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Sojaanbau

Forschung: Neue Soja-Sorten für den heimischen Anbau

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Katharina Krenn, agrarheute
am
20.05.2016

Der Sojaanbau in Deutschland ist nicht immer leicht. Wissenschaftler züchten jetzt Soja-Sorten, die besser an das hiesige Klima angepasst sind.

Wer in Deutschland Soja anbauen möchte, hat es nicht leicht: Es gibt kaum Sorten, die mit dem kühlen Klima klarkommen und dabei den Qualitätsansprüchen für die Tofu- oder Futtermittelproduktion genügen. Deshalb arbeiten Wissenschaftler der Universität Hohenheim und des Julius Kühn-Institutes derzeit intensiv (JKI) an der Züchtung neuer, besser angepasster Soja-Sorten. Darüber hinaus entwickeln sie einen Schnelltest auf Krankheitserreger bei Soja. Mit knapp 390.000 Euro fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Projekt.

Sojasorten mit zuverlässiger Abreife

Die Wissenschaftler erforschen mit statistischen Methoden sogenannte Markergene, also Abschnitte im Erbgut, die für bestimmte Eigenschaften verantwortlich sind. „In unserem Fall dafür, dass die Pflanzen im Herbst zuverlässig reifen und nicht bei Temperaturen unter 10 Grad die Blüten abwerfen“, erläutert Prof. Dr. Karl Schmid vom Fachgebiet Züchtungsinformatik der Universität Hohenheim. Derzeit sammeln die Wissenschaftler noch die Daten der künftigen Kreuzungspartner, im nächsten Jahr wollen sie das entsprechende Saatgut aus den Genbanken beziehen und im Feldversuch überprüfen.

Schnelltest zur Krankheitserkennung

Im Sojaanbau liegen bisher nur wenige Erfahrungen zum Pflanzenschutz vor. Die Forscher haben sich zum Ziel gesetzt einen Schnelltest zu entwickeln, mit dem man die Krankheitserreger nachweisen kann. „Wir verwenden einen für Feuerbrand bereits etablierten Test, bekannt als qPCR“, erklärt Prof. Dr. Vögele. „Damit können wir Erreger qualitativ und quantitativ bestimmen, bevor Symptome zu erkennen sind."

Saatguttest und Resistenz

„Wichtig ist bei Soja auch ein Saatguttest“, betont der Experte. „Der sogenannte Diaporthe/Phomopsis-Komplex ist ein pilzlicher Krankheitskomplex, an dem mehrere Arten beteiligt sind. Er verursacht Ausfallerscheinungen. Und letztlich soll das Verfahren auch wieder der Züchtung nützen. „Durch den quantitativen Nachweis können wir früh erkennen, ob eine neue Züchtungslinie höhere Resistenz gegenüber Krankheitserregern zeigt“, erläutert Prof. Dr. Vögele. „Die Resistenzzüchtung gegen Sojarost oder andere Pilzerkrankungen, Bakterien oder Viren kann so erheblich beschleunigt werden.

Hintergrund: Immer mehr Sojaanbau in Deutschland

Über 17.000 Hektar Soja haben Landwirte in Deutschland letztes Jahr angebaut – rund 7.000 mehr als im Jahr zuvor. Dennoch ist der Anbau hier noch eine Nische, 80 Prozent des Bedarfs decken Importe. „Wir brauchen mehr Sorten, die kältetolerant sind und früher reifen“, erklärt Projektleiter Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt in Hohenheim. „Dann kann der Sojaanbau bei uns vor allem nach Norden weiter ausgedehnt werden.“

SojaGenoPath ist eine Abkürzung für den Projekttitel „Genomik-basierte Verbesserung des heimischen Sojazuchtmaterials und Etablierung eines molekularen Screeningsystems für Soja-Pathogene“. Das Projekt startete am 1.04.2015 und ist auf drei Jahre konzipiert. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert es über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit 389.580 Euro.

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