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Kartoffeln

Kartoffeln: Praxistipps zum Stärkegehalt

© agrar-press
von , am
30.05.2013

Der Stärkegehalt von Kartoffeln lässt sich aktiv beeinflussen. Düngung, aber auch Bodenbearbeitung, Beregung, Pflanzenschutz, Ernte und Lagerung wirken sich auf den Stärkegehalt aus.

© Mühlhausen/landpixel
Nach dem langen Winter und Nachtfrösten bis in den April trockneten die Böden drei bis vier Wochen später ab als in den letzten Jahren. Der Pflanztermin von Mitte bis Ende April war mit Ausnahme der Frühkartoffeln dennoch normal. Bei nasskalten Bedingungen mit Bodentemperaturen unter fünf Grad Celsius ist die Keimung und Treibkraft selbst bei bestem Pflanzgut stark eingeschränkt und die Anfälligkeit gegen Krankheiten nimmt deutlich zu. Entscheidend sind jetzt die folgenden Witterungsbedingungen. Bekannt ist, dass sonnenscheinreiche und trockene Jahre zu relativ niedrigen Erträgen mit hohen Stärkegehalten führen, während eine feuchte Witterung den Ertrag begünstigt und sich in niedrigen Stärkegehalten auswirkt.

Praxistipps: So können sie den Sträkegehalt beeinflussen

Mögliche Wirkungen auf den Stärkegehalt.
  • Düngung: Überhöhte Düngung reduziert den Stärkegehalt deutlich. Besonders entscheidend ist die Kalidüngung. Erhöhte K-Chlorid-Gaben reduzieren die Stärkewerte in der Kartoffel und verbessern den Ertrag. Ausreichende Kalium-Gaben vermindern die Schwarzfleckigkeit und stabilisieren das Zellgewebe der Knollen gegen Beschädigungen bei der Ernte und Lagerung. Stickstoff wirkt weitgehend indifferent und senkt erst bei hohen Gaben das Stärkeniveau.

  • Bodenbearbeitung: In den erwähnten Versuchen haben pfluglose Verfahren den Kartoffelertrag leicht positiv beeinflusst. Der Stärkegehalt nahm leicht zu. Insbesondere bei Speisekartoffeln mit niedrigem Stärkegehalt (Kochtyp A) oder Stärkekartoffen kann allein durch die Bodenbearbeitung die Stärkebildung begünstigt werden. Das eingearbeitete Stroh schafft im Frühjahr einen lockereren Boden für eine optimale Dammbildung, es fördert die Erwärmung und die Abtrocknung der Dämme. Besonders in trockenen Jahren können nahezu die gesamten Niederschläge gespeichert werden.

  • Beregung: ist bei der Kartoffel eine wesentliche ertrags- und qualitätsbestimmende Maßnahme. Besonders auf leichten Standorten und in Regionen mit hoher Sommertrockenheit lassen sich hohe Mehrerträge sichern und die Stärkegehalte anheben. Wasser vor der Krautabtötung kann jedoch, insbesondere bei Trockenheit, die Stärkebildung kurzzeitig senken. Entscheidend ist eine kontinuierliche Wasserversorgung von 50 bis 70 % nFK (nutzbarer Feldkapazität) und ein frühzeitiger Beginn ab Knospenausbildung bei Frühkartoffeln bzw. zwischen Knollenansatz und Vollblüte bei späteren Reifegruppen. Zu achten ist auf eine volle Durchfeuchtung der Dämme, ohne dass die Dämme verschlämmen oder abrutschen. Tropfbewässerung hat sich trotz einer hohen Investition auf Grund eines relativ geringen Wasser- und Energieverbrauch bewährt.

  • Pflanzenschutz: Eine rechtzeitige, mehrmalige Kraut- und Knollenfäulebekämpfung verbessert nicht nur das Ertragsniveau, sondern lässt auch die Stärkewerte deutlich ansteigen. Besonders in feuchten Jahren muss die Bekämpfung sehr früh, d.h. bei der ersten Blatt- und Stängelausbildung, und in kurzen 7- bis 10-tägigen Abständen erfolgen. Notwendig für die Beurteilung von Spritzbeginn und Befallsverlauf sind eigene Befallskontrollen auf jedem Schlag und die Nutzung der computergestützten Prognosemodelle Simphyt I und Simphyt III. Auch weitere Prognose-Modelle aus dem Internet, wie www.Krautfäule.de oder www.Phytophthora.de, bieten Hilfeleistung. Bewährt hat sich eine veränderte Bekämpfungsstrategie, in der nicht mehr mit preiswerten Kontaktfungiziden, sondern mit lokalsystemischen oder systemisch wirkenden Fungiziden begonnen wird.

  • Kartoffelkäfer und Blattläuse im Anmarsch (23.05.2013) ...

  • Ernte und Lagerung: Knollenschonende Ernte und verlustarme Lagerung sind sehr wichtig. Beschädigungen haben durch den Austrocknungseffekt immer auch Gewebeschäden und eine Verminderung der Stärke zur Folge. Generell ist, besonders auch aus Sicht der Schwarzfleckigkeit, von der Rodung über die Ein- und Auslagerung bis zum Endverbraucher auf weitgehende Beschädigungsfreiheit zu achten. Nach der Ernte überwiegt bei Temperaturen unter 6 bis 8 °C der Prozess des Stärkeabbaues. Bei Lagerung unter 4 °C werden dagegen mehr Saccharose, Glukose und Fruktose gebildet und die Stärke erhalten. Bei höheren Lagertemperaturen um 15 bis 20 °C ist eine gewisse Resynthese von Zucker in Stärke wieder möglich. Alternde Knollen häufen bei höheren Temperaturen generell Zucker an und veratmen Stärke.
 
Dr. Rudolf Haberland

Tipps zur Bekämpfung von Alternaria

Alternaria-Dürrfleckenkrankheit verursacht Ertragsverluste und mindert den Stärkegehalt. © Syngenta

Auch der Befall von Alternaria-Dürrfleckenkrankheit wirkt sich auf den Stärkegehalt der Kartoffel aus. Hier wird eine zeitige Bekämpfung empfohlen.


Stärke ist das vorherrschende Speicherkohlenhydrat in der Kartoffelknolle. Sie entsteht als Photosyntheseprodukt aus Traubenzucker unter Wasserabspaltung. In der Trockensubstanz sind durchschnittlich 75 bis 78 Prozent Stärke eingelagert. Dabei korreliert die Trockensubstanz sehr eng mit dem Stärkegehalt, so dass allgemein mit hohen Trockensubstanzen auch hohe Stärkegehalte einhergehen. In der Frischmasse der Speisekartoffeln gelten mittlere Stärkegehalte von 12 bis 17 Prozent als optimal.
 
Was beeinflusst den Stärkegehalt von Kartoffeln?
 
{BILD:571749:png}In Abhängigkeit von Sorte, Witterung und Reife unterliegt der Stärkegehalt sehr starken Schwankungen. Er ist vom Landwirt begrenzt durch eine gezielte Anbaustrategie beeinflussbar. Es kann sowohl eine Steigerung als auch eine Verminderung des Stärkegehaltes angestrebt werden. Für Speisekartoffeln ist es wichtig, dass der Stärkegehalt im Bereich der Kocheigenschaften bleibt. Genaue Informationen zur Höhe der Stärkeeinlagerung sind nur durch eine mehrmalige Proberodung möglich. Bei gleichmäßiger Krautentwicklung und grünen Beständen reicht je Schlag und Sorte eine Beprobung von 3 mal einem  Quadratmeter. Bei ungleicher Abreife und abgestorbenen Beständen ist sie zu erweitern. Gleichzeitig bietet sich die Ermittlung der Marktware und weiterer Qualitätsparameter an (Anteil grüne Knollen, Eisenfleckigkeit, Schorf, Silberschorf, etc.). Letztlich kann nur eine Krautbeseitigung und zügige, vorgezogene Ernte die Stärkebildung unterbinden.
Stärkegehalt in den Sorten ist genetisch fixiert
 
Der Jahreseffekt der Witterung auf die Ertrags- und Stärkebildung ist sehr groß. Geringe Bodenwassergehalte während der Entwicklung des Krautapparates und fehlende Niederschläge während der Knollenausbildung wirken ertragsbegrenzend und stärkefördernd. Der Stärkegehalt in den Sorten ist eine genetisch fixierte Eigenschaft. So sind in der Regel frühreife, aber auch festkochende Sorten durch einen niedrigeren Stärkegehalt gekennzeichnet als später abreifende und mehligkochende Sorten.
Generell nimmt bei allen Sorten mit der physiologischen Reife der Stärkegehalt zu und variiert zwischen den Sorten sehr stark. Zu geringe oder zu hohe Stärkegehalte verschlechtern Kocheigenschaften, wie Glasigkeit oder die Festigkeit bzw. Zerfall nach dem Kochen und den Geschmack. Bei stärkereicheren Kartoffeln ist das Verhältnis von Wasser zu Stärke ungünstig. Werden die Kartoffeln erhitzt, quellen die Stärkekörner intensiver und zerstören sehr schnell den Zellverband. Die dann als mehlig bezeichneten Kartoffeln zerfallen auf dem Teller. Für die Stärke- und Veredlungsindustrie werden jedoch weiterhin hohe und mittlere Stärkegehalte benötigt.
Tipps zur Bekämpfung von Alternaria-Dürrfleckenkrankheit
 
Mit trockenen, warmen Bedingungen nimmt die Alternaria-Dürrfleckenkrankheit immer mehr zu. Neben Ertragsverlusten kann sie auch den Stärkegehalt reduzieren. Wichtig ist eine zeitige Bekämpfung vor dem eigentlichen Epidemiebeginn. Die beste vorbeugende Wirkung haben die strobilurinhaltigen Fungizide Ortiva (0,5 l/ha) und Signum (0,25 kg/ha) als Zumischungspartner oder auch das Revus-Ortiva-Pack. Bis auf wenige Ausnahmen haben aber auch alle Fungizide zur Kraut- und Knollenfäulebekämpfung eine Wirkung gegen Alternaria. Mancozeb-Kombinationen und der Wirkstoff Famoxadone in Tanos wirken dabei am besten. Für eine sichere integrierte Bekämpfung beider Schaderreger bietet sich das neu in diesem Frühjahr zugelassene Revus Top an. Ab BBCH 40 sind jährlich drei Anwendungen mit 0,6 l/ha möglich.
 
Kombination von Fungizid un Krautabtöung vor der Rodung
 
Zwei bis drei Wochen vor der Rodung empfiehlt sich eine Kombination eines Fungizids mit sporenabtötender Wirkung mit der chemischen Krautabtötung. Eine vorhergehende mechanische Krautbeseitigung dient der Ernteerleichterung und verbessert bei Bedarf die chemische Sikkation. Eine rechtzeitige Krautabtötung unterbindet je nach Wirkungsgeschwindigkeit des Mittels die weitere Stärkeeinlagerung. Sind die Stärkehalte hoch, sollte die schnelle Wirkung von Basta, Quickdown + Toil oder Shark genutzt werden. Ansonsten kann auch mit Reglone gearbeitet werden. Dessen verzögerte Wirkung verringert die Stärke langsamer.
 
Dr. Rudolf Haberland
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