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Ölsaaten

Sojabohnen-Ernte: Sechs Tipps, wie Sie den Drescher richtig einstellen

Sojabohne
am Donnerstag, 13.08.2020 - 13:00 (1 Kommentar)

Die Sojaernte steht bevor. Damit sich die Verluste beim Drusch der Bohnen in Grenzen halten, ist der Mähdrescher optimal einzustellen. Wir sagen, wie das funktioniert.

Sojabohnen stellen besondere Anforderungen an die Erntetechnik. Bei stark lagernden Beständen oder tiefem Ansatz der untersten Hülsen bleiben bei der Sojaernte oft zu viele Bohnen auf dem Feld zurück.

Daher sind alle Baugruppen des Mähdreschers optimal einzustellen, vor allem aber das Schneidwerk. Das senkt die Druschverlust auf 3 bis 4 Prozent.

1. Die Haspel richtig einstellen

Schneidwerk und Haspel sind gegebenenfalls umzurüsten.

  • Die Zinken sollten senkrecht zum Schneidtisch stehen, wenn sie die Sojabohnen zur Förderschnecke befördern.
  • An den Haspelzinken, die an den Querstreben angebracht sind, besteht die Gefahr, dass sich die Sojabohnen an den Zuführschnecken verheddern und schon vor dem Schnitt gedroschen werden. Hier hat es sich bewährt, die Schlaufen mit HT-Rohren abzudecken. Bei amerikanischen Schneidwerken ist die Haspel generell so konzipiert.
  • Die Drehzahl der Haspel kann etwa 10 bis 20 Prozent höher im Verhältnis zur Fahrtgeschwindigkeit liegen. Jedoch ist hier auf die Platzanfälligkeit der Hülsen zu achten.

2. Die Einzugsschnecke korrekt einstellen

Folgende Parameter sind wichtig:

  • Höhe: Die Distanz zwischen dem Boden vom Schneidtisch und den Enden der Einzugsschnecken lässt sich leicht erhöhen. Diese Distanz hat einen Effekt darauf, wie schnell die Hülsen abgeschlagen werden.
  • Drehzahl: Sie sollte niedrig gewählt werden. Spezielle Schneidwerke sind noch mit weiteren Einzugsmöglichkeiten ausgestattet, die es erlauben, die Drehzahl zu reduzieren, bei älteren Modellen ist das oft nicht möglich.
  • Allgemeine Einstellung: Das Einstellen der Einzugsschnecken sollte so vorgenommen werden, dass sie die Sojapflanzen sehr schnell greifen und rasch weiterbefördern.

3. Ein Schneidwerk mit flexiblen Messerbalken lohnt

Eine sehr niedrige Position der Messerbalken und eine mäßige, agepasste Geschwindigkeit beim Dreschen bringt nach französischen Feldversuchen einen Mehrertrag von 3 bis 4 dt/ ha.

  • Damit der Messerbalken nicht mit Erde verunreinigt wird, muss die Bodenoberfläche eben sein. Das ist schon bei der Bestellung und Saat zu beachten.  
  • Ein Schneidwerk mit flexiblen Messerbalken passt sich an Bodenunebenheiten besser an. So werden auch die unteren Hülsen geerntet.
  • Auch die Gefahr, dass Erde und Steine eingetragen werden, ist bei flexiblen Schneidwerken geringer. Amerikanische Schneidwerke sind bis zu 15 m breit. Sie sind sehr präzise in der Schnitthöhe von 2 bis 5 cm.

4. Niedrige Drehzahl wählen

Bei der Dreschtrommel ist eher eine niedrige Drehzahl zu wählen, um den Bruch der Körner zu minmieren. 400 bis maximal 600 U/min sind empfehlenswert. Meist lassen sich die Einstellung in der Kabine vornehmen. Axialdrescher mit Rotorabscheider haben nach bisherigen Erfahrungen Vorteile.

Der Abstand von Dreschtrommel zu Dreschkorb:

  • vorne sollte ein Abstand von 20 bis 25 mm passen,
  • hinten ist ein Abstand von 15 bis 18 mm zu wählen.

5. Die passenden Siebe verwenden

Der Wind sollte auf ¾ der Maximalleistung eingestellt werden und nach vorne gerichtet sein. Bei vielen Mähdreschern werden oft Lamellensiebe verwendet. Das Obersieb sollte hier rund 16 bis 18 mm Abstand haben, das Untersieb etwa 12 bis 14 mm.

Der Wind muss dabei je nach Drescher meist auf volle Leistung eingestellt werden. Sollten dennoch Siebkastenverluste auftreten, sind eher die Siebe weiter zu öffnen als der Wind zu reduzieren.

  • Obersieb: Lochblech mit einem Durchmesser von 15 bis 18 mm
  • Untersieb: Lochblech mit einem Durchmesser von 10 bis 12 mm

6. Weitere Erntetipps im Überblick

Wichtig ist, nicht zu schnell zu dreschen. Auf diese Faustregeln sollten Sie achten:

  • Mit dem Dreschen wird angefangen, sobald die Feuchtigkeit der Bohnen 14 % erreicht hat. Bei niedrigeren (<10 %) TS-Gehalten nehmen die Beschädigungen der Bohnen zu. Bei hohen Feuchtigkeitsgehalten (>16 %) erhöht sich der Anteil an nicht ausgedroschenen Hülsen. 
  • Falls ein "Vorschieben" der Pflanzen beobachtet wird, sollte die Fahrgeschwindigkeit verringert und ggf. die Messerschärfe überprüft werden. 
  • Einstellungen sollten je nach Gegebenheiten optimiert werden ggf. auch zweimal am Tag, falls sich die Erntefeuchte oder der Bestand ändert.
  • Bei hohem Unkrautbesatz muss langsamer gedroschen werden.

Nur bei der Saatgutgewinnung lässt sich etwas schneller fahren, damit immer genug Sojabohnen auf den Sieben "schwimmen" und die Bohnen nicht mechanisch beschädigt werden. Wichtig ist weiter:

  • Nicht zu hoch schneiden, Schneidwerk so nah am Boden wie möglich.
  • Niedrige Drehzahl der Dreschtrommel verwenden. 
  • Abstand zwischen Haspel, Schneidwerk, Einzugschnecke und Schrägförderer verringern. 
  • Bei kleinen Bohnen etwa wegen Dürre eventuell den Luftstrom reduzieren. 
  • Drehzahl der Haspel im Verhältnis zur Fahrtgeschwindigkeit 10 bis 20 % höher. 
  • Die Haspel soll 15 bis 30 cm vor dem Schneidwerk stehen und so weit wie möglich heruntergelassen sein.

 

Erntehelfer USA: Sojaernte auf amerikanischem Ackerbaubetrieb

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