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Mischkulturen

10 Tipps für Gemenge mit Bohnen oder Erbsen

Mischanbau von Erbsen und Hafer
am Dienstag, 17.12.2019 - 14:57 (Jetzt kommentieren)

Mischkulturen von Leguminosen mit Getreide ergänzen sich auf dem Acker ideal und verbessern die Eiweißqualität des Futters. Wir fassen in 10 Tipps zusammen, was möglich ist und worauf Sie achten sollten.

1. Die Vorteile im Mix nutzen

Der Anbau von Gemengen bietet eine höhere Ertragssicherheit, weil sich das Risiko auf zwei Kulturen verteilt. Und der Ertrag des Gemenges kann durch die effizientere Nutzung von Nährstoffen, Wasser und Licht um 5 bis 15 Prozent höher sein als der Ertrag der beiden einzeln angebauten Kulturen.

Die Standfestigkeit, besonders die der Erbse, verbessert sich durch eine Stützfrucht. Gemengeanbau fördert auch die Pflanzengesundheit.

2. Kulturen müssen zusammenpassen

Grundsätzlich ist eine Vielzahl verschiedener Gemenge möglich. Pflanzenbaulich müssen Saat- und Erntezeitpunkt beider Kulturen zusammenpassen. Auch die Standortbedingungen und die Fruchtfolgeabstände müssen übereinstimmen.

Eine Anbaupause von mindestens fünf Jahren ist sowohl zwischen Ackerbohnen als auch zwischen Erbsen einzuhalten.

3. Die richtigen Mischungen wählen

Die Ackerbohne lässt sich gut mit spätreifem Hafer oder Sommerfutterweizen anbauen.

Die halbblattlose Sommererbse schätzt als Stützfrucht Sommergerste oder Hafer. Hierbei sollten früher abreifende Hafersorten zum Einsatz kommen.

Die vollblättrige Erbse kann auch mit Triticale oder Roggen angebaut werden. Das empfiehlt sich zum Beispiel für eine Nutzung als Ganzpflanzensilage (GPS).

Das Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne (DemoNetErBo) empfiehlt diese eiweißbetonten Mischungen:

  • 70 Prozent Ackerbohnen und 30 Prozent Sommerfutterweizen,
  • 80 Prozent Erbse und 20 Prozent Hafer,
  • 100 Prozent Ackerbohne und 50 Prozent Hafer,
  • 100 Prozent Erbse und 50 Prozent lange Sommergerste. 

Die Angaben entsprechen Anteilen der Reinsaatstärken. Der Betrieb muss die Saatstärken je nach Bodenbedingungen und Saatzeitpunkt anpassen.

4. Gemenge als ÖVF-Fläche anrechnen

Gemenge leisten einen Beitrag für mehr Biodiversität und Landschaftsqualität. Wenn die Leguminose im Bestand überwiegt, lässt sich das Leguminose-Getreide-Gemenge mit dem Faktor 1,0 als ökologische Vorrangfläche (ÖVF) anrechnen. Als Maßstab gilt, was in der Vegetationszeit auf dem Acker zu sehen ist.

Wichtig: Im Erntejahr dürfen keine Pflanzenschutzmittel auf das Gemenge ausgebracht werden.

5. Passenden Saatzeitpunkt wählen

Der Saatzeitpunkt des Gemenges richtet sich nach dem Saattermin der Körnerleguminose.

Erbsen werden Anfang März bis Ende April, Ackerbohnen bereits ab Ende Februar bis Mitte April gesät. Der Boden sollte genügend abgetrocknet sein. Beide Körnerleguminosen brauchen ein optimales Saatbeet.

Bei einer frühen Saat können die Pflanzen die Winterfeuchtigkeit optimal nutzen.

6. Gemeinsam oder nacheinander säen

Alle genannten Mischungen lassen sich mit einer normalen Drillsämaschine ausbringen. Das Saatgut wird vor dem Einfüllen in die Sämaschine gleichmäßig gemischt, gegebenenfalls im Saatkasten nachmischen.

Die Saattiefe ist bei gemeinsamer Saat ein Kompromiss beider Kulturen und liegt zwischen 4 und 7 cm.

Bei getrennter Saat der Gemengepartner lassen sich die optimalen Saattiefen beider Kulturen besser berücksichtigen.

Möglich sind zwei getrennte Überfahrten oder eine gemeinsame. Im zweiten Fall ist eine Sämaschine mit mehreren Kammern nötig, die eine Ablage der Gemengepartner auf verschiedene Tiefen erlaubt.

7. Unkrautunterdrückung nutzen

Gemenge mit hoher Saatdichte unterdrücken das Unkraut gut und haben mit weniger Spätverunkrautung zu kämpfen: Die Lücken im Bestand sind durch das Getreide gefüllt.

Körnerleguminosen-Getreide-Gemenge im Frühjahr möglichst striegeln. Dafür müssen gegebenenfalls Fahrgassen angelegt werden.

Falls Sie eine mechanische Unkrautregulierung planen, sollten Sie 10 Prozent mehr Saatgut einplanen.

8. Pflanzenschutz beschränken

Chemischer Pflanzenschutz ist im Gemengeanbau theoretisch möglich. In der Praxis ist die Mittelauswahl sehr beschränkt.

Der Haken: Ein Pflanzenschutzmittel darf nur zum Einsatz kommen, wenn es für jede der beiden Mischungspartner eine passende Indikation hat. Und dann müssen alle Zulassungsauflagen eingehalten werden, beispielsweise bei Anwendung im Vorauflauf.

Die maximale Einsatzmenge richtet sich dabei nach der Kulturpflanze mit der geringeren zugelassenen Pflanzenschutzmenge, unabhängig von ihrem Anteil im Bestand.

9. Auf Stickstoff verzichten

Gemenge mit Körnerleguminosen brauchen keine Stickstoffdüngung. Diese behindert sogar die Stickstofffixierungsleistung der Knöllchenbakterien und führt zu einem übermäßigen Wachstum des Getreides.

Phosphor und Kalium sollten Sie allerdings im Blick behalten. Eine Düngung extra zum Gemenge ist meist nicht nötig.

10. Im eigenen Betrieb verfüttern

Das Verfüttern im eigenen Betrieb ist die beste Option, ein Gemenge zu verwerten, entweder als Ganzpflanzensilage oder als Körnerkraftfutter. Eine Futtermitteluntersuchung hilft, die passenden Nährstoffgehalte in den Rationen zu erreichen.

Für die Sortenwahl gilt: Rinder schätzen tanninhaltige, bunt blühende Erbsen und Ackerbohnensorten. Proteine werden an Tannine gebunden, damit erhöht sich der Gehalt an pansenbeständigem Protein (UDP).

An Geflügel und Schweine sollten tanninhaltige Erbsen und Bohnen nur in begrenztem Maß verfüttert werden. Gerade bei den Erbsen sind aber genügend tanninfreie, weiß blühende Sorten erhältlich, die sich auch in höheren Mengen einsetzen lassen.

Weitere Informationen zur Verfütterung unter www.lfl.bayern.de.

 

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