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US-Studie

Kommentar: "Glyphosatstudie - neue Sau durchs Dorf getrieben"

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
26.09.2018

Eine neue Glyphosatstudie sagt, dass Bienen durch das Herbizid geschädigt werden können. agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann ordnet die Ergebnisse ein.

Amerikanische Wissenschaftler schreiben erneut über Glyphosat - und alle Medien treiben die Sau durchs Dorf. Ohne Einordnen und kritisches Hinterfragen. Das ist symptomatisch für die Diskussion um Glyphosat und es ärgert mich.

In ihrer Studie stellen die Forscher der University of Texas in Austin fest, dass die Darmbakterien von Honigbienen durch den Wirkstoff in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Dass Glyphosat durchaus auch auf Bakterien wirkt, beispielsweise im Boden, ist nichts Neues.

Die Dosis macht das Gift

Diese Studienergebnisse sind aber kritisch zu hinterfragen. Wie bei jeder Untersuchung zum Pflanzenschutz gilt der immer gleiche Fakt: Die Dosis macht das Gift. Und so muss schon genauer hingeschaut werden, wenn die Forscher der University of Texas von einer praxisüblichen Menge sprechen.

Die US-Wissenschaftler haben die Honigbienen 5 Tage lang einer Zuckerlösung mit 5 beziehungsweise 10 mg/l Glyphosat ausgesetzt. Diese Dosis ist nach Einschätzung von Experten weit von dem entfernt, was Bienen natürlicherweise hierzulande in der Natur an Glyphosat aufnehmen können.

Diese Menge hat wenig mit der Praxis zu tun

Zum Vergleich: 2016 wurde ein Fall bekannt, bei dem 5 mg/kg Glyphosat in Honig gefunden wurde. Das dürfte der höchste gefundene Glyphosatwert im Zusammenhang mit Bienenfutter sein. Honig als Nahrung für die Bienen wäre hier in etwa mit der Zuckerlösung aus der Studie zu vergleichen, wobei sich Honig durch das Eindicken sogar noch stärker konzentriert.

Der Fund im Honig entstand damals aufgrund einer (durchaus kritisch zu sehenden) Sikkationsmaßnahme gegen blühende Kornblume in Getreide – also einem äußersten Grenzfall der praktischen Anwendung von Glyphosat.

Im US-Versuch wurde also mit hohen Dosen gearbeitet, die weit von der üblichen Praxis in Deutschland entfernt sind. Eine echte Worst-case-Studie also.

Grundlagenforschung ja – Panikmache nein

Die Wissenschaftler betreiben mit dieser Studie eine interessante Grundlagenforschung, das steht außer Frage.

Was sich aus diese Studie aber definitiv nicht ableiten lässt: Unsere Bienen wären durch die hierzulande erlaubten landwirtschaftlichen Anwendungen von Glyphosat gefährdet.

Diese Anwendungen gehören verboten

Ich sage ausdrücklich „erlaubte landwirtschaftliche Anwendung“, weil es Bereiche gibt, in denen Glyphosat – zulässigerweise – in zu hoher Dosis, abseits der guten fachlichen Praxis und damit auch kritisch für Bienen verwendet wird. Dazu zählen:

  • der Einsatz auf Bahngleisen (mit bis zu 10 l/ha, auf dem Acker sind es 2 l/ha)
  • die Sikkation (zu groß ist das Risiko, auch blühende Pflanzen zu treffen) und vor allem
  • der Heim- und Gartenbereich (mit unkontrollierbaren Mengen pro Flächeneinheit).

Diese drei Einsatzfelder gehören für mich sofort aus der Zulassung von Glyphosat gestrichen – damit wäre schon viel geholfen.

Nicht geholfen ist damit, US-Studien ohne kritische Prüfung als Sau durchs mediale Dorf zu treiben. Das ist Panikmache und die hat nichts mit einer faktenbasierten, seriösen Diskussion zu tun.

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