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Pflanzenschutz

Kartoffeln: Zur Abreife die Knollen schützen

AF_Kartofeflernte-Diskussion
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Karl Bockholt, agrarheute
am
19.07.2018

In Kartoffeln sind Keimhemmung und Krautabtötung jetzt zu planen. Wenn nach langer Dürre Gewitter kamen, bildet sich schnell Zwie- und Kettenwuchs an den Knollen. Gefährdete Bestände sind oft zu kontrollieren.

Der Krautfäule-Infektionsdruck ist nach wie vor niedrig. Ist das Krautwachstum abgeschlossen, sollten bei noch nötigen Folgebehandlungen nur noch Kontaktfungizide verwendet werden.

Mit Beginn der Abreife steht der Schutz der Knollen vor Braunfäule im Vordergrund. Um die gebildeten Tochterknollen im Boden vor Krautfäule zu schützen, ist rund 8 bis 10 Tage vor der Krautbeseitigung die Abschlussspritzung mit einem sporenabtötenden Mittel nötig, etwa Ranman, Shirlan, Winby oder Terminis und andere.

Kraut schlagen oder spritzen

Krautabtötungsmittel sind nicht in welken Beständen einzusetzen. Bei extremer Bodentrockenheit, hohen Temperaturen und hoher Sonneneinstrahlung können sie schwere Schäden verursachen, etwa Gefäßbündelverbräunungen in den Knollen und Nabelendnekrosen.

Frühestens mit beginnender Abreife der Kartoffel darf die Krautabtötung beginnen. Grundsätzlich reguliert sie die Knollengröße und ist wichtig für den Erntetermin. Dazu empfiehlt sich in dichten und kräftigen Beständen eine Strategie mit reduzierten Mittelmengen von Reglone von 1,5 bis 2,5 l/ha und mechanischem Krautschlagen. Das entfernt die Blätter, um 5 bis 7 Tage danach etwa mit Shark oder Quickdown plus Toil die Stängel abzutöten.

Wiederaustrieb ist etwa durch eine Nachbehandlung mit Quickdown + Toil zu verhindern. Um eine ausreichende Schalenfestigkeit zu erhalten, darf frühestens 2 bis 3 Wochen nach der Krautabtötung geerntet werden.

Neu zugelassen in dieser Indikation ist Beloukha mit dem Wirkstoff Pelargonsäure. Die Aufwandmenge beträgt nach vorherigem Krautschlagen 16 l/ha. Der Einsatz ist im Abstand von 5 bis 7 Tagen maximal 2 Mal möglich.

Eine starke Laubbildung kann Probleme bei der Krautabtötung bereiten. Deshalb ist das Schlegeln mit anschließender chemischer Behandlung oder Splittinganwendung von Vorteil.

Drei Mittel zur Krautabtötung

Zugelassen sind drei Mittel für die chemische Krautabtötung. Je nach Präparat sind hohe Wassermengen von 300 bis 800 l/ha nötig. Nutzen Sie den Tau am frühen Morgen.

1. Reglone: Das Kontaktherbizid sollte nicht bei hohen Temperaturen auf welkenden Bestände eingesetzt werden. Nötig sind hohe Wasseraufwandmengen von 600 bis 800 l/ha. Um den Wiederaustrieb zu verhindern, ist ein Splitting mit zwei Mal 2,5 l/ha geeignet - im Abstand von 3 bis 5 Tagen. Das ist aber nur in Pflanzkartoffeln zugelassen.

2. Shark: Das Präparat benötigt rund fünf Stunden Licht, um zu wirken. Nötig sind 300 bis 600 l/ha Wasseraufwand. Das Mittel ist für die Zweitbehandlung der Stängel geeignet. Die Wirkung auf die Blätter reicht in der Regel nicht. Vorher sind die Blätter durch Schlegeln zu entfernen. Die Kartoffeln sollten mindestens 20 cm Stängellänge haben, damit sie ausreichend benetzt werden. Das Mittel darf mindestens 14 Tage vor der Ernte angewendet werden.

3. Quickdown + Toil: Das Präparat hat ähnliche Eigenschaften wie Shark. Eingesetzt wird es grundsätzlich nur mit dem Additiv Toil. Das Mittel sollte erst nach einem vorherigen Einsatz von Reglone bei Öffnung des Blätterdaches oder nach einem Krautschlagen eingesetzt werden.

Keime hemmen ...im Bestand

Zur Keimhemmung von Speisekartoffeln lässt sich der Wirkstoff Maleinsäurehydrazid in den Wachstumsreglern Itcan, Fazor oder Himalaya einsetzen. Sie sind rund 2 bis 4 Wochen vor der Krautabtötung mit 5 kg/ha und 300 bis 600 l/ha Wasseraufwand (nicht in Tankmischung) auszubringen. Damit der Wirkstoff aufgenommen werden kann, muss noch genügend grünes Kraut vorhanden sein.

Ein Ausbringen bei Hitze über 25 °C ist zu vermeiden und gegebenenfalls in die frühen Morgen- oder Abendstunden zu verlegen. Da der Wirkstoff eine weitere Zellteilung verhindert, dürfen sich die Bestände noch nicht in der Abreife befinden. Auf eine Mindestgröße der Knollen zum Ausbringtermin von 25 bis 30 mm bei kleinfallenden Sorten und 35 bis 40 mm bei großfallenden Sorten ist zu achten.

Wichtig: Der Einsatz von Maleinsäurehydrazid führt zu nachweisbaren Rückständen im Erntegut. Deshalb muss diese Indikation mit der abnehmenden Hand abgesprochen werden.

...und im Lager

Neu zugelassen als Keimhemmungsmittel ist 1,4-Sight mit dem Wirkstoff 1,4 Dimethylnaphtalin von Belchim. Der Wirkstoff kommt in der Kartoffel natürlich vor. Wird der Gehalt in der Knolle nach dem Einsatz erhöht, sorgt das für eine verlängerte Keimruhe. Der Abbau des Wirkstoffs beginnt nach etwa 7 Tagen.

Angewendet kann das Mittel im Heiß- oder Kaltnebelverfahren. Der erste Einsatz ist möglich 1 bis 7 Tage, nachdem die Knollen im Lager weitestgehend trocken sind. Um die Keimruhe aufrecht zu erhalten, ist eine Wiederholung nach rund vier Wochen zu empfehlen, wenn die Knollen das Stadium zwischen „aufgehellte Keimaugen“ und „weißem Keimpunkt“ erreichen. Das hängt von Sorte, Lagerqualität und Lagersystem ab. Die Aufwandmenge beträgt 20 ml/t bei maximal sechsmaliger Anwendung.

Mit Material von LfULG, ISIP, RP Stuttgart

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