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Biodiversität

Kommentar zum Glyphosatverbot: Ein Dammbruch

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann
am Donnerstag, 26.09.2019 - 05:03 (Jetzt kommentieren)

Das Glyphosat-Aus abseits wissenschaftlicher Fakten öffnet das Tor für weitere Verbote, sagt agrarheute-Redakteur Klaus Strotmann.

Entscheidungen auf Faktenbasis zu fällen, das gehört nicht mehr zu den Kernaufgaben unserer Politiker. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, verfolgt man das Herumgeeiere und gegenseitige Blockieren bei heiklen Themen.

Immer öfter sind Entscheidungen rein politisch getrieben, dienen als Ausgleich für andere Zugeständnisse und ignorieren wissenschaftliche Tatsachen.

Anfang September hat das Bundeskabinett so eine Entscheidung getroffen. Ende 2023 ist in Deutschland Schluss mit Glyphosat.

Damit nimmt die Regierung eine Bewertung vorweg, die derzeit EU-weit geklärt wird, und zwar auf wissenschaftlicher Basis. Doch Deutschland geht jetzt seinen eigenen Weg.

Kein Vertrauen mehr in wissenschaftliche Bewertungen

Die Folgen dieses Alleingangs sind aus meiner Sicht fatal:

Der Beschluss höhlt das Vertrauen in eine wissenschaftsbasierte Bewertung von Pflanzenschutzmitteln endgültig aus. Künftig wird es ein leichtes Spiel sein, jeglichen als sicher geprüften Wirkstoff politisch fallen zu lassen – ein Dammbruch.

Das Verbot hilft der Artenvielfalt nicht

Hilft das Glyphosatverbot wenigstens der Artenvielfalt? Ich habe Zweifel.

Denn die Probleme, die sich daraus ergeben, wollten die Politiker bei ihrer Entscheidungsfindung wohl nicht sehen: Wurzelunkräuter lassen sich nur noch durch Mischungen deutlich kritischerer Wirkstoffe oder mit mehr Mechanik bekämpfen, siehe Quecke.

Das geht auf Kosten des Bodengefüges, des Bodenlebens (auch dort leben Insekten!), des Erosionsschutzes und der Kohlenstoffspeicherung. Bodenschonende Mulch- und Direktsaaten sind in Gefahr.

Das ist alles nichts Neues. Experten predigen die Argumente seit Beginn der Glyphosatdebatte. Jetzt gilt es, unter enormem Zeitdruck Alternativen in die Praxis zu bringen. Das geht nur über mehr Geld für die Agrarforschung.

Biodiversitätsauflagen sind zunächst vom Tisch

Hoffnung auf mehr Sachlichkeit macht mir ein Gerichtsurteil aus Braunschweig.

Die Richter haben festgestellt, dass das Umweltbundesamt dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nicht einfach Auflagen ins Hausaufgabenheft diktieren darf. Damit scheint jetzt erst mal vom Tisch, dass die Anwendung bestimmter Pflanzenschutzmittel automatisch 10 Prozent Biodiversitätsfläche auslöst.

Biodiversität in Klöckners Masterplan - aber bitte mit Sachverstand

Es bleibt die Chance, den Artenschutz vernünftig und fachlich richtig in der Ackerbaustrategie zu verankern. Landwirtschaftsministerin Klöckner hört bei ihrer Entscheidungsfindung in diesen Wochen hoffentlich auf die Fachleute. Immerhin gehören ihrem Praktikernetzwerk viele Landwirte, Berater und Wissenschaftler an.

Diesen Kommentar lesen Sie auch in der agrarheute-Ausgabe Oktober 2019. Wie ist Ihre Meinung? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unten oder schicken Sie mir eine Mail an klaus.strotmann@dlv.de.

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