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Neues Insektizid von Bayer: Wie Neonicotinoide oder nützlingsschonend?

AF_Blattlaus-Erbsen
am Freitag, 29.11.2019 - 08:17 (Jetzt kommentieren)

Das neue systemische Insektizid Sivanto gegen saugende Schädlinge kontrolliert Läuse als Überträger von Viren und Bakterien. Der Wirkstoff Flupyradifurone geht zurück auf den Auszug einer asiatischen Heilpflanze. Geprüft wird er auch gegen andere Schädlinge in Raps oder Rüben. Wie nützlingsschonend ist er?

Sivanto prime ist ein Insektizid gegen saugende Schadinsekten. Das Mittel habe ein gutes Sicherheitsprofil, sagt Bayer. Die Neuheit wirke schnell, sorge für raschen Fraßstopp und ermögliche so die Vektorenkontrolle. Dabei sei es verträglich für viele Nützlinge und Bestäubungsinsekten, etwa Honigbienen und Hummeln. Das zeige ein genomischer Ansatz.

Erlaubt ist der Wirkstoff bereits in den Niederlanden, Belgien, Österreich, Tschechien, Ungarn, Polen und Slowenien. Erwartet werde die Zulassung in der zentralen Zone auch bei uns, in der Slowakei und Rumänen. Die Zulassung ist ebenfalls erteilt in der südlichen Zone mit Griechenland, Bulgarien, Zypern, Italien und Spanien, bisher aber nicht in Kroatien und Portugal.

Neonicotinoide Wirkung oder nützlingsschonend?

Die Synthese des Insektizids ist zurückzuführen auf den Naturstoff Stemofolin, einem Inhaltsstoff der Heilpflanze Stemona japonica. Das Insektizid enthalte damit einen neuen „Butenolid Pharmacophor“, der an sogenannte nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren (nAChR) im zentralen Nervensystem von Schadinsekten wirke.

Der Stoff gehöre in die neue Wirkstoffklasse Butenolide, sagt Dr.Josef Terhardt von Bayer. Die Gruppe 4 der chemischen Klassen des Insektizid-Resistenz-Aktionskomitees (IRAC) besteht aus den inzwischen weitgehend verbotenen Neonicotinoiden (4 A), weiter den Nicotinen (4 B), Sulfoxaflor (4 C), Butenoliden (4 D) und Mesolonics (4E).

Laut Umweltorganisation Pesticide Action Network Europe (PAN) handelt es sich bei den Wirkstoffen ebenso wie beim umstrittenen Sulfoxaflor um Neonicotinoide. Demnach greifen beide am selben Ort an, beide seien systemisch, beide seien toxisch für Bienen. Mit der Art von Schlussfolgerung könne man aber auch behaupten, dass Hunde und Katzen zur Familie der Bären gehörten, weil beide Fleischfresser und Säugetiere seien und vier Beine hätten, sagt Terhardt. Dabei gebe es sehr wichtige, statistisch nachweisbare Unterschiede.

Nützlingsschonend für Bienen?

Das Insektizid wurde im Labor und im Freiland in Langzeitstudien getestet. Danach hat Sivanto „eine geringe intrinsische Toxizität auf die Honigbiene und dessen Brut“. In der beantragten Dosierung von 0,5 l/ha in Kartoffeln und 0,375 l/ha in Futtererbsen stelle es ein „geringes Risiko“ dar, so Bayer. Nach Spritzung zeigten sich in blühende Kulturen „keine adversen Effekte auf Honigbienen und Hummeln“.

Die Studien zeigen nach Angaben des Konzerns, dass das Mittel „bei der Anwendung nach Gebrauchsanleitung keine negativen Effekte auf Flugbienen, Nektaraufnahme, Brut, Kolonienentwicklung, Vitalität des Bienenvolks, Überwinterung und Gesundheit der Honigbiene“ hat.

Schneller Abbau genomisch bewiesen?

Die Effekte für Honigbienen hat Bayer mit einem sogenannten toxico-genomischen Ansatz untersucht. Der zeige wichtige molekulare Erkenntnisse. Flupyradifurone sei bedingt durch die „langsame Aufnahme“ praktisch „nicht giftig" nach Kontaktausbringung. Nur 20 Prozent des Wirkstoffs werde in 24 Stunden aufgenommen. Davon würden in der gleichen Zeit 50 Prozent wieder ausgeschieden. „Große Mengen“ der Aufnahme würden durch drei Enzyme abgebaut, die sich in wichtigen Geweben finden, sagt Bayer.

Sie würden in erwachsenen Bienen als auch im späten Larvenstadaium „hoch exprimiert“, also entleert beziehungsweise ausgeschieden. Und der Wirkstoff zeige im Vergleich zu Neonicotinoiden „eine geringe Affinität“ (oder Bindungsstärke) am nAChR der Honigbiene – obwohl gering, sei der Unterschied doch statistisch nachweisbar.

Das Insektizid wirkt außer gegen Blatt- und Schildläuse auch gegen Zikaden, Weiße Fliegen und andere Blattsauger und Schadkäfer in Obst und Gemüse, Hopfen, Soja und anderen Kulturen.

Mit Material von Bayer, IRAC, PAN,

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