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Sonderkulturen

Klima, Boden, Sorten: Anbau von Süßkartoffeln in Deutschland

Süßkartoffel-Ernte
am Mittwoch, 08.04.2020 - 08:15 (Jetzt kommentieren)

Süßkartoffeln sind immer häufiger auf den Tellern der Deutschen zu finden - sei es als Beilage zum Burger oder als Suppe. Der Anbau der Knolle in Deutschland nimmt zu, ebenso wie das Importvolumen.

Die Süßkartoffel erfreut sich zunehmender Beliebheit bei deutschen Verbrauchern. Hält der Trend auch in 2020 weiter an, so hat sich das Importvolumen in den vergangenen 5 Jahren verdoppelt (2016: 24.373 Tonnen; 2019: 40.238 Tonnen) und erreicht damit ein Rekordniveau. Bisher spielt der Anbau in Deutschland keine große Rolle, aber das könnte sich änder. Die Anbaufläche pro Betrieb ist aktuell noch gering. Mit neuen Sorten, der fortschreitenden Klimaerwärmung sowie den guten Vermarktungsmöglichkeiten wird der Anbau jedoch langsam attraktiv.

Für Kartoffeln produzierende Betriebe könnte der Anbau interessant sein, weil in diesen Betrieben geeignete Böden und Maschinentechnik vorhanden sind.

Diese Sorten sind geeignet

Bereits 2013 hat die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die Bayerischen Landesanstalt für Wein-/Gartenbau in Bamberg und das Gartenbauzentrum des Amtes für Landwirtschaft in  Landshut Freilandversuche mit verschiedenen Sorten auf eine Eignung für den hiesigen Anbau geprüft. Das Ergebnis:

  • Die Sorten 'Beauregard' und 'S8' fielen als besonders ertragsstarke Sorten auf.
  • 'Evangelina' bleibt aufgrund guter Erträge bei vergleichsweise leichter Beerntbarkeit erwähnenswert.
  • 'Murasaki' hat ein beachtliches Wurzel- und Blattwachstum entwickelt, dieses aber nicht in Knollenertrag umgesetzt.

Standortansprüche der Süßkartoffel

Süßkartoffeln bevorzugen einen leichten, sandig bis sandig-lehmigen Boden, der tiefgründig und gut drainiert sein sollte. Sie wachsen besonders gut im leicht sauren pH-Bereich. Schwere Böden mit der Gefahr von Staunässe sind zu meiden. Bewässerung sollte möglich sein, da der Wasserbedarf bei 300 bis 400 mm liegt.

Das Windengewächs kann eine intensive Fruchtfolge auflockern, sollte aber aus phytosanitärem Grund nur im Abstand von mindestens drei Jahren angebaut werden.

Pflanzung und Herkunft

Gepflanzt wird ab Ende Mai, wenn die Bodentemperaturen 10 °C nicht mehr unterschreiten und keine Nachtfröste mehr drohen. Abstände von 75 cm x 40 cm sind üblich, Dämme wegen der leichteren Ernte zu empfehlen.

Jungpflanzen werden als Speedy im Tray geliefert und maschinell gepflanzt. Risikoreicher sind unbewurzelte Stecklinge. Bis auf Beauregard sind alle Sorten geschützt und dürfen nicht selbst vermehrt werden. Jungpflanzen gibt es bei etlichen Vermehrern in Deutschland.

Düngung und Pflege

Der Bedarf an Stickstoff (N) liegt bei rund 75 kg/ha, der für Phosphat je nach Versorgungstufe bei 35 kg/ha und für Kali bei 200 kg/ ha. Hohe N-Gehalte im Boden können das Ausbilden der Speicherknollen hemmen. Bis zum Bestandsschluss sechs bis acht Wochen nach dem Pflanzen sind rund 150 bis 250 Stunden fürs Hacken einzuplanen. Ranken sollten nicht gekürzt werden. Herbizide sind nicht zugelassen. Mulchfolie senkt den Pflegeaufwand meist deutlich.

Schädlinge der Süßkartoffel

Bisher treten kaum Krankheiten und Schädlinge im deutschen Anbau auf. Größere Verluste können bei starkem Mäuse- und Drahtwurmbefall entstehen. Es sind nur wenige Insektizide und Fungizide verfügbar.

Vom Acker auf den Teller: Ernte und Vermarktung

Zu ernten ist per Hand oder mit dem Beetroder. Zuvor ist das Kraut abzuschlägeln. Die verletzliche Schale erfordert vorsichtiges Hantieren der Knollen. Zur Schalenfestigung und Wundheilung werden die Knollen nach der Ernte einer einwöchigen Curing-Phase unterzogen. Dabei werden sie zuerst bei über 27 °C und hoher Luftfeuchte eingelagert und anschließend bei 10 bis 15 °C langfristig weitergelagert.

Regionale Bioware ist äußerst gefragt. Sie erzielt Preise von 4 Euro/kg im Lebensmitteleinzelhandel bis über 7 Euro/kg in der Direktvermarktung.

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