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Landjugend-Forum: Stroh, knapp und teuer?

von , am
09.07.2012

Auf der Tarmstedter Ausstellung veranstaltete die Niedersächsische Landjugend ein Forum zum Thema Stroh. Dabei wurde die aktuelle Entwicklung der Angebotslage und der Preise diskutiert.

Jedes Jahr fallen in Deutschland rund 30 Millionen Tonnen Stroh an © Mühlhausen/landpixel
Die Niedersächsische Landjugend (NLJ) veranstaltete auch in diesem Jahr ein Forum auf der Tarmstedter Ausstellung. In der gut einstündigen Podiumsdiskussion ging es um das Thema "Knapp und teuer? Stroh in der heutigen Zeit". Dabei wurde die aktuelle Entwicklung der Angebotslage und der Preise diskutiert. Seit Stroh nicht mehr nur als Einstreumaterial dient, sondern in erheblichem Umfang auch als Energieträger genutzt wird, ist die Nachfrage stark angewachsen.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Strohpreis

Als Gründe für die momentan hohen Preise nannten die Teilnehmer verschiedene Gründe. "Der Strohmarkt ist unreglementiert, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Tierhaltende Betriebe müssen meist Stroh zukaufen, es besteht großer Bedarf", sagte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktanalyst bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Auch der schleichende Flächenverbrauch, mit ungefähr 90 Hektar pro Tag, trage dazu bei, dass weniger Stroh zur Verfügung stehe.
 
Aufgrund des Biogasbooms findet eine Umverteilung auf den Äckern statt. "Weizen ist zwar immer noch die wichtigsgte Kultur, aber der Mais ist ihm mittlerweile dicht auf den Fersen", so der Marktanalyst. "Darüber hinaus ist bei den Ernten der letzten zwei Jahre viel Stroh auf den Äckern liegen geblieben. Die Sommer waren sehr nass und alles musste schnell gehen. Dieser Faktor wird hoffentlich dieses Jahr nicht mehr greifen. Und zu guter letzt wird Stroh mittlerweile auch zur Wärmenutzung eingesetzt." Er geht davon aus, dass sich die Preise momentan auf dem Höchststand befinden. Kurz vor der Ernte seien die Läger leer.

Strohbedarf bei Landwirten gestiegen

Heinz Hermann Roschen, Strohhändler und Milchviehhalter unterstrich, dass seiner Erfahrung nach mittlerweile viel mehr Landwirte Stroh beziehen. Früher waren seine Kunden eher Pferdehalter. Er versucht den Strohbedarf für den Handel in Deutschland zu decken, da die Transportkosten aufgrund von Mautgebühren im Ausland sonst sehr teuer sein können. "Für mich ist es wichtig dass ein LKW mit der maximalen Tonage beladen werden kann. Deshalb sind rechteckige Ballen mit einer hohen Verdichtung optimal für den Transport."
 
Seiner Meinung nach wächst insgesamt genug Stroh auf den Äckern, aber nicht alle Betriebe seien bereit auch welches abzugeben. "Oft ist es ein Problem des Managements, wenn die Ernte erst sehr spät durchgeführt werden kann. Vor allem die großen Güter haben dann kein Interesse an der Bergung von Stroh, da sie dann schon wieder die Aussaat im Kopf haben", erklärt der Unternehmer.

Alternativen zur Stroheinstreu schwierig

NLJ-Junglandwirt Jan-Henrik Schöne vertrat die Meinung, dass es schwierig sei Alternativen zu finden. Er hat mit Gärresten als Einstreu schlechte Erfahrungen gemacht: "Damals ist etwas bei der Kompostierung schief gelaufen und ein Pilz ist entstanden. Das hatte sich negativ auf die Eutergesundheit ausgewirkt." Er appellierte an die Forschung beziehungsweise Beratung auch Haltungsformen zu berücksichtigen, die weniger Stroh benötigen.
 
Thomas Heger vom Strohverbrennungsanlagenanbieter Nestro GmbH sieht in den Brennstoffanlagen keinen wirklichen Konkurrenten um das Stroh: "In Deutschland werden hauptsächlich Anlagen gebaut, die sich im Leistungsbereich von 250 Kilowatt bis ein Megawatt bewegen. Sie sind flexibel was das Heizgut angeht und die Betreiber können sich nach dem Markt richten. Allerdings ist die Ascheausbringung bei Stroh geringer als bei Hackgut."

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