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Kartoffeln: Praxistipps zum Stärkegehalt

Tipps zur Bekämpfung von Alternaria

Externer Autor ,
am
30.05.2013

Auch der Befall von Alternaria-Dürrfleckenkrankheit wirkt sich auf den Stärkegehalt der Kartoffel aus. Hier wird eine zeitige Bekämpfung empfohlen.

Stärke ist das vorherrschende Speicherkohlenhydrat in der Kartoffelknolle. Sie entsteht als Photosyntheseprodukt aus Traubenzucker unter Wasserabspaltung. In der Trockensubstanz sind durchschnittlich 75 bis 78 Prozent Stärke eingelagert. Dabei korreliert die Trockensubstanz sehr eng mit dem Stärkegehalt, so dass allgemein mit hohen Trockensubstanzen auch hohe Stärkegehalte einhergehen. In der Frischmasse der Speisekartoffeln gelten mittlere Stärkegehalte von 12 bis 17 Prozent als optimal.
 
Was beeinflusst den Stärkegehalt von Kartoffeln?
 
{BILD:571749:png}In Abhängigkeit von Sorte, Witterung und Reife unterliegt der Stärkegehalt sehr starken Schwankungen. Er ist vom Landwirt begrenzt durch eine gezielte Anbaustrategie beeinflussbar. Es kann sowohl eine Steigerung als auch eine Verminderung des Stärkegehaltes angestrebt werden. Für Speisekartoffeln ist es wichtig, dass der Stärkegehalt im Bereich der Kocheigenschaften bleibt. Genaue Informationen zur Höhe der Stärkeeinlagerung sind nur durch eine mehrmalige Proberodung möglich. Bei gleichmäßiger Krautentwicklung und grünen Beständen reicht je Schlag und Sorte eine Beprobung von 3 mal einem  Quadratmeter. Bei ungleicher Abreife und abgestorbenen Beständen ist sie zu erweitern. Gleichzeitig bietet sich die Ermittlung der Marktware und weiterer Qualitätsparameter an (Anteil grüne Knollen, Eisenfleckigkeit, Schorf, Silberschorf, etc.). Letztlich kann nur eine Krautbeseitigung und zügige, vorgezogene Ernte die Stärkebildung unterbinden.
Stärkegehalt in den Sorten ist genetisch fixiert
 
Der Jahreseffekt der Witterung auf die Ertrags- und Stärkebildung ist sehr groß. Geringe Bodenwassergehalte während der Entwicklung des Krautapparates und fehlende Niederschläge während der Knollenausbildung wirken ertragsbegrenzend und stärkefördernd. Der Stärkegehalt in den Sorten ist eine genetisch fixierte Eigenschaft. So sind in der Regel frühreife, aber auch festkochende Sorten durch einen niedrigeren Stärkegehalt gekennzeichnet als später abreifende und mehligkochende Sorten.
Generell nimmt bei allen Sorten mit der physiologischen Reife der Stärkegehalt zu und variiert zwischen den Sorten sehr stark. Zu geringe oder zu hohe Stärkegehalte verschlechtern Kocheigenschaften, wie Glasigkeit oder die Festigkeit bzw. Zerfall nach dem Kochen und den Geschmack. Bei stärkereicheren Kartoffeln ist das Verhältnis von Wasser zu Stärke ungünstig. Werden die Kartoffeln erhitzt, quellen die Stärkekörner intensiver und zerstören sehr schnell den Zellverband. Die dann als mehlig bezeichneten Kartoffeln zerfallen auf dem Teller. Für die Stärke- und Veredlungsindustrie werden jedoch weiterhin hohe und mittlere Stärkegehalte benötigt.
Tipps zur Bekämpfung von Alternaria-Dürrfleckenkrankheit
 
Mit trockenen, warmen Bedingungen nimmt die Alternaria-Dürrfleckenkrankheit immer mehr zu. Neben Ertragsverlusten kann sie auch den Stärkegehalt reduzieren. Wichtig ist eine zeitige Bekämpfung vor dem eigentlichen Epidemiebeginn. Die beste vorbeugende Wirkung haben die strobilurinhaltigen Fungizide Ortiva (0,5 l/ha) und Signum (0,25 kg/ha) als Zumischungspartner oder auch das Revus-Ortiva-Pack. Bis auf wenige Ausnahmen haben aber auch alle Fungizide zur Kraut- und Knollenfäulebekämpfung eine Wirkung gegen Alternaria. Mancozeb-Kombinationen und der Wirkstoff Famoxadone in Tanos wirken dabei am besten. Für eine sichere integrierte Bekämpfung beider Schaderreger bietet sich das neu in diesem Frühjahr zugelassene Revus Top an. Ab BBCH 40 sind jährlich drei Anwendungen mit 0,6 l/ha möglich.
 
Kombination von Fungizid un Krautabtöung vor der Rodung
 
Zwei bis drei Wochen vor der Rodung empfiehlt sich eine Kombination eines Fungizids mit sporenabtötender Wirkung mit der chemischen Krautabtötung. Eine vorhergehende mechanische Krautbeseitigung dient der Ernteerleichterung und verbessert bei Bedarf die chemische Sikkation. Eine rechtzeitige Krautabtötung unterbindet je nach Wirkungsgeschwindigkeit des Mittels die weitere Stärkeeinlagerung. Sind die Stärkehalte hoch, sollte die schnelle Wirkung von Basta, Quickdown + Toil oder Shark genutzt werden. Ansonsten kann auch mit Reglone gearbeitet werden. Dessen verzögerte Wirkung verringert die Stärke langsamer.
 
Dr. Rudolf Haberland
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