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Kommentar

Kommentar zur Düngeverordnung: 'Jede Menge teurer Neuerungen'

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
11.04.2017

Jetzt ist das lange erwartete Düngepaket also da und man kann froh sein, dass es im Bundesrat nicht doch noch im einen oder anderen wesentlichen Teil aufgeschnürt wurde.

Simon Michel-Berger

Die allerletzte Rechtssicherheit haben die Landwirte aber immer noch nicht. Noch läuft das Klageverfahren der Europäische Kommission gegen Deutschland wegen Gewässerverunreinigung durch Nitrat. Hoffentlich hat sich das Bundeslandwirtschaftsministerium bei der Gestaltung der neuen Rechtstexte ausreichend mit Brüssel abgestimmt. Sicher ist die Rücknahme des Verfahrens nämlich noch nicht.

Klar ist, dass mit der neuen Düngeverordnung auf die Bauern trotzdem jede Menge teure Neuerungen zukommen: Gut 100 Millionen Euro an Kosten im ersten Jahr, weitere 80 Millionen ab 2020 – und das jedes Jahr. So schätzt jedenfalls das Bundeslandwirtschaftsministerium.

"Es gibt auch kleine Erfolge"

In Bayern dürften viele kleinere Betriebe von der Erweiterung der Lagerkapazitäten betroffen sein: Nicht jeder Familienbetrieb im Berggebiet kann ohne weiteres ein Lager für den Festmistanfall von 2 Monaten bauen. Die ab 2020 geforderten modernen Ausbringungstechniken kosten auch Geld. Zwar lassen sich die Anschaffungskosten durch Lohnunternehmer, Maschinenringe oder andere Formen gemeinschaftlicher Maschinennutzung für den Einzelbetrieb senken. Teurer dürfte es aber allemal werden.

Immerhin gibt es auch kleine Erfolge: Die Einarbeitungsfrist für Gülle auf unbestelltem Acker liegt künftig bei vier Stunden, ursprünglich gefordert war einmal nur eine Stunde. Familienbetriebe mit wenig Fremdarbeitskräften, die noch vieles selber tun, hätten an einer Stunde arg zu knabbern gehabt.

Fest steht auf jeden Fall: Bei den Bauern tut sich einiges beim Thema Düngung. Bleibt zu hoffen, dass all die Kritiker der Branche dies nun auch anerkennen.

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