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Trockenheit

Kommentar: Auch Zwischenfrüchte brauchen Wasser

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann
am Dienstag, 21.08.2018 - 05:25 (Jetzt kommentieren)

Zwischenfrüchte für Futter anbauen - regnet es dort mehr?! Für agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann wirkt manch aktueller Aktionismus wie Hohn.

In diesen Tagen ist viel von Solidarität die Rede. Bauern, die ihre Güllefässer bei der Trockenheit mit Löschwasser füllen, Bauern, die nach den Sturmschäden Mitte August anpacken und Bauern, die Futter für die Tiere ihrer Kollegen zur Verfügung stellen.

Bauern sind Macher, aber viele fühlen sich derzeit im Stich gelassen.

Beispielsweise die Ackerbauern: Ministerin Julia Klöckner kündigt zwar Hilfen an, aber die sollen vorrangig den Tierhaltern zugutekommen. Natürlich muss zuerst das Tier etwas zu fressen haben, aber bei vielen Marktfruchtbetrieben sieht die Bilanz im Geldbeutel nicht besser aus als bei den Tierhaltern. Selbst wenn die Erzeugerpreise steigen, werden sie Mindererträge von einem Drittel nicht wettmachen.

Dieses Jahr geht an die Existenzgrundlage vieler Betriebe

Jeder Landwirt wirtschaftet so, dass er in guten Jahren für die schlechten zurücklegt. Sei es Futter, sei es Geld. Aber das, was wir seit über einem Vierteljahr erleben, ist ein Ausreißer, wie wir ihn schon lange nicht mehr hatten.

Ein Ausreißer, der an die Existenzgrundlage vieler Betriebe geht. Darum hat die Bitte um staatliche Hilfen auch nichts mit Händeaufhalten zu tun, sondern es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Wirtschaft und Landwirtschaft nicht in einen Topf werfen

Wer den Unterschied zwischen Fehlinvestitionen von Banken oder multinationalen Konzernen mit der derzeitigen wirtschaftlichen Situation der deutschen Bauern vergleicht, dem möchte ich zwei Gedanken mit auf den Weg geben:

Erstens lässt es sich satt immer gut herziehen. Unsere Gesellschaft ist so gut versorgt, dass sie es kaum spürt, wenn Bauern schlechte Ernten einfahren. Dass dann mehr Getreide aus dem Ausland kommt, interessiert den Verbraucher kaum. Hungersnöte kennen wir nicht. Gottseidank, klar. Regional erzeugte Produkte für billig Geld will aber trotzdem jeder kaufen.

Zweitens arbeiten unsere Bauern - anders als andere Wirtschaftsbereiche - mit und in der Natur. Das heißt, sie sind hochgradig vom Wetter abhängig. Gute, ja beste fachliche Praxis kann nicht retten, was auf dem Acker nicht wächst. Was für ein Zynismus, wenn Grüne jetzt nach einer Umkehr hin zur ökologischen Landwirtschaft schreien. Als ob es dort mehr regnet.

Auch die Zwischenfrüchte vertrocknen

Und damit komme ich auf die aktuelle Diskussion um die Greeningflächen. Dieses Herumgeeiere, ob die ökologischen Vorrangflächen nun als Futter genutzt werden dürfen und wenn ja, unter welchen Bedingungen, hat doch nichts mit der Praxis zu tun.

Es ist zwar großherzig und eine gute Tat, dass sich Ministerium und Entscheidungsträger jetzt einig sind und politische Brachflächen als Futterquelle dienen dürfen.

Aber haben sich die Zuständigen mal draußen umgeschaut? Nicht nur auf den Grünland- und den Maisfeldern wächst nichts – die Zwischenfrucht sieht doch genauso aus!

Für viele Berufskollegen wirkt es wie Hohn, wenn ihnen empfohlen wird, jetzt Zwischenfrüchte für den Futteranbau auszusäen. Nach den spärlichen 15 mm Regen, die wir hier im Norden in den letzten Wochen hatten, ist jeder Keimling längst vertrocknet. Der Boden ist steinhart, der Verschleiß bei der Bearbeitung hoch. Und so geht es derzeit vielen Landwirten im gesamten Bundesgebiet.

Praktikable Vorschläge sind gefragt

Nebenbei: Zwischenfruchtmischungen sind richtig teuer. Und jeder Milchviehhalter weiß besser als die Behörden, dass zu viele Zwischenfrüchte in der Futterration richtig Probleme machen könnn. Zu viel Nitrat, zu wenig Struktur, zu viel Zucker, Gefahr von Acidosen.

Vom grünen Tisch große Taten verkünden, aber die Realität nicht zu kennen, stößt unseren Bauern vor den Kopf. Wir brauchen jetzt praktikable Lösungen und echte Solidarität – mit Futterbörsen, finanzieller Unterstützung und schnellen Vorschlägen aus Politik und Wissenschaft.   

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