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Kartoffelernte

Krautabtötung: Die Alternativen im Vergleich

Kartoffel nach Krautabtötung
am Mittwoch, 05.08.2020 - 13:35 (Jetzt kommentieren)

Nach dem Wegfall von Reglone sind viele Kartoffelbauern ratlos. Diese Möglichkeiten gibt es jetzt noch.

Kraut abtöten ist heute ein unverzichtbarer Teil des Kartoffelbaus: Es steuert die Abreife und Stärkegehalt, erleichtert die Ernte und führt zu einer höheren Schalenfestigkeit. Auch gegen das Wiederaustreiben ist es ein wichtiges Mittel, um Schädlinge, z.B. Viren, zu unterdrücken.

Drei Mittel für die chemische Sikkation

Mit dem Deiquat-haltigen Reglone ist im vergangenen Jahr das wirksamste und am meisten eingesetzte Herbizid zum Kraut abtöten weggefallen. Daher gibt es für die chemische Krautminderung nur noch die beiden Kontaktmittel Shark und Quickdown + Toil sowie die Pelargonsäure Beloukha. Alle drei Sikkative wirken langsamer und weniger umfassend als Reglone.

Berater des Pflanzenschutzdienstes NRW kommen bei einer Betrachtung der drei Mittel zu dem Schluss: „Beloukha ist aufgrund des hohen Preises keine Alternative.“

Strategien für die Krautabtötung

Setzen Sie Quickdown + Toil und Shark zur Krautminderung ein, müssen Sie die Wartezeiten beachten. Shark dürfen Sie nur 1x pro Jahr einsetzen und das frühestens 14 Tage vor der Ernte. Bei Quickdown gibt es etwas mehr Spielraum: Es darf bis zu 2x eingesetzt werden, ab dem Vergilben des Laubs. Allerdings dürfen Sie auch hier erst nach mindestens 14 Tagen mit der Kartoffelernte beginnen. In Pflanzkartoffeln ist eine zweimalige Behandlung mit Quickdown + Toil nicht zulässig.

Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt in ihrem Ratgeber, entweder

  • 2 Maßnahmen Quickdown + Toil im Abstand von 4 bis 7 Tagen
  • 1 Maßnahme Quickdown + Toil und für die 2. Maßnahme Shark

Die zweite Gabe sollte jeweils 14 Tage vor der Ernte stattfinden.

Effektive Kombi mit dem Krautschläger

Noch besser wirken die chemischen Sikkative, wenn das Blätterdach zuvor mechanisch mit dem Krautschläger geöffnet wurde; insbesondere, wenn der Bestand noch grün und vital ist. Diese Möglichkeit schnitt in Versuchen gut ab.

Zwischen dem Krautschlagen und der chemischen Nachlage sollten Sie 1 bis 2 Tage Abstand lassen, je nach Zulassung des Mittels. Hierzu sollten die Stängel nach dem Schlegeln noch etwa 15 bis 20 cm lang sein.

Krautschlagen und Abflämmen: Das können sie.

Krautschlagen allein reicht meist jedoch nicht; das Risiko des erneuten Auskeimens ist hoch. Je früher das Krautschlagen, desto öfter keimten die Kartoffeln wieder aus. Ein weiterer Nachteil des Schlegelns: Häufig kommt es zu grünen Knollen und der Verbreitung von Bakterien im Bestand.

Beim Abflämmen zeigten sich in Versuchen des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ)  ähnliche Probleme wie beim Krautschlagen. Hohe Kosten und ein Brandrisiko in trockenen Jahren kommen dazu. Ökologisch wirtschaftende Betriebe kommen um die mechanischen Verfahren trotzdem nicht herum. In den Versuchen zeigte sich, dass beide mechanischen Verfahren der zwei- bis viermaligen Wiederholung bedürfen.

Fazit: Das perfekte Verfahren gibt es bislang nicht. In den Versuchen haben Kombinationen von mechanischem Krautschlagen und chemischen Sikkativen am besten abgeschnitten.

Mit Material von LTZ Augustenberg, LWK NRW

Alternative Krautminderungsverfahren bei Kartoffeln - die Ergebnisse

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