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Kommentar

Kommentar: Boden muss die Familie ernähren

Zwischenfrucht säen in Direktsaat
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
24.10.2017

Mulch- und Direktsaat bringt viele Vorteile für den Boden. Eine aktuelle Studie verlangt aber mehr. Dazu ein ein Kommentar von agrarheute-Redakteur Klaus Strotmann.

Eine aktuelle Studie der Europäischen Vereinigung für konservierende Landwirtschaft (ECAF) stellt fest, dass flächendeckende Direktsaat pro Jahr europaweit 200 Mio. t CO2 im Boden binden könnte. Die Fakten zur Studie.

Ich meine: Das sind plakative Zahlen, aber was haben sie mit der Realität zu tun? Leider wenig.

Drei Gründe dazu.

1. Die Standortfrage

agrarheute-Redakteur Klaus Strotmann

Erstens ist die Einführung von Direktsaat auf sämtlichen EU-Flächen ein abwegiges Gedankenspiel. Viele Standorte, etwa Sandböden, eignen sich dafür überhaupt nicht.

Zudem hat Direktsaat zwar in den mediterranen Regionen, etwa in Italien und Spanien, ein ganz gutes Potenzial, um Kohlenstoff im Boden festzulegen. Hierzulande ist der Effekt aber bei Weitem nicht so stark.

2. Die Kosten

Zweitens: Wer soll das bezahlen? Direktsaat erfordert nicht nur Know-How und Erfahrung, sondern auch teure Technik. Die Situation würde ganz anders ausschauen, wenn diese Klimaleistungen auch honoriert würden. Beispielsweise, indem Direktsaatflächen Greeningprämien bekämen. Dazu hört man von den Direktsaat-Lobbyverbänden aber wenig an Erfolgsmeldungen aus Brüssel.

Ein anderer denkbarer Anreiz ist der Handel mit CO2-Zertifikaten: Jeden Hektar, den ich in Direktsaat bewirtschafte, verkaufe ich für 500 Euro. Das wäre die moderne Form des Ablasshandels.

3. Die weiteren Folgen

Drittens: Der Faktor Klimawandel ist ja nur ein Baustein von vielen im Gefüge Bodenbewirtschaftung. Und den kann man nicht isoliert sehen. Stichwort Feldhygiene: Welche neuen Probleme schafft man sich durch so genannte Grüne Brücken oder Mäuseplagen?

Stichwort Glyphosat: Was passiert mit der Direktsaat, wenn der Wirkstoff wegfällt? Großes Achselzucken, dann müssen neue Ideen her, denn Hacken und Striegel möchte man da lieber nicht.

Oder Resistenzen: Direktsaat erfordert ganz besondere Aufmerksamkeit, um resistente Unkräuter nicht zu fördern.

Modelle ernähren keine Familie

Ich verstehe die Studie als Impuls, über konservierende Bodenbearbeitung, Fruchtfolgen und Bodenleben nachzudenken. Die Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung e.V. mit ihren 700 Mitgliedern leistet da wichtige Arbeit in der Praxis.

Aber die Szenarien dieser Studie sind zu sehr vom Schreibtisch aus gedacht und haben mit der Wirklichkeit auf dem Acker wenig zu tun. Denn manchmal ist der Pflug nötiges Mittel, um Feldhygiene und Erträge noch abzusichern.

Denn die schönsten Modelle helfen nichts, wenn sie zum Draufzahlgeschäft für den werden, der damit seine Familie ernähren muss.

 

 

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