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Kartoffeln

Kartoffelbauern leiden unter Wettbewerbsnachteilen

© agrar-press
von , am
24.07.2012

Die Anbaufläche von Stärkekartoffeln in Deutschland ist in den letzten 5 Jahren um ein Viertel gesunken. Der Bundesverband der Stärkekartoffelerzeuger macht Politikversagen dafür verantwortlich.

Abladen Kartoffeln am Feldrand
Die Hektarerträge für Kartoffeln sollen 2017 um die 454 dt betragen. Das wären gut 2 Prozent mehr als 2016. © Mühlhausen/landpixel
Der Bundesverband der Stärkekartoffelerzeuger (BVS) befürchtet ein Wegbrechen der Stärkekartoffelproduktion in Deutschland. Wie der Verband vergangene Woche mitteilte, ist die Anbaufläche in der Zeit von 2007 bis 2012 um mehr als 25 Prozent auf nur noch 64 700 Hektar geschrumpft. "Viele Landwirte haben die Fläche weiter zurückgefahren oder mittlerweile ganz mit dem Anbau von Stärkekartoffeln aufgehört, weil sich der Anbau nicht mehr lohnt", kommentierte der BVS-Vorsitzende Werner Hilse die Entwicklung.
 
Ursache sei der am 1. Juli 2012 eingeläutete Übergang in den freien Markt und die neuen agrarpolitischen Rahmenbedingungen. "Viele Landwirte fühlen sich gerade in der wichtigen Umbruchphase von der Politik regelrecht im Stich gelassen."

Die Schere geht auseinander

Die Anfang Juli ausgelaufene Stärkemarktordnung mit ihren festen Mechanismen habe genügend Sicherheit und gleiche Rahmenbedingungen innerhalb der Gemeinschaft geboten. Mit der nun anstehenden Entkopplung und damit verbundenen Neuverteilung der Stärke- prämien, die EU-weit sehr unterschiedlich geregelt sei, gehe die Schere jedoch weit auseinander, erläuterte der BVS-Vorsitzende. So müssten deutsche Stärkekartoffelproduzenten ab dem Anbaujahr 2013 zwei Drittel des Prämienvolumens von 800 Euro/ha an andere Agrarsektoren abgeben, kritisierte Hilse. In den meisten anderen EU-Ländern bleibe hingegen die gesamte Summe dem Stärkesektor erhalten und fließe als so genannter Top up direkt den bishe- rigen Stärkekartoffelerzeugern zu.

BVS sieht Handlungsbedarf

Handlungsbedarf sieht der BVS auch hinsichtlich der bisherigen Reformvorschläge zur zukünftigen Ausgestaltung der GAP nach 2013. Der Verband betonte, dass in Zeiten freier Märkte auch für den Kartoffelsektor ein unterstes Sicherheitsnetz bestehen müsse und for- derte eine Beihilfe für die private Lagerhaltung von Kartoffelstärke, wie sie für andere Sektoren auch üblich sei.
 
Zudem müsse im Falle von Marktkrisen ein effizientes und schnelles Eingreifen möglich sein. Deshalb sollten Maßnahmen gegen Marktstörungen oder bei Vertrauensverlust der Verbraucher wie bei Lebensmittelskandalen auch für Kartoffeln und Kartoffelprodukte anwendbar sein. In den vorliegenden Verordnungsentwürfen sei der Kartoffelsektor davon bisher ausgeschlossen, bemängelte der BVS.
 
Nicht einverstanden ist der Bundesverband zudem mit der möglichen Wiedereinführung gekoppelter Zahlungen für Stärkekartoffeln, den Kommissionsvorschlägen zum Greening sowie der Deckelung der Direktzahlungen. 
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