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Erdnüsse aus Deutschland? Ein Landwirt wagt den Versuch

Erdnüsse

Sie sind mit Soja verwandt und legen ihre Früchte in die Erde: Erdnüsse mögen es warm. Klappt der Anbau auch hierzulande? Ein Junglandwirt aus es ausprobiert.

am Freitag, 06.01.2023 - 12:44 (Jetzt kommentieren)

Erdnüsse aus Deutschland – das soll funktionieren? Warum nicht, dachte sich Junglandwirt Dominik Spegel aus dem bayerischen Landkreis Donau-Ries. Auf 1.000 Quadratmetern hat er in diesem Jahr den Test gewagt und die wärmeliebende Frucht angebaut.

Erdnüsse gehören wie Soja, Erbsen und Ackerbohnen zu den Leguminosen, legen ihre Früchte aber über einen Fruchtstiel in den Boden ab. Heimisch sind Erdnüsse vor allem in Südamerika und Afrika – nicht aber in Bayern.

Erste Aussaat von Erdnüssen ist erfroren

Der Demeter-Betriebsleiter ging ohne große Erwartungen an den Anbau heran. „Wir wollten ein bisschen was ausprobieren“, sagt Dominik Spegel. „Durch den Klimawandel muss man sich ja frühzeitig Gedanken machen, war wir in Zukunft anbauen.“ Daher der Tastversuch.

Heimisches Saatgut gibt es nicht, so kam die Ware aus Usbekistan. Mitte Mai säte der Lohnunternehmer die Erdnüsse aus. Zu früh, wie sich im Juni zeigte: Spätfröste ließen die Pflanzen absterben, eine zweite Aussaat war nötig. „Die Verlockung der warmen Tage im Mai war zu groß“, erklärt Spegel den Fehlschlag.

Erdnüsse per Einzelkornsaat in 4 bis 6 cm Tiefe

Immerhin, technisch ist die Aussaat mit einer üblichen Einzelkornsämaschine kein Problem, 4 bis 6 cm tief und im Abstand von 18 cm legte der Lohnunternehmer die Samen Mitte Juni ab. Die zweite Saat ging problemlos auf, mit ihm auch das Unkraut.

Kurzerhand lud Dominik Spegel Siebtklässler eines nahen Gymnasiums für einen Projekttag zum Thema Nachhaltigkeit auf den Betrieb ein. Die Schülerinnen und Schüler halfen mit der Hacke beim Unkrautjäten.

„Wenn ich nur einen Vortrag halte, hat die Hälfte nach einer halben Stunde vielleicht schon abgeschaltet, aber so bekommen sie ein Gespür für den Boden und wie schwer die Arbeit sein kann.“ Gemeinsam ist die Arbeit nach einer knappen Stunde erledigt.

Viel Handarbeit für 40 kg Ernte, aber im nächsten Jahr geht es weiter

Ende Oktober konnte Spegel die Erdnüsse ernten. Mit Hilfe improvisierter Erntetechnik eines kleinen Kartoffelroders und Handarbeit holte er die Nüsse aus dem Boden. Am Ende kamen so 40 kg Erdnüsse zusammen, unter optimalen Bedingungen und wärmerem Klima hätten es an die 300 kg sein können.

Vom geringen Ertrag lässt sich der Junglandwirt nicht entmutigen. „Für einen wirtschaftlichen Anbau muss das professioneller werden, das ist uns klar. Aber dafür, dass es ein Versuch war, sind wir in der Summe zufrieden.“

Auch die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat schon eigene Versuche zum Anbau von Erdnüssen durchgeführt.

Andere Früchte auf seinem Betrieb seien weitaus wichtiger als das Versuchsfeld mit 1.000 m2, sagt Spegel. „Aber dennoch ist das eine Frucht, die uns sehr interessiert.“ Im nächsten Jahr will er die Anbaufläche weiter ausbauen. So könnte es dann irgendwann die ersten Demeter-Erdnüsse aus Deutschland zum Knabbern geben.

Mit Material von Bayerischer Rundfunk
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