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Pflanzenbau-Ratgeber

Leguminosen auf ÖVF: Wann sich Hacken und Striegeln lohnen

Hackstriegel in Soja
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Julia Eder, agrarheute
am
06.03.2018

Seit diesem Jahr dürfen beim Anbau von Körnerleguminosen auf ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden. Die LfL hat kalkuliert, wann sich eine mechanische Unkrautregulierung lohnt.

Sollen Leguminosen als ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) angemeldet werden, darf nicht mehr gespritzt oder gebeizt werden. Kleinkörnige Leguminosen wie Klee und Luzerne können in der Regel mit einem Schröpfschnitt zur Unkrautregulierung angebaut werden. Erbsen, Ackerbohnen und Soja erfordern jedoch direkte Maßnahmen zur Unkrautregulierung. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat berechnet, ob sich hier Hacken oder Striegeln lohnt. Die vor allem für Norddeutschland wichtige Süßlupine - im Anbauumfang sogar noch vor der Sojabohne liegend - hat die LfL in ihrer Untersuchung nicht berücksichtigt.

Wann sollten Leguminosen gestriegelt werden?

Beim Striegeln werden kleine Unkräuter im Fädchen- bis Keimblattstadium verschüttet und freigelegt. Daher ist der Einsatz auch an keimenden und auflaufenden Unkräutern auszurichten. Wenn Sie planen, mehrfach oder aggressiv zu striegeln, sollten Sie die Saatstärke bei der Kulturpflanze leicht (+10 %) erhöhen, um Verluste und Schäden auszugleichen. Je nach Zeitpunkt des Striegels gibt es außerdem einiges zu beachten:

  • Vorauflauf der Kultur: Das Saatgut muss ausreichend und gleichmäßig tief abgelegt; die Tiefenführung des Striegels muss präzise sein
  • Leguminosen mit Keimtrieb: nicht mehr striegeln
  • Auflaufen: Ackerbohnen und Erbsen können während des Auflaufens bei Bedarf vorsichtig gestriegelt werden, bei Soja wird besser bis zum ersten Laubblattpaar abgewartet.
  • Reihenschluss: Bei Erbsen und bei Ackerbohnen bis dahin zwei bis drei Striegelbehandlungen durchgeführt werden. In der Soja kann bis zum vierten Laubblattpaar gut ein- bis zweimal gestriegelt werden.

Wann soll in Leguminosen gehackt werden?

Hackgeräte greifen mit unterschiedlichen Werkzeugen mehr oder weniger intensiv in die Bodenoberfläche ein, vor allem im Zwischenreihenbereich. Mit Zusatzwerkzeugen wie der Fingerhacke kann auch in die Reihe eingegriffen werden. Sie entwurzeln, schneiden oder verschütten die Unkräuter. Bei einem frühen Einsatz werden die Kulturpflanzen durch Schutzbleche vor Schäden gesichert.

Ackerbohnen und Soja sind bis zum Reihenschluss zum Hacken gut geeignet, insbesondere beim Anbau in weiter Reihe (35 bis 50 cm). Wichtig ist, das Gerät exakt zu führen, zum beispiel mit einer GPS-gestützten Saat- und Hackgerätesteuerung mit Verschieberahmen.

Kostenvergleich: Mechanisch versus chemisch

Die LfL hat verglichen, welche Kosten beim chemischen und beim mechanischen Pflanzenschutz in Soja, Erbsen und Ackerbohnen entstehen. Bei Ackerbohnen und Erbsen in Drillsaat wurde mit zweimaligem Striegeleinsatz und etwas höherer Saatstärke kalkuliert. Bei Soja wurden nach Einzelkornsaat zweimal Striegel und zweimal Hacke eingeplant. Außerdem ist berechnet, dass Striegel und Hacke von Maschinenring oder Lohnunternehmer eingesetzt werden. Die Ergebnisse:   

  • Mechanische Verfahren bei Erbse und Ackerbohne mit Striegel kosten ca. 90 Euro/ha weniger als eine chemische Unkrautbekämpfung.
  • Im Sojaanbau kostet die mechanische Unkrautregulierung wegen des Hackens knapp 60 Euro/ha mehr.
  • Der Deckungsbeitrag Soja-ÖVF verringert sich damit im Vergleich zum Standard um ca. 60 Euro/ha (bei gleichem Ertrag).
  • Der Arbeitsaufwand reduziert sich in den Beispielen durch die überbetriebliche mechanische Unkrautregulierung um 0,4-0,5 Akh/ha.

Kosten und Ertragsrückgang im Vergleich

Des Weiteren bewertete die LfL die Kosten von Zwischenfrucht, Brache, Soja, Erbse und Ackerbohne pro Hektar ÖVF in Abhängigkeit vom möglichen Ertragsrückgang der Leguminosen gegenüber dem Standardanbau mit chemischer Unkrautregulierung.

  • Bei Erbse und Ackerbohne schrumpfen die Gewinne von 100 Euro bei keinerlei Ertragsrückgang bis auf ca. 100 Euro Verlust bei einem Rückgang von 10 dt/ha
  • Bei Zwischenfrucht oder Brache bleiben die Kosten konstant, da kein Ertrag berechnet wird. Die Kosten liegen bei der Brache bei ca. 300 Euro pro Hektar und bei einer Zwischenfrucht (Faktor 0,3) bei ca. 430 Euro/ha
  • Bei Soja steigen die Kosten rasant mit dem Ertragsrückgang, von rund 50 Euro ohne Rückgang bis auf 470 Euro bei Verlusten von 10 dt/ha

Fazit: Empfehlungen für Leguminosen auf ÖVF

Erbsen und Ackerbohnen auf ÖVF können einen Ertragsrückgang von ca. 5 dt/ha gegenüber einem konventionellen Anbau kompensieren und sich wesentlich kostengünstiger darstellen als die Alternativen Brache oder Zwischenfruchtanbau. Bei Soja-ÖVF fallen bei einem Ertragsrückgang von 5-6 dt/ha ähnliche Kosten an wie bei Brache bzw. bei einem Rückgang von 8-9 dt/ha ähnliche Kosten wie bei Zwischenfrucht-ÖVF.Voraussetzung für den Sojaanbau sind eine Anbaufläche mit einem geringen Unkrautdruck, die frei von problematischen Wurzelunkräuter sind.

Wenn eine Zusammenarbeit mit einen benachbarten Ökobetrieb möglich ist, der die mechanische Unkrautbekämpfung übernimmt und beherrscht, ist der Anbau von Leguminosen auf ÖVF laut LfL also durchaus umsetzbar.

Mehr zu dem Thema lesen Sie in der agrarheute-Ausgabe April 2018.

Mit Material von LfL

Diese Leguminosen sind greeningfähig

Sojabohnen
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