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Kartoffeln

Tipps zur schonenden Kartoffelernte

von , am
10.09.2013

Angesichts der erwarteten kleinen Kartoffelernte und bereits steigender Erzeugerpreise kommt es nun auf eine schonende und beschädigungsfreie Ernte an.

Der DBV geht in diesem Jahr von einer unterdurchschnittlichen Kartoffelernte aus. © hapo/landpixel
Ein wichtiges Gesprächsthema unter Kartoffelbauern ist in diesem Jahr die verbreitet zu erwartende geringe Ernte. Die verspätete Pflanzung und das kühle und nasse Frühjahr, abgelöst durch einen heißen und trockenen Sommer, boten keine optimalen Entwicklungsbedingungen für die Knollen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) fürchtet in seiner vorläufigen Ernteschätzung, dass von den 238.000 Hektar Anbaufläche nicht einmal 10 Millionen (Mio.) Tonnen geerntet werden könnten. Im ebenfalls nicht optimalen Vorjahr lag die Erntemenge noch bei 10,6 Mio. Tonnen. Die Erzeugerpreise liegen deswegen auf einem hohen Niveau: zehn Euro je Dezitonne über dem Vorjahr.
 
Darum stieß auch beim diesjährigen Kartoffeltag des Versuchs- und Beratungsunternehmens agro nord das Thema schonende Ernte auf besonderes Interesse.

Sorgfalt von der Pflanzung bis ins Lager

Kontrolle der Rodequalität © Werkbild
Burkhard Kuhlmann vom Landtechnikhersteller Grimme gab in diesem Rahmen zu bedenken, dass die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Ernte die sorgfältige Arbeit von der Pflanzung bis ins Lager sei. Für den Ernteprozess - immer ein Kompromiss zwischen Leistung und schonender Arbeitsweise - rät er, alle verfügbaren technischen Hilfsmittel zur Fahrerentlastung zu nutzen, zum Beispiel den Sensor zur Dammmittenfindung.
 
{BILD:585012:jpg}Ganz wichtig, so Kuhlmann, sei die ständige Kontrolle der Rodequalität mittels Überprüfung und korrekter Einstellung von Rodetiefe und Maschinenausrichtung (siehe Abbildungen Rodequalität und Rodetiefe). Immerhin müssten, um zwei bis vier Kilogramm Kartoffeln pro Meter Damm zu ernten, 50 bis 100 kg Boden mit der Maschine aufgenommen und schonend abgetrennt werden. Der Rodetiefe komme hier eine doppelte Bedeutung zu: zum einen vermeidet eine tiefere Einstellung Knollenbeschädigungen, andererseits sorgt sie dafür, dass genügend Erde in die Maschine gelangt.

Schonende Übergabe der Kartoffel

Transportbänder © Werkbild
Die Erdschicht auf den Siebbändern schützt die Kartoffeln vor Beschädigungen. Je kleiner die Siebbandteilung ist, desto länger kann die Erde in der Maschine gehalten werden. "Muss es immer die 45er-Teilung sein?", mit dieser Frage empfahl Kuhlmann, auch über einen eventuellen Wechsel der Siebbänder während der Saison nachzudenken (Abbildung Transportbänder). Auch die Trenngeräte bergen Möglichkeiten zur Optimierung, hier rät Kulmann:
  • Die Geschwindigkeiten möglichst niedrig einstellen und erst mit zunehmendem Erntegutstrom erhöhen.
  • Das Erntegut soll in einem gleichmäßigen Fluss abgeführt werden, deshalb auch das Igelband mit möglichst langsamer Geschwindigkeit einstellen.
  • Den Abstand des vorderen Abstreiferbandes zum Igelband so einstellen, dass eine gleichmäßige Verteilung der Kartoffeln auf dem Verleseband entsteht.
  • Den Abstand des hinteren Abstreiferbandes zum Igelband so einstellen, dass eine kleine Anzahl von Kartoffeln auf die Beimengenbahn gefördert wird.
Ein ganz wichtiger technologischer Schritt ist die anschließende Knollenübergabe in den Bunker. Gerade bei niedrigen Temperaturen und anfälligen Sorten können schon niedrige Fallstufen zu Beschädigungen an der Knolle führen. Um unnötige Fallhöhen zu vermeiden, gibt es inzwischen verschiedene technische Lösungen:
  • Opto-Sensoren für einen gleichmäßig klein bleibenden Abstand zum Schüttkegel (Vorsatzbandautomatik),
  • Bunkerkopfabsenkung, eventuell kombiniert mit geöffneter Ladebordwand,
  • Fallsegel oder Prallkissen mildern den Aufprall der ersten Kartoffeln in einen leeren Transportbehälter.

Fallstufenorgel

Die Fallstufenorgel © Werkbild
Mit der so genannten "Fallstufenorgel" veranschaulichte Kuhlmann die vergleichbaren Belastungen einer Kartoffel beim Fall auf unterschiedliche Oberflächen: Sie sind beim Sturz auf einen Siebstab aus 5 cm Höhe genau so hoch wie auf Beton aus 10 cm, auf Holz aus 25 cm und auf andere Kartoffeln aus einem Meter Höhe (Abbildung Fallstufenorgel). 
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