Stefan Vidal von der Universität Göttingen forscht an diesen biologischen Präparaten auf Pilzbasis. Er hat mit Attracap in eigenen Exaktversuchen Wirkungsgrade im Mittel von 50 Prozent festgestellt, Landwirte würden von 60 Prozent und mehr Wirkung berichten.

Der Wissenschaftler kritisiert die Zulassungspraxis für biologische Produkte. Die lässt eine Mischung verschieden wirksamer Isolate eines Pilzes nicht zu. Damit werde die Wirkungsbreite beschränkt und der Pilz wirke nicht gegen alle Arten des Schnellkäfers gleich gut.

Wie sich Drahtwurm trotzdem bekämpfen lässt

Die verbleibenden Methoden gegen die Schnellkäfer-Larve stehen automatisch im Konflikt mit Zielen wie Biodiversität, Boden- und Klimaschutz:

  • Weniger Zwischenfrüchte: Grüne Brücken kappen, um den Lebensraum des Drahtwurms auszutrocknen und das Nahrungsangebot zu verknappen,
  • Stoppelsturz + Pflug: Mehrfache Stoppelbearbeitung zerstört die frischen Eigelege des Drahtwurm aus dem Frühsommer,
  • Strohabfuhr: Der Oberboden trocknet schneller ab.

In Befallsregionen sind diese Methoden aber oft die einzigen Möglichkeiten, den Drahtwurm zu bekämpfen. Die wirksamste davon ist die Stoppelbearbeitung.

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