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Studie Artenschutz

'Konventionelle Wirtschaftsweise schont Ressourcen'

catrin hahn
am
15.01.2016

Ökolandbau ist besser für die Natur als konventionelle Landwirtschaft, so die gängige Meinung. Aber nicht was den Erhalt der Artenvielfalt anbelangt, so das Fazit einer aktuellen Studie

Weizenernte
© Mühlhausen/landpixel

Wissenschaftler des Humboldt Forum for Food and Agriculture e. V. (HFFA) hatten sich zum Ziel gemacht, die weithin verbreitete Vorstellung, dass ökologischer Landbau vorteilhafter für den Erhalt der Artenvielfalt sei als konventioneller Landbau zu überprüfen. Bei der Studie, die der Industrieverband Agrar (IVA) in Auftrag gegeben hatte, zeigte sich:

 

Nimmt man, wie bisher üblich, nur die bewirtschaftete Ackerfläche zum Maßstab, dann schneidet der Ökolandbau besser ab. Nun ist das primäre Ziel der Landbewirtschaftung aber nicht alleine der Artenschutz, sondern die Produktion von Lebensmitteln. Und hier dreht sich der Wind: bezieht man den Ernteertrag mit ein, dann geht deutlich weniger Artenvielfalt bei konventioneller Bewirtschaftung verloren. Ursache ist der mehr als doppelt so hohe Flächenertrag der konventionellen Landwirtschaft.

Ökolandbau: 55 Prozent mehr Artenverlust

Die Verluste an Artenvielfalt für beide Bewirtschaftungsformen wurden aus wissenschaftlicher Literatur ermittelt. Verglichen mit einem natürlichen Ökosystem weist ein Ökoschlag eine um 67 % geringere Artenvielfalt auf. Im konventionellen Landbau geht die Artenvielfalt im Mittel um 86 % gegenüber einem natürlichen Ökosystem zurück. Setzt man nun die Biodiversitätsverluste in Beziehung zur Erntemenge je Flächeneinheit, dann verursacht der Ökolandbau einen um 55 % größeren Artenverlust je Ertragseinheit.

Vergleich mit einem Linienbus

"Vergleicht man den Spritverbrauch eines Autos und eines Linienbusses, dann schneidet das Auto immer besser ab. Das heißt aber nicht, dass das Auto nun umweltfreundlicher ist, denn der Bus kann mit seinem höheren Spritverbrauch ungleich viel mehr Menschen transportieren.", erklärte der Autor der Studie Dr. Steffen Noleppa bei der Präsentation heute in Berlin.

Kritik: "Pseudowissenschaftliche Propaganda

Der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittel, Felix Prinz zu Löwenstein, griff die Studie und den IVA scharf an: "Der IVA missbraucht die Daten des Thünen-Instituts für pseudowissenschaftliche Propaganda. Denn die Testbetriebs-Daten, die für den Vergleich heran gezogen wurden, dienen dem Institut für einen betriebswirtschaftlichen Vergleich, geben jedoch keine Auskunft über naturräumliche oder klimatische Gemeinsamkeiten von Betrieben."

Der IVA weist die Kritik zurück. Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler antwortete: "Die Wortwahl des BÖLW-Vorsitzenden Felix Prinz zu Löwenstein ist nicht nur unangemessen, seine Kritik ist vor allem sachlich falsch. Es wird sein Geheimnis bleiben, wie man bei der Analyse von Daten, die nach einem geregelten Verfahren erhoben worden sind, von Missbrauch sprechen kann."Dass der Ökolandbau geringer Erträge erwirtschafte, sei bekannt. Durch den Vergleich von Betrieben mit gleichen Klima- und Standortbedingungen sei ein fairer Vergleich möglich.  Hier könne sich der Ökolandbau "nicht einfach wegducken".

 

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