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Protestaktion gegen Dumpingpreise

Landwirte zerstören Erdbeeren: Richtiges Zeichen oder Verschwendung?

Erdbeerpflanzen mit reifen Erdbeeren auf einem Feld
am Montag, 30.05.2022 - 11:17 (7 Kommentare)

In NRW haben Landwirte aus Protest gegen die Preise Erdbeeren vernichtet. Auf Facebook kam es zu heftigen Diskussionen. War es ein richtiges Zeichen oder Verschwendung?

Landwirte aus dem Münsterland in Nordrhein-Westfalen zerstören aus Protest ihre Erdbeerfelder, wie agrarheute hier berichtete. Der Grund: Sie sind wütend über die niedrigen Preise im Lebensmittelhandel.

Auf der agrarheute.com Facebookseite kam es zu hitzigen Diskussionen. Die einen finden, die Landwirte setzen damit ein richtiges Zeichen. Andere User wiederum kritisieren die Aktion stark und bezeichnen sie als Lebensmittelverschwendung.

Kritik an Vernichtung von Erdbeeren in Zeiten von Lebensmittelknappheit

So kann Britta K.S. das Ganze überhaupt nicht verstehen: „So ein absoluter Quatsch ..aus Protest Nahrung zu zerstören...ihr seid nicht mehr normal. Es wird immer schlimmer.
Auch Mal überlegt dass sich einige Menschen darüber gefreut hatten, die sich das eben nicht mehr leisten können!“

Auch Alfred G. kritisiert: "... und immer noch größere Felder für noch mehr Spargel und noch mehr Erdbeeren und dann lamentieren man hat zu viel erzeugt und muss es wegwerfen…“ Magdalena K. stimmt ihm zu: "Dieses Verhalten ist unfassbar und in Zeiten von Lebensmittelknappheit richtig verantwortungslos. Viele Menschen würden sie auch selbst pflücken. So ein Verhalten darf nicht toleriert werden.“

Abmulchen von Erdbeeren: Protest oder Management-Fehler?

Mike H. schreibt ebenfalls: „Besonders kreativ ist das Abmulchen sicher nicht, er hätte vorher z.B. 100 kg pflücken und einem Kindergarten oder Flüchtlingsheim/Obdachlosenheim spenden können. Viele Bürger die ja eigentlich alle Kunden der Deutschen Bauern sind, waren noch nie auf einem Bauernhof, haben keine rationelle Vorstellung was 2022 auf vielen Höfen wirtschaftlich los ist.“

Daraufhin entgegnet Florian H.: „Die von Dir genannten Einrichtungen sind gut versorgt. Dem ging es ums Prinzip. Der hat seine Erdbeeren aus berechtigtem Protest eingeackert. Weil er dank den Importen einfach nichts mehr für seine Ernte kriegt.“

Thorsten H. antwortet Florian aber daraufhin: „…und genau das glaube ich nicht. Hier hat jemand nur medial wirksam seine eigenen Management-Fehler aufgezeigt, es wird nur anders dargestellt. [… ] Klar ist, dass hier jemand bei seinen Verträgen gepennt hat und auch das Thema Vermarktung scheinbar völlig vernachlässigt hat. Vielleicht ist es aber auch so, dass sich das betriebliche Geschäftsmodell geändert hat oder der Betriebsleiter andere Themen priorisiert, vielleicht auch eine abhängige Beschäftigung, wir wissen es nicht, aber das ist doch hier sehr verkürzt dargestellt. Die Maisproduktion ist in den meisten Betrieben ja in hohem Maße in Fremdvergabe, da kann man schnell mal die Eigenkapitalrendite erhöhen.“

Kunde ist beim Einkauf im Supermarkt verantwortlich

Christian M. fordert: “Und ab Oktober steigt der Mindestlohn auf 12 Euro. Da wundert sich noch jemand, dass die Anbaufläche in Deutschland immer weiter zurückgeht! Der Kunde muss endlich zu seinen Aussagen bei Umfragen stehen und die heimische saisonale Ware kaufen! Nur Lippenbekenntnisse bringen uns nicht weiter. Der Markt braucht zudem gewisse Regeln!!“

Andrea entgegnet jedoch: „Der Kunde kann es gar nicht mehr - und absehbar wird die finanzielle Lage in noch mehr Haushalten so sein, dass nur noch billige Nahrungsmittel gekauft werden. Wartet mal die ersten Heizkostenabrechnungen für Mieter ab.“

Keine faire Preise für Erdbeeren, Spargel und Weihnachtsbäume

User Oliver G. bedauert das Vorgehen der Landwirte zutiefst: „Mir tut das immer ganz tief drinnen weh, wenn Lebensmittel, die zuvor angebaut oder gewonnen wurden, aus Protest gegen die oligopolische Marktstruktur und gegen den LEH, vernichtet werden.“

Bernd B. meint: „Da kann man jetzt noch Mais säen. Was bringt es, wenn die Erdbeeren geerntet werden, aber nicht mal der Arbeitslohn wieder rein kommt. Mit den Spargelfeldern und den Weihnachtsbaum-Plantagen wird das auch so kommen, wenn keiner bereit ist, die Produkte fair zu bezahlen.“

Gladsheim versteht die Aktion und sieht die Schuld eindeutig bei den Konzernen: „Verständlich… So wie die Landwirte mittlerweile behandelt werden, sollte man vielleicht mal überlegen, aus Protest ALLE Felder mal platt zu machen! Dann können die Firmen zusehen, wo sie ihre "Rohware" her bekommen! Dieses elendige Preisdumping kann so nicht weitergehen! Klar, Endkunden haben auch nicht unbegrenzt Geld, aber bei den Gewinnmargen der Konzerne ist verdammt viel Spielraum…!“

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