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Kartoffelanbau

Schwarzbeinigkeit: Erste befallene Kartoffelbestände

Schwarzbeinigkeit an Kartoffeln
am Dienstag, 16.06.2020 - 10:30 (Jetzt kommentieren)

In ersten Kartoffelflächen tritt aktuell Schwarzbeinigkeit auf. Die Stängel faulen weg, stinken und infizieren weitere Pflanzen.

In ersten Kartoffelbeständen tritt Schwarzbeinigkeit auf, wie die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) berichtet. Zu erkennen ist die Nassfäule an oberirdisch welkenden Pflanzen; beim Herausziehen der betroffenen Stängel sind Verbräunungen zu erkennen. Sie sind breiig-weich und riechen nach Buttersäure.

Schwarzbeinigkeit wird verursacht durch verschiedene Bakterien der Gattungen Pectobacterium und Dickeya, früher als Erwinia eingeteilt.

Bei deren Übertragung spielt das Pflanzgut eine entscheidende Rolle. Unter Staunässe oder nach Starkregen kann sich der Erreger ausgehend von befallenen Mutterknollen auf Tochterknollen und andere Pflanzen ausbreiten.

Kupfer in die Krautfäulespritzungen integrieren

Die warmen Temperaturen der vergangenen Wochen haben die Schwarzbeinigkeit gefördert und durch die Niederschläge der letzten Tage können sich die Erreger im Bestand schnell weiterverbreiten.

Auf Problemflächen lassen sich kupferhaltige Mittel wie Funguran progress mit 1,5 bis 2,0 kg/ha zwei- bis dreimal in Folge in die Krautfäulestrategie integrieren.

Mit welchen Mitteln Sie Kupfer nicht mischen dürfen

Achten Sie dabei aber auf die Mischbarkeit! Die LWK NRW empfiehlt dazu: „Kupfermittel dürfen nicht mit Ammonium‐ oder nitrathaltigen Düngern wie z. B. AHL, Wuxal Top K, Wuxal Top N oder Yara Vita Kombiplus sowie mit hoch wasserlöslichen Phosphordüngern gemischt werden.“

Der Grund: Bei der Zugabe von bestimmten N‐Düngern wird eine höhere Konzentration an Kupferionen freigesetzt und es kann zu pflanzenschädigenden Phytotox-Reaktionen in den Blättern kommen.

Achtung auch bei hoch wasserlöslichen P‐haltigen Präparaten: Hier verbindet sich der Phosphor mit dem Kupfer und die Spritzbrühe kann ausflocken! Im Zweifelsfall vor dem Befüllen der Spritze eine Mischprobe im Eimer anrühren.

Mischung mit Fungiziden problemlos

Die Mischbarkeit mit allen gängigen Krautfäulefungiziden ist nicht beeinträchtigt. Auch können Bittersalz, Microtop, Bor, Mangan, Phosphik sowie Foliarel und Harnstoff problemlos mit Kupfer zusammen ausgebracht werden.

Beregnung steigert das Risiko

Breitet sich die Schwarzbeinigkeit weiter aus, sollten Sie Befallsnester mit Quickdown + Toil abtöten.

Beregnung ist vorsichtig einzusetzen, damit die befallenen Pflanzen nicht über die Beregnung weitere Pflanzen infizieren oder die infizierten Knollen nicht über das Bodenwasser weitere Knollen anstecken.

Gegen künftigen bakteriellen Befall mit Schwarzbeinigkeit helfen das Vermeiden von Bodenverdichtungen, eine schonende Ernte und Lagerung sowie die Hygiene bei den Maschinen und im Lager.

Mit was Schwarzbeinigkeit zu verwechseln ist

Sclerotinia-Weißstängeligkeit an Kartoffeln

Für eine sichere Diagnose ist ein genauer Blick auf die Stängel ist nötig, sagen die Berater der LWK NRW: „Welkende Pflanzen können auch ein Zeichen für einen Rhizoctoniabefall sein, dann sind die Verbräunungen am Stängel aber fest.“

Möglich ist auch ein Befall mit Sclerotinia. Dann sind weiße Symptome am Stängel und schwarze Sclerotien („Mäuseköttel“) im Stängel zu finden. Allerdings war es für Sclerotina bislang zu warm und zu trocken.

Gegen diese beiden Erreger gibt es keine Bekämpfungsmöglichkeiten im stehenden Bestand.

Mit Material von LWK NRW, ISIP, LfL
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