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Ölsaaten

Ratgeber: Tipps zur Aussaat von Ackerbohnen

von , am
06.04.2015

Die Ackerbohne lockert die Fruchtfolge, sammelt Stickstoff und ist ein Eiweißfuttermittel. Trotzdem wird sie nur sehr verhalten angebaut. Durch das Grenning ist die Aussaat der Bohne wieder attraktiver geworden.

Die Ackerbohne könnte durch das Greening wieder eine größere Bedeutung auf deutschen Äckern gewinnen. © hapo/landpixel

Durch die aktuelle Reform der GAP wird der Anbau von Leguminosen in der Fruchtfolge wieder interessanter. Mit dem Faktor 0,7 wird den Landwirten der Anbau im Greening verrechnet. Das heißt, der Landwirt kann die EU-Vorgabe an fünf Prozent ökologischer Vorrangfläche mit rund sieben Prozent Leguminosen auf seiner Ackerfläche erfüllen. Dies macht auch die Ackerbohne wieder attraktiver. Doch der Wert der Grobleguminose sollte nicht nur an einer möglichen Förderung festgemacht werden. So sprechen sowohl ihr Eiweißgehalt als Soja-Ersatz in der Tierfütterung (tanninarme Sorten für Monogastriden) als auch ihre bodenverbessernde Wirkung für ihren Anbau.

 

In Deutschland lag der Anbau der Ackerbohne in den letzten Jahren bei konstant niedrigen 17.000 Hektar (2013). In der EU wird der Eiweißsammler vor allem in Großbritannien (119.000 ha) sowie mit Abstrichen in Frankreich (68.000 ha) und Italien (45.000 ha) angepflanzt. In der beschreibenden Sortenliste sind derzeit lediglich acht unterschiedliche Sorten eingetragen, die meisten sind schon länger auf dem Markt. Einige Sorten sind zudem in anderen EU-Ländern zugelassen und in Deutschland vertriebsfähig. Nur die beiden Sorten Fanfare und Fabelle der Saaten-Union sind innerhalb der letzten vier Jahre zugelassen worden. In Deutschland herrscht die Sommerackerbohne vor, was gilt es bei der Aussaat zu beachten?

Die Ackerbohne in der Fruchtfolge

In Versuchen ergaben Saatstärken zwischen 45 und 50 Körner/m² bei den Ackerbohnen die besten Erträge. © hapo/landpixel

    Standort: Ackerbohnen haben hohe Ansprüche an die Wasserversorgung. Laut Stock und Diepenbrock in "Agronomische Artenpässe landwirtschaftlicher Nutzpflanzen" bevorzugen sie deshalb tiefgründige, bindige Böden mit hoher Speicher- und Pufferkapazität mit niedrigen Temperaturen ohne Tockenstress.

     

    Fruchtfolge: Bevorzugte Vorfrüchte von Vicia faba sind die Wintergerste und - weizen sowie Mais, ungeeignet wegen gleicher Nematodenrassen hingegen Winterroggen und Hafer sowie andere Leguminosen. Der hohe Wert zur Auflockerung getreidereicher Fruchtfolgen führt bei Winterweizen als Nachfrucht laut Stock und Diepenbrock zu einem Mehrertrag von 5 bis 10 dt/ha. Eine Grasuntersaat ermögliche hier eine rechtzeitige N-Bindung. Zwischen dem erneuten Anbau sollte eine Pause von vier Jahren liegen.

     

    Das Saatbeet sollte möglichst trocken sein, um Verdichtungen und einschmieren zu vermeiden. Heute werden Ackerbohnen sowohl nach Pflug als auch in Mulchsaat angebaut. Für die Bildung der Knöllchenbakterien ist ein pH-Wert 6 - 7 optimal. Laut Wolfgang Sauermann von der LWK Schleswig-Holstein brauchen die Ackerbohnen für einen Kornertrag von 60 dt/ha bei mittlerer Versorgungsstufe des Bodens rund 60 kg/ha P2O5, 140 kg/ha K2O und 35 kg/ha MgO. Den Stickstoff holen sich die Leguminosen selber.

    Bestellung der Ackerbohnen

    "Hinsichtlich der Ansprüche an das Saatbett sind Ackerbohnen eine echte Robustkultur, sodass auch sehr extensive Bodenbearbeitungssysteme genutzt werden können. Sie stellen jedoch hohe Anforderungen an eine intakte Bodenstruktur", schreibt Günter Stemann von der FH Südwestfalen im Sonderheft Leguminosen von praxisnah.

    • Saatzeit: Aus Gründen der ausreichenden Wasserversorgung und Vegetationslänge, so zeitig wie möglich (ab Ende Februar). Das Minimum der Keimtemperatur liegt bei 3 ° Celsius, die Keimpflanzen sind bis zu -5 ° C frosttolerant. Die Keimung der Grobleguminosen beginnt bei Temperaturen um die 5 °C. Entsprechend der Bodentemperatur benötigt der Feldaufgang laut Stemann zehn bis 30 Tage. Letzten Endes ist ein guter Bodenzustand am wichtigsten, so auch spätere Termine (Anfang April) noch in Frage kommen.
       
    • Saatmenge: Stabiltypen 40-60 K/m², Normaltypen 30-50 K/m², bei Einzelkornsaat 25-40 K/m². Verzögert sich die Aussaat, kann die Saatmenge entsprechend reduziert werden. Laut Stemann ist unter Berücksichtigung der Saatgutkosten ein Pflanzenbestand von etwa 30 bis 45 Pflanzen je m² anzustreben. Optimale Erträge wurden in Versuchen laut Sauermann von der LWK Schleswig-Holstein bei einer Saatmenge von 45 bis 50 K/m² erzielt.
       
    • Reihenentfernung: Während vor einigen Jahren noch ein Reihenabstand von 20 cm, manchmal sogar bis zu 50 cm, empfohlen wurden, gibt es heute positive Erfahrungen mit dem "Getreideabstand" zwischen 13 und 14 cm.
       
    • Saattiefe: "Der hohe Keimwasserbedarf erfordert eine tiefe Kornablage auf 6 bis 8 cm. Ist ausreichend Bodenfeuchte gegeben oder eine hohe Niederschlagsmenge zu erwarten, kann man flacher säen", rät Günter Stemann in praxisnah. Jedoch sollten mindestens 4 bis 5 cm Tiefe erreicht werden, um die Standfestigkeit nicht zu gefährden und einen ausreichenden Schutz der Saat vor Bodenherbiziden zu gewährleisten.

    Drilltechnik bei der Aussaat

    Laut Wolfgang Sauermann von der LWK Schleswig-Holstein kann die Aussaat mit konventioneller Sätechnik, aber auch mit Einzelkornsaat erfolgen. Sofern ältere Aussaattechnik vorhanden ist, für welche die niedrigen Saatstärken ein Problem sind, könnten sie auch im doppelten Getreideabstand ausgesät werden.

     

    "Die geforderten Drilltiefen lassen sich nach Pflugfurche bei konventioneller Drilltechnik auf mittleren Böden nicht immer sicher erreichen", schreibt Stemann von der FH Südwestfalen. Noch schwieriger sei die Situation bei Mulchsaaten mit Reststoffen und nur flacher Lockerung. Deutlich besser arbeiten demnach moderne Mulchsaatmaschinen, die einen wesentlich höheren Schardruck erzeugen können. "Zusätzlich empfehlen sich diese Maschinen durch ihre höhere Schlagkraft und Flächenleistung. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Packerwalzen auf feuchtem Boden nicht zu stark kneten und verdichten", erklärt Stemann.

    Die Ackerbohne bietet eine sinnvolle Ergänzung der Fruchtfolge über ihren Greening-Faktor hinaus. Ihr Anbau ist sowohl für die Bodengesundheit als auch als Soja-Substitut in der Tierfütterung interessant. Wer die Grobleguminose zum ersten mal auf seinem Acker drillen möchte, sollte den Kontakt zu dem Berater seines Vertrauens suchen, um die positiven Aspekte voll ausschöpfen zu können.

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