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Kartoffelanbau

Krautfäule und Alternaria: So gelingt der Spritzstart

Fungizidbehandlung in Kartoffeln gegen Kraufäule
am Freitag, 24.04.2020 - 10:53 (Jetzt kommentieren)

Prognosemodelle sind ein gutes Hilfsmittel für den Spritzstart. Wichtig ist aber die eigene Kontrolle der Kartoffelschläge.

Wenn die vergangenen beiden Jahre einen Vorteil brachten, dann deutliche Einsparungen im Pflanzenschutz. Das zeigte sich auch bei der Krautfäule. Eine Bekämpfung war in der Regel ohne großen Aufwand möglich – falls sie überhaupt nötig war.

Eins ist aber auch klar: Aus den beiden Dürrejahre eine Verallgemeinerung zu schließen, wäre fahrlässig. Die Kraut- und Knollenfäule, hervorgerufen durch den Pilz Phytophthora infestans, bleibt bei feuchtwarmer Witterung nach wie vor die ertragsrelevanteste Krankheit.

Daneben kann auch Alternaria regional in größerem Ausmaß auftreten, vor allem in spätreifen Sorten. Bei einigen Alternariafungiziden schreiten die Wirksamkeitsverluste immer weiter voran. Daher ist es wichtig, die Mittel gezielt auszuwählen und abzuwechseln.

Schon die Ursachen im Keim ersticken

Integrierter Pflanzenschutz bedeutet im Kartoffelanbau, bereits mögliche Quellen für eine Erstinfektion zu finden und zu vermeiden. Dazu gehören:

  • Kartoffelaufwuchs an Lager- oder Abfallstätten am Feldrand konsequent vermeiden,
  • Durchwuchs- und Unkrautkartoffeln in anderen Kulturen ohne Ausnahme bekämpfen,
  • Pflanzgutqualität beachten – vor allem bei eigenem Nachbau.

Empfehlungen zum Spritzstart

Die Fungizide zum Spritzstart sollen möglichen Stängelbefall vorbeugen, der von infizierten Knollen ausgehen kann.

Dafür eignen sich systemische Mittel wie Ridomil Gold MZ, Infinito oder Proxanil Extra. Auch das systemische Mittel Zorvec Enicade NZEB lässt sich zum Spritzstart einsetzen. Es sollte aber aus Resistenzschutz niemals bei Befall zum Einsatz kommen!

Verwenden Sie Ridomil Gold MZ und Fantic M zur Resistenzvermeidung höchstens einmal zum Spritzstart und niemals mit reduzierter Aufwandmenge. Ist der Infektionsdruck schon zum Spritzstart mittel bis hoch, empfiehlt sich ein Mix aus systemischem Fungizid plus fluazinamhaltigem Kontaktmittel mit sporenabtötender Wirkung.

Kontaktmittel optimal verteilen

Im Vergleich zu anderen Wirkstoffklassen erfassen die Kontaktfungizide den Krautfäuleerreger nur außerhalb der Pflanze auf vorhandenem Blattmaterial. Achtung: Neuzuwachs ist nicht geschützt! Aus diesem Grund ist die Verteilung und Benetzung beim Ausbringen der Kontaktfungizide sehr entscheidend.

Die beiden stärksten Kontaktwirkstoffe mit sporenabtötender Wirkung sind Fluazinam (Shirlan, Carneol, Winby, Terminus und andere) und Cyazofamid in Ranman Top. Beide Wirkstoffe lagern sich in der Wachsschicht ein und sind schnell regenfest.

Der Kontaktwirkstoff Mancozeb (Manzate, Vondac, Dithane Neotec und andere) tötet Sporen nicht ab und ist nicht regenfest. Mit seiner Nebenwirkung auf Alternaria und in Kombination mit Zoxamide (Electis) oder Amisulbrom (Shaktis) hat er in Phasen mit geringem Krautfäuledruck einen berechtigten Platz in der Spritzfolge.

Alternaria: Resistenzen beachten

Bei der Bekämpfung der Dürrfleckenkrankheit, hervorgerufen durch Alternaria solani, ist eine gezielte Mittelwahl noch wichtiger als bei der Krautfäule. Besonders in Stärke-, Industrie- oder Speisekartoffeln mit späten Reifegruppen kann Alternaria deutliche Ertragsausfälle verursachen.

In Jahren mit längeren Trockenperioden in der zweiten Hälfte des Wachstums kann sich der Erreger besonders stark in den Beständen etablieren und für eine vorzeitige Abreife sorgen.

Die ehemals hohe Wirksamkeit von Azoxystrobin (Ortiva) gegen Alternaria solani basierte auf einer sehr spezifischen Wirkungsweise. Vor rund zehn Jahren hat eine Mutation im Alternariagenom dazu geführt, dass Azoxystrobin deutlich an Wirksamkeit verloren hat.

Signum und Ortiva mit Bedacht einsetzen

Eine parallele Entwicklung ist seit 2011 für den Wirkstoff Boscalid (Signum) zu beobachten. Versuche in Niedersachsen belegen seit Jahren einen stark fortgeschrittenen Wirksamkeitsverlust für Ortiva und Signum.

Die derzeit wirksamsten Mittel sind Revus Top (Mandipropamid plus Difenoconazol), Narita (Difenoconazol) und Tanos plus Electis. Diese potenten Mittel empfehlen sich bei Befallsbeginn gegen Alternaria.

Mit Material von Hendrik Hanekamp, LWK Niedersachsen

Der vollständige Beitrag mit allen Mittelübersichten ist in der gedruckten agrarheute-Ausgabe 5/2020 erschienen.

Alternative Krautminderungsverfahren bei Kartoffeln - die Ergebnisse

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