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Körnerleguminosen

Sojatagung 2018: Tipps für die Praxis

Druschreife Sojabohnen
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
30.10.2018

Wie ist es um die Eiweißkultur Soja in diesem trockenen Jahr bestellt und wo besteht Forschungsbedarf? Hier das Fazit aus der diesjährigen Sojatagung.

Der Sojaanbau wurde in diesem Jahr deutschlandweit nochmals deutlich auf rund 23.000 ha ausgeweitet, berichtet der Geschäftsführer des Soja-Netzwerks Jürgen Recknagel. Die größten Flächen liegen in Bayern und Baden-Württemberg.

Die Umstellung der ADM-Ölmühlen Staubing/Donau und Spyck/Niederrhein auf die Verarbeitung von GVO-freien Sojabohnen brachte erstmalig größere Mengen an GVO-freiem Extraktionsschrot auf den Markt.

Anbautipps für die Praxis

Für Bayern hat sich eine Saatzeit um Mitte April als optimal herausgestellt. „Bei einer Aussaat Anfang April können die Minimumtemperaturen während der Blüte noch unter 10 °C fallen“, sagt Alois Aigner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). „Die Folge wäre ein fehlender Hülsenansatz.“

Eine spätere Aussaat führt zu späterer Reife. Bei Saat im Mai sollten unter bayerischen Bedingungen keine späten Sorten mehr ausgesät werden, die nicht reif werden.

Falls es die Abreife erlaubt, bringen spätere Sorten aber mehr Ertrag als die frühen. „Die Aussaatstärke lässt sich durchaus von des bisher empfohlenen 70 auf 60 keimfähige Körner/qm reduzieren“, rät Alois Aigner.

Vorsicht ist beim Nachbau geboten: Die Keimfähigkeit kann schnell leiden, etwa beim Drusch, durch Pilzbefall des Erntegutes oder bei falscher Trocknung. Das Ziel ist bei sorgsamem Umgang 96 Prozent.

Impfung ist unverzichtbar

Aus der Praxis und auch in Versuchen zeigt sich, dass bei der nötigen Bodenimpfung mit Knöllchenbakterien die Fix-fertig-Impfung nicht zuverlässig funktioniert.

Aigner: „Die anderen Impfpräparate, kurz vor der Saat angewandt, haben sich alle bewährt. Eine Impfung ist unverzichtbar.“ Eine doppelte Impfung bringe nach Erfahrung des Beraters aber keinen zusätzlichen Vorteil.

Beim Knöllchenansatz mit den Rhizobiumbakterien bestehe nach Ansicht von Dr. Harald Schmidt von der Stiftung Ökologie und Landbau auch am meisten Forschungsbedarf.

Hoher Tongehalt und hohe N-min-Gehalte vor der Saat wirkten sich negativ auf die Knöllchenbildung aus. Entscheidenden Einfluss haben Niederschlag oder Beregnung während der Blüte, die Temperatur in der ersten Woche nach der Aussaat und die Tiefe der vorhergehenden Bodenbearbeitung.

Schnellere Züchtung angepasster Sorten

Züchter Peter Greif von der Saatzucht Streng-Engelen berichtet von neuen Methoden zur markergestützten Selektion. „Damit lässt sich die Züchtung von Sorten beschleunigen, die an unser Klima angepasst sind. Die Entwicklung einer Sorte verkürzt sich von 12 bis 14 Jahre auf 9 bis 11 Jahre.“

Wie lässt sich Soja in der Fütterung optimal verwerten?

Wie sich unterschiedliche Sojaaufbereitungsintensitäten auf die Mast von Schweinen und Geflügel auswirken, hat Dr. Stefan Turner von der LfL untersucht.

Ein hoher Gehalt an Trypsininhibitoren begrenzt die Zunahmen. Daher muss dieser weniger als 4 mg/g betragen bei gleichzeitig hoher Eiweißlöslichkeit von 78 bis 85 Prozent.

Ungeeignet ist die darrthermische Methode mit heißer, feuchter Luft. Die übrigen drei Methoden eignen sich:

  • druckthermisches Erhitzen und Extrusion,
  • hydrothermisch mit Wasserdampf,
  • thermisch mit trockener Hitze in einem Toaster.

Das Entölen wurde bei allen Verfahren vor oder nach der Aufbereitung durchgeführt.

In viehlosen Gebieten mangelt es oft noch an Strukturen hin zu Regionen mit Viehhaltung, um die Wertschöpfung zu erhöhen.

Mit Material von DLR Oppenheim

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