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Eiweißpflanzen

Ratgeber Leguminosen: So bekämpfen Sie Krankheiten und Schädlinge

AF_Bohnen-Randkäfer
am Montag, 29.06.2020 - 09:30 (Jetzt kommentieren)

Mit dem verstärkten Anbau von Eiweißpflanzen treten auch mehr Krankheiten und Schädlinge in Bohnen, Erbsen und Soja auf. Wir erklären, wie Sie diese erkennen, welche Schadschwellen gelten und wie Sie gegebenenfalls handeln müssen.

Werden Eiweißpflanzen häufiger angebaut, stellen sich unweigerlich Fragen zum Pflanzenschutz. Die Antworten sind grundsätzlich  vielfältige Fruchtfolgen mit Untersaaten und Zwischenfrüchten, Kompost und Wirtschaftsdünger, regelmäßiges Kalken und keine Verdichtungen.

Diese Anbauabstände sind einzuhalten

Um die Leguminosenmüdigkeit zu vermeiden, sind ausreichende Anbauabstände zentral.

  • Buntblühende Erbsen sind in etwas kürzeren Zeitabständen möglich, alle fünf 5 bis 7 Jahre,
  • weißblühende etwa alle 6 bis 10 Jahre.
  • Ackerbohnen brauchen im konventionellen Anbau 4 Jahre als Mindestanbauabstand,
  • im ökologischen 6 Jahre.
  • Sojabohnen haben aktuell mit 2 bis 3 Jahren momentan den kürzesten Anbauabstand aller Körnerleguminosen.

Tipps gegen Schokoladenflecken und Rost in Bohnen

AF_Bonhen-Schokoladenflecken

Die Schokoladenfleckenkrankheit an Bohnen verursacht kleine rundliche, scharf abgegrenzte schokoladenbraune Blattflecken, oft mit einem rotbraunen Rand. Bei Bohnenrost zeigen sich an Blättern und Stängeln bis zu 1,5 mm große, hellbraune Rostpusteln.

Gegen die Pilzkrankheiten sind in Ackerbohnen die systemischen Wirkstoffe Tebuconazol etwa im Produkt Folicur und Azoxystrobin etwa im Ortiva verfügbar. Dabei wirken azoxystrobinhaltige Mittel in erster Linie vorbeugend. Noch nicht befallene Pflanzen werden geschützt, und das länger anhaltend. Die Pilzerkrankungen lassen sich mit einer Kombination etwa aus 0,5 l/ha Folicur und 0,5 l/ha Oritva etwa zur Mitte der Blüte bekämpfen

Das lohnt gegen Blattrandkäfer

Neben den Pilzen können tierische Schädlinge den Leguminosenanbauern das Leben schwer machen. Der Blattrandkäfer schädigt in der Auflaufphase von Erbsen und Ackerbohnen sowohl durch Buchtenfraß an den Blättern als auch durch Fraß der Knöllchenbakterien durch die Käferlarven.

Möglich ist nur eine Bekämpfung des Käfers, nicht aber der Larven. Ab einer Schadschwelle von mehr als 50 Prozent befallener Pflanzen ist der Einsatz pyrethroidhaltiger Insektizide wie Karate Zeon, Trafo WG, Shock Down, Kaiso Sorbie oder Cyperkill Max in zu erwägen. Im Ökoanbau lässt sich der Blattrandkäfer nicht bekämpfen.

Wann gegen Blattläuse handeln?

AF_Erbsen-Blattlaus

Für die grüne Erbsen- und die schwarze Bohnenblattlaus gilt ab der Knospenbildung eine Schadschwelle von 5 bis 10 Läusen pro Trieb, während der Blüte ab Befall von mehr als 25 Prozent der Pflanzen.

Dagegen sind Pyrethroide und das nützlingsschonendere Pirimor Granulat verfübar. Dessen Zulassung endet allerdings am 30. April 2020, die Aufbrauchfrist ist der 30. Oktober 2021.

Beim Auftreten von Blattläusen bauen sich oft relativ schnell Nützlingspopulationen etwa von Marienkäfern auf. So ist die chemische Bekämpfung von Blattläusen in befallsschwachen Jahren nicht zwingend nötig.

Bohnenkäfer und Erbsenwickler

AF-Erbsen-Käfer

Der Ackerbohnenkäfer legt seine Eier auf frisch gebildete Hülsen. Unmittelbar nach dem Schlupf bohren sich die Larven in die Hülse und entwickeln sich im Korn, aus dem sie dann als Käfer schlüpfen.

Bekämpfen lässt sich der Schädling nur mit mäßigen Erfolgschancen während der Blüte in einer Warmwetterphase mit Temperaturen über 20 °C. Zugelassen sind Pyrethroide.

In Körnererbsen verursacht vor allem der Erbsenwickler Schäden. Sein Zuflug lässt sich mit Pheromonfallen überwachen, oft zwischen Mai und Juni. Wegen mehrerer Zuflugswellen ist eine Strategie nicht einfach. Chemie ist nur wirksam, wenn sie unmittelbar vor dem Schlupf der Larven terminiert ist. Das ist in der Regel 5 bis 7 Tage nach dem Zuflughöhepunkt. Auch dagegen sind Pyrethroide zugelassen.

Tipps gegen Larven der Bohnensaatfliege in Sojabohnen

Die Larven der Bohnensaatfliege fressen zuweilen Sojakeimlinge an. Das Zeitfenster der Keimung ist bei frühen Saatterminen und kühler Witterung groß. So können erhebliche Fehlstellen beim Auflaufen der Pflanzen bis zum Totalausfall entstehen.

Mit dem richtigen Saattermin inklusive anschließender wärmerer Witterung ist die Fliege bei zügigem Auflaufen aber eher unproblematisch. Eine direkte Bekämpfung ist nicht möglich. Bei starkem Befall bleibt nur eine Nach- oder Neuansaat.

Das geht gegen die Raupen des Distelfalters

Die Raupen des Distelfalters können Soja in Jahren mit massenhaftem Auftreten im Juni bis Juli stark schädigen. Der Schädling lässt sich bei rechtzeitigem Eingreifen konventionell mit Karate Zeon behandeln.

Ökologisch wird der Falter mit dem Bacillus thuringiensis (Bt) reguliert im biologischen Fraßinsektizid Xen-Tari. Für den Einsatz des Bt-Präparats ist im Bioanbau jedoch eine Einzelfallgenehmigung vom zuständigen Pflanzenschutzdienst einzuholen.

Weißstängeligkeit in Jahren mit feuchter Witterung

Sklerotinia-Weißstängeligkeit spielt in Jahren mit feuchter Witterung ab der Blüte eine Rolle. Sichtbar wird der Pilz durch vertrocknende Pflanzen. Die Stängel sind mit einem weißen, flaumigen Mycel und Mäusekot-ähnlichen Sklerotien überzogen.

Direkt regulieren lässt sich der Pilz nicht. Je besser durchlüftet die Bestände sind, desto weniger tritt er auf. Zu Raps oder Sonnenblumen ist ein Anbauabstand am besten 3 Jahren einzuhalten.

Mehr zum Thema Krankheiten und Schädlinge in Leguminosen lesen Sie in der gedruckten Ausgabe von agrarheute Mai 2020 ab Seite 118.

Mit Material von P. Roth, LLH, R. Mack, A. Kögel, Bioland
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