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Künstlicher Humus: Neue Chancen für Landwirte?

Trockener Boden
am Mittwoch, 15.12.2021 - 14:00 (3 Kommentare)

Humus gilt als Zauberstoff in Landwirtschaft und Klimaschutz. Doch er fällt nicht vom Himmel, sondern der Aufbau bracht Zeit. Forscher wollen den Böden mit künstlichem Humus auf die Sprünge helfen.

Humus ist die Antwort auf viele Fragen zur Zukunft unseres Planeten. Bodenfruchtbarkeit, Erhalt des Ökosystems, Speicherung von Kohlendioxid und Wasser. Damit ist Humus auch für Landwirte Grundlage ihres Wirtschaftens. Doch Humusbildung ist auch ein schwieriges Geschäft. Künstlicher Humus könnte nun Abhilfe schaffen. Forscher des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) in Potsdam-Golm haben ein Verfahren entwickelt, Huminstoffe im Labor herzustellen. Landwirte und der Gesellschaft bieten sich damit neue Chancen.

Schlechtere Böden, aber bald 10 Milliarden Menschen zu ernähren

Die Ansprüche an den Boden sind gewaltig. Er soll das Klima retten und gesunde Nahrungsmittel liefern. Doch von 4,8 Milliarden Hektar Acker- und Weideland auf dem Planeten haben sich die Böden von fast zwei Milliarden Hektar verschlechtert. Sie leiden unter Erosion, Wassermangel, Versalzung. „Im Hinblick auf die weltweit zunehmend schlechte Bodenqualität müssen wir schneller sein als die Natur, denn in ein paar Jahren müssen 10 Milliarden Menschen ernährt werden und die Klimakrise gilt es auch zu bewältigen“, sagt Prof. Markus Antonietti, Direktor am MPIKG.

Künstlicher Humus kann aus Grünschnitt gewonnen werden

Humus würde den Böden helfen. Doch da er aus dem Zerfall organischer Substanz entsteht, dauert es mitunter Jahre, bis Humus aufgebaut ist. Die Forscher haben einen Weg gefunden, Huminstoffe in einem halben Tag herzustellen. Sie nutzen dafür Wärme, hohen Druck, eine Base wie Asche und organische Abfälle wie Grünschnitt, Laub oder Rinde. Das Produkt verhält sich wie natürlicher Humus und Landwirte könnten es auf ihren Flächen verteilen. „Die Reaktion findet bei höheren Temperaturen in Wasser statt und verläuft dann spontan“, sagt Antonietti, „bei geeignetem Wärmemanagement ist der Prozess also sehr preiswert.“

Landwirte könnten mit künstlichem Humus auch dem Klima nutzen

Die künstlichen Huminstoffe verbessern den Boden wie natürlicher Humus. Und liefern nach Ansicht der Forscher große Vorteile mit sich: „Zwei Milliarden Hektar Ackerland brauchen tatsächlich zwei Milliarden Tonnen Huminstoffe, binden aber dann wohl bis zu 350 Milliarden Tonnen CO2 durch Rückkehr der Bodenbiologie“, sagt Antonietti. Das ist in etwa die Menge, die in den letzten zehn Jahren von der Menschheit in die Atmosphäre geblasen wurde.

Humus beziehungsweise Huminstoffe haben nicht von ungefähr so viele positive Wirkungen. Es sind Polymere, das heißt hochkomplexe Moleküle, in denen Kohlenstoff gebunden ist. Sie sind in der Lage, den Boden strukturell und chemisch aufzuwerten.

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